Montag, 4. August 2008

"Leider haben viele heterosexuelle Männer ein Problem damit, für schwul gehalten zu werden."

Der Chefredakteur des Männermagazins "Men's Health", Wolfgang Melcher, über schwule Themen in seinem Magazin, die Angst heterosexueller Männer, für schwul gehalten zu werden und homosexuelle Klischees in den Medien.


Lieber Herr Melcher, sie sind Chefredakteur beim Männermagazin "Men's Health". Stellen Sie einen Wandel der Gesellschaft in der Meinung bei schwulen Thematiken fest?

Den Wandel gibt es meiner Ansicht nach definitv, er ist sicherlich nicht nur ein Medien-Hype. Im Gegenteil: In letzter Zeit ist es in der Berichterstattung über schwule Themen doch eher ruhiger geworden - ist wohl nicht mehr so spannend, jetzt, wo schon einiges (aber eben noch lange nicht alles) erreicht ist.

Ist das Ihrer Ansicht nach problematisch?

Darin steckt meiner Ansicht nach auch ein Problem: Wo die Gesellschaft davon ausgeht, dass wir doch schon die völlige Gleichstellung erreicht haben, da fehlt das Verständnis für Forderungen nach Verbesserungen zur weiteren Angleichung - ganz nach dem Motto "Was wollt Ihr denn jetzt noch?". Die wenigsten Heterosexuellen wissen doch beispielsweise, mit wie viel weniger Rechten ein verpartnerter Mann im Vergleich zum verheirateten Mann ausgestattet ist. In der Zeitung steht ja schließlich auch, dass Udo Walz seinen Partner geheiratet habe ...

  Creative Commons by flickr user Mikelo
  Männerträume: Mein Haus,...
  "Was wollt Ihr denn jetzt noch?"

Würden Sie der These zustimmen, dass Schwule und Lesben in den Medien vor allem klischeeisiert dargestellt werden?

Klischees? In den meisten Fällen ja, leider.

Werden schwule und lesbische Thematiken Ihrer Ansicht nach in den Medien genug gewürdigt?

Es könnte sicherlich mehr sein. Aber so ist das nunmal mit uns Medien: Wird ein Thema normal, ist es eben nicht mehr so im Fokus.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung, dass es in vielen Serien inzwischen auch einen schwulen oder lesbischen Charakter gibt?

Dass es im TV mehr Schwule und Lesben zu sehen gibt, die ein ganz normales Leben leben, also auch mal die Bösen sind, oder einfach nur strunzlangweilig, halte ich für absolut begrüßenswert.

  Creative Commons by flickr user antiguan_life
  ...mein Boot,...
  vorsichtig mit explizit schwuler Optik

Warum haben Ihrer Meinung nach Serien, die vermehrt auf schwule und lesbische Thematiken setzen, wie beispielsweise Six feet under oder Queer as folk, in Deutschland nur sehr wenig Erfolg?

Dass die von Ihnen angesprochenen Kultserien in Deutschland kaum Erfolg haben, liegt meiner Ansicht nach vor allem am falschen Sendeplatz bzw. dem falschen Sender.

Glauben Sie, dass offensiv schwule Themen auf dem Cover Auflagenkiller sind?

Ganz ehrlich: ein wenig trifft das sicherlich zu, leider.

Dann ganz konkret an Ihrem Magazin: Wie würden Sie die Zielgruppe Ihres Magazins beschreiben?

Aktive, körperorientierte Männer zwischen 18 und 40, die immer auf der Suche nach Anregungen und Tipps sind, wie sie (noch) mehr aus Ihrem Leben machen können, sich weiterentwickeln. Die gerne Mann sind, immer auf der Suche nach neuen Trends und relevanten Ratschlägen. Und die sich dabei selbst nicht immer 110 prozentig ernst nehmen.

  Creative Commons by flickr user Fort Photo
...mein Auto!
Frauenmagazine haben es deutlich einfacher

Warum behandelt Ihr Magazin nicht auch schwule Thematiken? Warum handeln die erotischen Geschichten nicht auch mal von zwei Männern?

Weil Men's Health ein Magazin für Männer und kein Magazin nur für schwule Männer ist. Bei allen Fortschritten die es in Sachen Toleranz sicherlich in Deutschland gegeben hat: Gerade in einem Magazin, dass schon auf dem Cover einen halbnackten Mann zeigt und in dem es auch im Inneren viel Männerhaut zu sehen gibt, dass also schon mal "unter Anfangsverdacht steht", muss man mit schwulen Themen und explizit schwuler Optik vorsichtig sein. Denn leider ist es nach wie vor so, dass viele heterosexuelle Männer ein Problem damit hätten, für schwul gehalten zu werden. Auf Deutsch: Würde Men's Health noch stärker als ohnehin in vielen Augen als potentiell schwule Zeitschrift angesehen, würden viele heterosexuelle Männer unser Magazin nicht mehr lesen aus Angst, selbst für schwul gehalten zu werden. Das muss man sicherlich bedauern, ändern lässt es sich so schnell leider nicht. Frauenmagazine haben es da übrigens deutlich einfacher, auch lesbische Themen aufzunehmen. Frauen haben eben einfach weniger Berührungsängste mit Homosexualität.

Lies weiter: Wolfgang Melcher über das Interesse heterosexueller Männer an schwulen Thematiken, den Anteil schwuler Leser seines Magazins und den Wandel des CSD.


Mehr zum Thema findest Du hier:

"Homosexualität scheint zu einem Trend-Thema hochgejazzt zu werden. Das kann nach hinten losgehen."
Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de, über das Aufkommen von Communitys, den Wandel in der Gesellschaft und den Niedergang des CSD


Wo ist der moderne Mann?
Früher war alles einfacher: Der Mann aus der Marlborowerbung war das geltende Männerideal - unrasiert, egoistisch und karrieregeil. Dann kam der metrosexuelle Mann, der sich pflegt und eincremt. Und nun gibt es gar kein Männerbild mehr. