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GDmaster - 28. Jun, 12:03
Es ist wieder kalt geworden, die Eisheiligen verdrängen den Sommer in eine Pause. Und regnete es in Strömen und der Donner hallte bedrohlich über dem Haus, als ein Freund sich überraschend gemeldet hat. Er war verschollen zwischen Gesetzestexten und Probeklausuren. Drei Monate hatte die Clique ihn gesucht, aber er wehrte jeglichen Kontakt ab: "Das Examen", sagte er, "die Note", und ich verstehe das ja. In Jura ist es sehr wichtig, gut abzuschneiden, denn nur mit einem guten Abschluß gibt es auch einen hochbezahlten Job in einer anerkannten Kanzlei.
Doch nun hat er seine letzte Klausur abgegeben, erzählte er am Telefon, er hat wieder Zeit, aber ein gutes Gefühl hat er nicht. Er sagte, er hätte früher anfangen müssen, denn "von nichts kommt nichts." Ich habe ihm gesagt, dass er daran nichts mehr ändern könnte. Mir fröstelte, aber ich wollte die Heizung nicht anstellen. Und dann haben wir über andere Sachen geredet, nur wie früher war es nicht mehr. Man hat sich ein Stück verloren, die Zeit ist weitergegangen und nun kann ich nichts mehr mit ihm anfangen und ich weiss nicht warum.
Irgendwie wird es mit Christoph genauso sein. Der Mensch verändert sich mit der Zeit, es sind nicht die Falten, aber es sind die kleinen Dinge, die Schludrigkeiten des Alltags, die sich einschleichen und den anderen auf die Palme bringen. Die Palme biegt sich immer weiter und irgendwann bricht sie ab. Christoph wollte es trotzdem noch einmal mit mir probieren, er sagte, dass er sich nicht mehr sicher ist, ob das, was er will auch das ist, was richtig ist. Da war es noch schön gewesen, die Sonne, das feuchtwarme Wetter.
Wir probieren es also, ich will ihm Zeit geben. Vielleicht kommen die Schmetterlinge ja wieder. Meine beste Freundin sagte, dass sie mich nicht versteht. Und ich verstehe es auch nicht, denn rational hätte ich mich anders entschieden. So ist es wohl doch nicht so: Wir haben uns ein Stück verloren, die Zeit ist vorübergezogen, aber die Hände haben den anderen nicht halten können. Jetzt suchen sie einander, es ist ja auch kalt geworden.
Mein verschollener Freund will mit mir was trinken gehen, wir wollen uns im Park sonnen, vielleicht essen wir einen Crepes. Ich habe zugesagt und dann auflegen wollen, aber er hat mich noch gefragt, was aus meinem anonymen Anrufer geworden ist, dem ich Texte vorlese und der dann auflegt.
Ich habe gesagt, dass er nicht mehr anruft, seit ich über ihn geschrieben habe und dass ich Christoph davon nichts erzählt habe. Mein Freund sagte, dass er das nicht versteht und dann sagte er, dass er sich erstmal einen Tee kochen wird und ich entgegnete, dass sie im Fernsehen für das Wochenende 30 Grad angesagt haben.
Anekdoten aus einem schwulen Leben.
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baumarktpflanze - 28. Jun, 00:01