Anekdoten aus einem schwulen Leben IX
"Nacht der Solidarität", sagte Christoph noch, aber dann riss die Verbindung ab und ich wollte nicht noch einmal anrufen. Er war gerade im Zug, wir wollten unser Wochenende planen und es gibt diesmal wieder einen besonderen Anlass: Die "Nacht der Solidarität" soll an AIDS und HIV erinnern, sie soll Menschen Mut machen, die sich nicht trauen, Freunde und Verwandte in die Diagnose einzuweihen und nicht zuletzt dazu auffordern, den Kampf gegen die Immunschwäche nicht aufzugeben.
Manchmal scheint es doch ein verlorener Kampf zu sein, nicht nur, weil Menschen einfach auf Schutz verzichten, sondern auch, weil es immer noch Forscher gibt, die sagen, dass es AIDS gar nicht gibt, sondern nur eine Illusion der Pharmaforschung, die große Verschwörung. Sie bestreiten gar nicht, dass es das HIV-Virus gibt, aber sie bestreiten, dass das Virus irgendetwas auslösen kann, es ist nur ein Passagier im Körper, der schließlich in einen anderen Körper wandert und diese Theorien wären zum Lachen, wenn die Forscher, die diese Meinung vertreten, nicht Nobelpreise gewonnen hätten.
Auch deswegen rufen die AIDS-Hilfen wieder einmal zu einem Aktionstag auf, in Verbindung mit der Kirche, und sie legen große Aids-Schleifen vor Gotteshäuser, sie bieten ein Jazzfrühstück an oder organisieren an diesem Tag Miniausstellungen zum Thema. Doch nicht nur das: Der Anlass des diesjährigen Aktionstages ist vor allem der Pharmaindustrie gewidmet, es wird eine Unterschriftenaktion geben, weil jeder Mensch auf der Welt Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten bekommen soll. Es gibt dazu eine Postkarte, sie zeigt ein kleines Schloß und darüber steht dick die Forderung, dass es keine Patente mehr auf AIDS-Medikamente geben soll, denn dann könnten preiswerte Generika produziert werden.
Man kann sich durchaus fragen, ob wirklich die Abschaffung von Patenten die Lösung des Problems wäre. Vielleicht gäbe es dann mehr Produzenten, aber dass mehrere Produzenten nicht bedeutet, dass der Preis sinkt, zeigt der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs: Die Hersteller haben sich auf einfach auf 477,18 Euro pro Impfung eingependelt und bisher lag der Standardpreis für Impfungen bei 50 Euro. Das liegt auch an der STIKO, der ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts, die in Deutschland Impfempfehlungen geben darf, nach denen sich die Krankenkassen richten. So eine Institution sollte unabhängig sein, doch sie muss für Industrie und Patient da sein und ist deswegen nicht unabhängig.
Man kann jetzt Skandal schreien und wenn man das alles liest denken, dass es wirklich ein verlorener Kampf zu sein scheint, seit nun mehr als zwanzig Jahren, als AIDS zum ersten Mal in die Medien kam und als großer Unbekannter Angst schürte. Sicher ist er mindestens schwierig und noch lange nicht zu Ende. All das macht es den Menschen, die mit der Diagnose leben müssen, nicht einfacher, denn immer noch wissen viele Menschen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen: Darf ich sie anfassen? Was ist mit Zungenküssen? Doch statt sich zu informieren, flüchtet man sich lieber in Vorurteile und Ausgrenzung.
Das habe ich auch selbst gemerkt. Ich habe einmal eine Artikelserie über AIDS geschrieben und festgestellt, wie wenig ich über die Krankheit wusste, weil ich es nur eine Stunde in der Schule hatte und dann nie wieder. Und das ist die Hoffnung für so einen Tag: Dass er dazu beiträgt, ein paar Menschen zu ermutigen, sich zu informieren. Dann alleine ist schon viel getan und wenigstens lassen sich die meisten Schwulen regelmäßig testen. Über Generika aber kann man später immer noch reden.
