[>>]

Freitag, 18. Juli 2008

Wo ist der moderne Mann?

Früher war alles einfacher: Der Mann aus der Marlborowerbung war das geltende Männerideal - unrasiert, egoistisch und karrieregeil. Dann kam der metrosexuelle Mann, der sich pflegt und eincremt. Und nun gibt es gar kein Männerbild mehr. Oder doch?

Pioneer-Plakette: So sehen uns Außerirdische Plakette auf der Sonde Pioneer:
So sehen uns Außerirdische

Einsam ritt er durch die Prärie, mit seinem Hut und seinem Hemd. Er war nicht an seiner Gesundheit interessiert, er hatte kein Interesse an Freunden und Partnerschaft, aber das Geld machte ihn schon an. Der "Marlboro-Man", kreiert in den 50ern von der gleichnamigen Zigarettenmarke, wurde zum Synonym einer ganzen Gesellschaft. Dann kamen die 68er, jetzt war der harte Mann nicht mehr gefragt, der "Softie" kam auf und mit ihm lange Haare und bunte Kleidung. Ein Skandal, denn beides sind eigentlich weibliche Domänen. Das Männliche wurde zurückgestellt und eine klassische Rollenzuteilung damit in Frage gestellt.

Und heute? Peter Pelinka, Historiker und Politikwissenschaftler aus Wien, verortet den heutigen Mann in einer "Synthese aus emanzipierten Partner und neuem Vater". In seinem Aufsatz "Vom Marlboro-Mann zum Metrosexuellen" definiert er den Mann als sorgsam-sensibel, vorrangig an persönlicher Entwicklung orientiert und familiär engagiert. Der Marlboro-Mann ist für ihn zu wenig an der eigenen Gesundheit orientiert und zu karrierefixiert. In der heutigen Gesellschaft ist ein Überleben ohne Freunde und Familie schwieriger geworden. Der Softie aber sei es auch nicht, er ordne sich einfach zu sehr dem weiblichen Geschlecht unter.

In diesem Konfliktfeld entstand in der Personifikation des Fußballers David Beckham vor wenigen Jahren der metrosexuelle Mann. Er cremt sich ein und pflegt sich, woran eine ganze Industrie inzwischen kräftig verdient. Er ist aber auch kulturell sehr interessiert, Gesundheit und Wellness sind ihm sehr wichtig. Und so entdeckt er die Wechseljahre für sich und nennt das "Andropause", er rasiert sich säuberlich und meidet jegliche Körperbehaarung, wendet sich also genüßlich einer "eigenen Körperästhethik" (Pelinka) zu. Aber ist das wirklich der herrschende Männertypus? Pelinkas überraschende Antwort: In der modernen Welt von heute gibt es keinen Männertypus mehr.

Verstärkter Hang zum Narzissmus


Der "David" von MichelangeloMännerbild "David von Michelangelo:
Ist das der moderne Mann?


Vielleicht ist es dazu wichtig, einmal zu fragen, warum überhaupt nach Typenzuschreibungen gefahndet wird und warum mann Männerbilder braucht: Auf der einen Seite hat die Werbung zum Beispiel das Bedürfnis, eine bestimmte Zielgruppe zu verorten. Sie ist nicht in der Lage, jeden einzelnen Mann oder generell Menschen anzusprechen. Und deswegen muss sie bestimmte Merkmale zusammenfassen und daraus eben Zielgruppen formen. Schon hier kann man keinen eindeutigen Typen erkennen, denn je nach Produkt werden unterschiedliche Mannesbilder projeziert. Der Familienmann rührt den Vanillepudding an, der Karrieremann fährt die Limousine.

Dass sich alte Mannesbilder verabschiedet haben, zeigt sich zum Beispiel auch an der Politik. Sie sucht nicht mehr nach einem Typus, der Macht, Geld und Militär vereint, stattdessen versucht sie, sich weicher zu inszenieren. Die traditionelle Politik verliert nämlich insgesamt ihre Bedeutung. Sie ist nicht mehr das zentrale Steuerungsorgan, sondern muss sich eingliedern zwischen Wirtschaft, Medien und Kultur. Die Medien zum Beispiel betreiben ein permanentes "agenda setting", in dem sie Themen setzen und Entwicklungen durch Kampagnen bestimmen und dabei Personen formen. Zusammen mit der Kultur werden Stars geformt. Die Wirtschaft ist durch die Konjunktur, aber auch durch Lobbies und die Globalisierung an sich nur noch begrenzt politisch steuerbar. Nur gegenüber der Religion hat die Politik keinen Bedeutungsverlust bisher erlitten.

In diesem System waren früher die Parteien die Träger des Systems. Doch diese Funktion geht nun verloren, weil die Politik immer mehr auf Personalisierung setzt. Themen werden über Persönlichkeiten verkauft und Politiker entwickeln sich zu Showstars. So wird das politische Leben verkürzt, aber auch unberechenbar; nur wer es schaffft, Thema und Rolle, die man spielt, miteinander zu verknüpfen, kann es schaffen, sich auch längere Zeit gegen kritische Medien durchzusetzen. Gilt Standhaftigkeit in allen anderen Fällen als konservativ und starrsinnig, ist sie hier plötzlich wieder positiv besetzt. Im Extremfall ist es so unwichtig, was eine Person sagt, wenn sie dabei ihre Rolle an sich beibehält.

Existenzsicherung ist verloren als identitätsstiftendes Merkmal


Und das heisst: Menschen schöpfen ihre Interpretationen ihres Selbst und der Welt nicht mehr daraus, was sie tun (zum Beispiel eben Macht, Geld Milität), sondern was sie sind oder sich vorstellen zu sein. In einer Zeit, in der man sich immer weiter individualisieren muss, ist eine hegemoniale Männerrolle überflüssig geworden.

Pelinka weist in seinem Aufsatz durchaus darauf hin, dass es Individualisierungen schon immer gegeben hat. Aber heute befinden wir uns in einer anderen Art der Individualisierung und Volker Beck, Politiker der Grünen, nennt diese eine "Arbeitsmarkt-Individualisierung": traditionelle Bindungen lösen sich auf, alte Erklärungsmuster gehen rasant verloren, auf der anderen Seite hat man mehr Chancen auf Bildung und im Leben generell. Und dennoch verliert ein Element an Bedeutung, dass noch bei Marlboro-Mann aktuell war: die Existenzsicherung.

Hamlet auf der Suche nach dem Sinn des Lebens
Hamlet auf der Suche nach dem Sinn des Lebens:
Die Unsicherheit führt zum Narzissmus

Vermehrt wird nun nach dem Sinn des Lebens gefragt und Ausdruck dessen ist das Phänomen des Narzissmus, womit wir wieder bei Politikern und Machtstrukturen wären. Narzisstische Menschen wollen geliebt werden, ihr Bedürfnis dazu ist außerordentlich groß. Sie schwanken ständig zwischen Selbstüberschätzung und NIchtigkeit hin und her, sie können sich nicht mehr in andere Personen einfühlen und damit individualisieren sie etwas oder verachten es. Diejenigen, die das nicht mehr in den Griff bekommen, werden krank: Sie trinken oder nehmen drogen, sie magern ab oder verfetten, sie spielen sich in die Existenzkrise.

Wohin soll der Mann?

Die vermehrte Frage nach dem Sinn des Lebens lässt auf eine tiefgreifende Unsicherheit deuten - und diese Unsicherheit wird durch die modernen Medien noch verschärft. Auf der einen Seite bieten sie natürlich eine Unmenge an neuen Möglichkeiten und ihre Bedeutung wird noch weiter wachsen. Auf der anderen Seite jedoch ist es kaum noch möglich, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu trennen, Wahrheit und Manipulation zu unterscheiden. Und so ist es auch nicht möglich, nach einem gezielten Männertypus zu suchen. Stattdessen separiert und individualisieren sich Männer immer weiter.

