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Sonntag, 8. Juni 2008

BareRomeo - Get Friends, Have Sex

"Na, du machst es dir ja wieder sehr einfach" waren die Worte, die mir der gute Sascha (mein Co-Blogger) an den Kopf warf.
Dabei erzählte ich ihm bloß, dass ich das Thema Barebacking im Zusammenhang mit GayRomeo kritisch beleuchten wollte. Ob er damit recht hat?

Der Begriff "bareback" ist aus der Reitersprache entlehnt. Er könnte mit "Reiten ohne Sattel" übersetzt werden und bezeichnet Sex ohne Kondom. Insbesondere meint man Analverkehr ohne ein vor Infektionen schützendes Kondom. Viele assoziieren damit auch andere "unsafe" Praktiken in diesem Zusammenhang.

Fangen wir vielleicht mit einem Experiment an. Dieses wurde durchgeführt vom Blog Eintagpositiv. Jener Blogger hat einfach zwei GayRomeo Profile erstellt und geschaut, wie schnell er jemanden für ein Sexdate findet - ungeschützt versteht sich. Sein Fazit:
"Beide Profile, der Negative, der sich unbedingt mal wieder richtig "abfüllen" lassen wollte, oder der ach so gut aussehende Positive, brauchten keine Angst haben, auch nur eine Nacht ohne Mann verbringen zu müssen. Keiner von beiden brauchte Angst haben, dass irgend ein Date zu viel Gummi dabei haben würde."
Die blauen Seiten werden häufig angegriffen wegen ihrer liberalen Haltung bezüglich Barebacking- Clubs und Profilen.
In Zeiten von Sex2.0 - ähm, meine Web2.0 kommt PlanetRomeo eine Sonderstellung zu.
Denn GR ist nicht nur die größte schwule Community, sondern hat darüber hinaus unter vielen Schwulen den Ruf ein Sexportal zu sein. (Davon distanziert sich der Betreiber und erklärt, dass "GayRomeo möglichst mehr als eine reine Sexplattform sein sollte".)
Aufgrund dieser ausgezeichneten Stellung und dem Einfluss auf das heutige Sexualleben der Schwulen hat die Kontaktbörse eine besondere Verantwortung in punkto "Safer Sex".

Wird GayRomeo dieser Verantwortung gerecht?
Vor grob einem Jahr riefen "die Blauen" das Kooperationsprojekt "Health-Support" ins Leben. Präventionsmitarbeiter verschiedener Hilfe-Organisationen sind nun über ein "Health-Support"-Profil ansprechbar und bieten Hilfestellungen zu allen möglichen Themen.
Diese Angebot wird von vielen begrüßt. Auf einer Anfrage hin, wie die deutsche AIDS Hilfe zu GR stehe, antwortete man mir:
"Hinsichtlich Gayromeo kann ich Ihnen mitteilen, dass das Portal ein wichtiger Kooperationspartner der DAH ist. Zusammen mit Gayromeo konnten wir auf deren Seiten ein schwules peer-Präventionsprojekt, den "health support" etablieren."

Ich schrieb mit einem Health-Supporter und fragte ihn nach den Vorteilen des neuen Präventionsprojektes."Mit dem Health-Support haben sich die Anfragen via Internet stark erhöht. [...] So haben wir, als AIDS-Hilfe Westmecklenburg, seitdem ca. 20 Internetanfragen pro Woche. Das war vorher nicht so."
"Ich finde dieses Projekt sehr gelungen, da dieses Angebot sehr niederschwellig ist und somit ein Klientel erreicht wird, welches ansonsten keine Beratungsstelle aufsuchen würde."

"Was das Barebacking betrifft, so ist dies eine Herausforderung für alle Präventionsmitarbeiter. Es ist unheimlich schwierig, in dieser Szene Fuß zu fassen. Bisherige Präventionsbotschaften sind bei dieser Zielgruppe leider nicht angekommen.
[...] Ich sehe auch das Problem, dass durch den Health-Support die Seiten von „Gayromeo“ aufgewertet und viele User in eine scheinbare Sicherheit versetzt werden."
Der elektronische Schriftverkehr reduziert also die Hemmschwelle eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Einige kritische Stimmen warnen, dass ein solches Präventionsprojekt klassische Beratungsgespräche nicht ersetzen darf. Der Großteil der Anfragen bei GayRomeo seien zum Beispiel reine Wissensfragen.
Auch hört man von Klagen, dass sich einige Beraterprofile nicht gerade durch Professionalität auszeichneten.
Creative Commons by flickr user bse303
Und was ist mit den Bareback-Clubs?
Darf GayRomeo Raum für Bareback-Partys bieten?
Eine häufige Antwort darauf lautet: "Was würde ein Verbot schon bringen?"
Oder wie es die AIDS-Hilfe Westmecklenburg fasst:
"Viele fordern ein Verbot der Barebacking-Clubs auf Gayromeo. Es ist aber auch so, dass Verbote das Problem nicht lösen. Die Anhänger dieser Szene werden sich dann einfach eine andere Plattform suchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das unbedingt gewollt ist.