Weiterführende Informationen:
Seite des Aktionsbündnisses mit großer Übersicht von Aktionen in Deiner Stadt und Informationen zum Anlass des Aktionstages
Morgen der dritte und letzte Teil des Specials: Die Bareback-Problematik und wie Dating-Portale mit ihr umgehen
Anekdoten aus einem schwulen Leben.
Jeden Samstag auf Gay Dating Tricks!
Manchmal scheint es doch ein verlorener Kampf zu sein, nicht nur, weil Menschen einfach auf Schutz verzichten, sondern auch, weil es immer noch Forscher gibt, die sagen, dass es AIDS gar nicht gibt, sondern nur eine Illusion der Pharmaforschung, die große Verschwörung. Sie bestreiten gar nicht, dass es das HIV-Virus gibt, aber sie bestreiten, dass das Virus irgendetwas auslösen kann, es ist nur ein Passagier im Körper, der schließlich in einen anderen Körper wandert und diese Theorien wären zum Lachen, wenn die Forscher, die diese Meinung vertreten, nicht Nobelpreise gewonnen hätten.
Auch deswegen rufen die AIDS-Hilfen wieder einmal zu einem Aktionstag auf, in Verbindung mit der Kirche, und sie legen große Aids-Schleifen vor Gotteshäuser, sie bieten ein Jazzfrühstück an oder organisieren an diesem Tag Miniausstellungen zum Thema. Doch nicht nur das: Der Anlass des diesjährigen Aktionstages ist vor allem der Pharmaindustrie gewidmet, es wird eine Unterschriftenaktion geben, weil jeder Mensch auf der Welt Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten bekommen soll. Es gibt dazu eine Postkarte, sie zeigt ein kleines Schloß und darüber steht dick die Forderung, dass es keine Patente mehr auf AIDS-Medikamente geben soll, denn dann könnten preiswerte Generika produziert werden.
Man kann sich durchaus fragen, ob wirklich die Abschaffung von Patenten die Lösung des Problems wäre. Vielleicht gäbe es dann mehr Produzenten, aber dass mehrere Produzenten nicht bedeutet, dass der Preis sinkt, zeigt der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs: Die Hersteller haben sich auf einfach auf 477,18 Euro pro Impfung eingependelt und bisher lag der Standardpreis für Impfungen bei 50 Euro. Das liegt auch an der STIKO, der ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts, die in Deutschland Impfempfehlungen geben darf, nach denen sich die Krankenkassen richten. So eine Institution sollte unabhängig sein, doch sie muss für Industrie und Patient da sein und ist deswegen nicht unabhängig.
Man kann jetzt Skandal schreien und wenn man das alles liest denken, dass es wirklich ein verlorener Kampf zu sein scheint, seit nun mehr als zwanzig Jahren, als AIDS zum ersten Mal in die Medien kam und als großer Unbekannter Angst schürte. Sicher ist er mindestens schwierig und noch lange nicht zu Ende. All das macht es den Menschen, die mit der Diagnose leben müssen, nicht einfacher, denn immer noch wissen viele Menschen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen: Darf ich sie anfassen? Was ist mit Zungenküssen? Doch statt sich zu informieren, flüchtet man sich lieber in Vorurteile und Ausgrenzung.
Das habe ich auch selbst gemerkt. Ich habe einmal eine Artikelserie über AIDS geschrieben und festgestellt, wie wenig ich über die Krankheit wusste, weil ich es nur eine Stunde in der Schule hatte und dann nie wieder. Und das ist die Hoffnung für so einen Tag: Dass er dazu beiträgt, ein paar Menschen zu ermutigen, sich zu informieren. Dann alleine ist schon viel getan und wenigstens lassen sich die meisten Schwulen regelmäßig testen. Über Generika aber kann man später immer noch reden.
Weiterführende Informationen:
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baumarktpflanze - 7. Jun, 00:01
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