Frank Wichert zum Beispiel, Sozialforscher aus Duisburg, unterstützt diese Position. Auch er erkennt in der dauernden Unsicherheit den Zwang einer Person sich wieder abzugrenzen. In seiner Studie "Der vorbildliche Mann" schreibt er, dass es unheimlich wichtig für jemanden geworden ist, mit wem man gesellschaftlichen Umgang hat, aber auch der gesellschaftliche und auch berufliche Erfolg allgemein. Wichert prophezeit deswegen den "Self-Made-Man", der sich wieder seine eigene Karriere schafft. Womit wir wieder bei Macht, Geld und Militär wären. Dem schließt sich ebenfalls Peter Döge, Diplom-Politologe, an. In dem Trend zum metrosexuellen Mann, schreibt er in seinem Aufsatz "Schaustelle Mann - Kontinuitäten und Bruchlinien im Männerleben am Beginn des 21. Jahrhunderts", erkennt er nur eine medienwirksame Inszenierung. Dass der Mann wieder oder weiterhin karrierefixiert sei, erkenne man auch daran, dass zum Beispiel Frauen auf Leitungsebenen kaum eine Rolle spielen.

  Creative Commons by flickr user Pais-Thomas
Das Männerbild der Moderne:
Alternative in der Homosexualität?

Gibt es also keine Alternativen? Denn die Separation hat ja auch seine Folgen. Allein lebende Männer sind nicht so gesund wie verpartnert lebende, sie sterben früher und sind auch weniger glücklich. Eine Alternative sieht Pelinka in der Homosexualität: "Es ist doch bemerkenswert, dass Spitzenpolitiker heute gewählt werden, auch wenn sie sich zu ihrer Neigung bekennen." Eine weitere Alternative darin, dass sich Männer in der modernen Welt versuchen zurechtzufinden und alte Traditionen neu auszuhandeln.

Gay Dating Tricks

Dein RomeoBlog

Willkommen lieber Internetter,

dies ist Dein Blog rund um schwule Themen mit vielen Ratschlägen zum Onlinedating, interessanten Hintergrundinfos zur größten, deutschen, schwulen Kontaktbörse GayRomeo und hilfreichen Tipps zur Userverwaltung, zum Profilaufbau und beim Chatten.

Inhalt

Profilaufbau
Gefahren + Erwartungen + Das Ziel + Goldene Regeln + Der gelungene Nick + Textdesign + No Goes + Likes Dislikes + Sexdates + Kreatives Schreiben + Psychologie + Beispiele: Romantisch, Gut Gesagt, Pornotext, 0815, Humorvoll, Ausgefallen + ASCII + Lückenfüller + Sogfragen + Online Tests + GB + Profilangaben + Galerie

Software und Portale
Plattform + Für Ungeoutete + Statistik+ Was ist GR? + Presse + Ausgefallene Kontaktbörsen + Dragon Skin + Kritik + Werbespots + Tipp10 + Messenger + Firefox + Skype + Nostalgie + Tapsen + StudiVZ AGBs + Vergleich + Wurzeln von GR + Admin + Gaydar + Onlinesucht + Google + Bareback + dbna + GR-Tools + Callboys

Fotos und Design
Bildbearbeitung + Profildesign + Generatoren + Beispiel: Gesamtkonzept + Grundstein + Posing + Kleidung + Symmetrie + Foto Technik + Deko + Karikatur  

Chat Strategien
Headlines + T-Shirt + Briefe + Telefon + Comfort-Zone + Erstkontakt + Netiquette + Tough Talk: Streit, Angriff, Kritisieren, Korb, Gerüchte + Tabus + Religion + Trost + E-Card + Small-Talk + Flirt + Messages + Multimedia + Manipulation: PR, Namen, Honig, Ja-Nein + Mischung + Profil Analyse, Usernamen + Faker + Shortcuts + Tricks

Infotracking
Bilder speichern + Vorteile + Adressverwaltung + Profilnummer + Datenkraken  

Sonstiges
Humor + Internationaler Vergleich + Cruising Room + Anonym + Das erste Mal + HIV + Treue  

ÜberLeben
Anekdoten aus einem schwulen Leben + Die kleine Kulturecke  

Intern
Hello World + Vorwort + Über mich + Ausblick 08 + Kontakt + Disclaimer + Der das Blog  


- zum ersten Eintrag

Suche

 

Web Counter-Modul

bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis

Web Ring

ringelpietz webring logo

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

twoday.net AGB