Es gibt bei Gayromeo einige Aspekte, die mir viel größere Bauchschmerzen bereiten als die Barebacking-Clubs. [...] Zum einen das Problem, das sich Jugendliche unter 18 Jahren leicht Zugang zu diesem Chatportal verschaffen können und zum anderen, dass es Jugendlichen unheimlich leicht gemacht wird, sich zu prostituieren."
Über die Escorts berichtete ich bereits.

Zurück zum eigentlichen Thema.
Unter dem Beitrag "Zahlen bitte" findest Du ein paar Statistiken zu dem Userverhalten in Punkto Safer Sex, aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Dating-Portalen.

Wie sieht PlanetRomeo die Problematik?
In einer Stellungnahme heißt es:
"Oft werden wir dafür kritisiert, dass wir Bareback-Profile und Clubs nicht verbieten. [...] Grundsätzlich stellen wir klar, dass wir ganz eindeutig für Safer Sex sind. [...]
Wir glauben, dass man ein Problem nicht löst, indem man sie aus der Öffentlichkeit verbannt und "unsichtbar" macht. [...]
Letztendlich sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir am meisten erreichen, wenn wir mit diesem Thema offen umgehen und auch nichts verbieten. Nur so haben wir die Möglichkeit, User zu erreichen und im Rahmen unserer Möglichkeiten Aufklärung zu betreiben"
Auch hier wieder die gleiche Argumentation. Barebacking werde man nicht aktiv verbieten, da das Problem dadurch auch nicht verschwände. Ein "was hilft es, wenn ich FairTrade-Produkte kaufe, andere beuten die dritte Welt ja dennoch aus" hat damit eine gewisse Ähnlichkeit.
Der Health Support ist in meinen Augen Ausdruck einer Doppelmoral, ganz ähnlich der "Rauchen kann tödlich sein"-Aufkleber auf Zigarettenpackungen.
Bei der Stellungnahme zum Thema liest man viel über das Verbot von Bareback-Profilen. Aber über die Clubs findet sich explizit nichts.
Ich bin der Meinung, dass die Abschaffung der Bareback Clubs einen Beitrag dazu leisten könnte, dass Schwule "safer" leben. Solche Gruppierungen suchen sich sicherlich andere Webseiten. Doch der allgemeine Zugang zu diesen Clubs würde erheblich erschwert. Ebenso kritisch betrachte ich die Möglichkeit, dass man nach Usern suchen kann, die die Einstellung "Safer Sex: Nie" auswählten.

Das Ganze erinnert mich ein wenig an die rechtsradikalen Clubs bei GR. Dort half erst starke Kritik in den Medien ehe Romeo die menschenverachtenden Clubs löschte.
Sicherlich kann man so ziemliche jedes Profil und jeden Club mit der persönlichen Freiheit und der Selbstverantwortlichkeit rechtfertigen. Das wäre dann der gleiche Grund, warum in Amerika jeder Einwohner Waffen besitzen darf. Und diesen Vergleich finde ich ziemlich gut, denn es ist kaum ein Unterschied zwischen dem Recht eine Waffe zu besitzen und dem "Recht" unsafen Sex zu praktizieren, wenn man andere damit in Gefahr bringt.


Ein letzten Gedanken gewähre mir noch.
Was wäre die Motivation für ein Unternehmen Barebacking zu dulden?
Ist es die Freiheit des Einzelnen, die man wahren möchte?
Wäre der technische Aufwand zu hoch?
Oder ist es einfach nur lukrativ?
Würde nicht auch jeder Barebacker mehr einen potentieller Kunde mehr bedeuten?

Ich schließe mit einer Bitte, die GayRomeo an seine Usern richtet - und das mit einer Formulierung, die man halt nur bei den blauen Seiten findet. Ja, PlanetRomeo kennt seine Zielgruppe genau.
"Setz dich bitte mit dem Thema Safer Sex wirklich ausführlich auseinander. Sicherlich ist es nicht die beste Idee, damit zu warten, bis man notgeil auf allen vieren kriecht und ein harter dicker Schwanz ohne Gummi am Arsch reibt."

Gay Dating Tricks

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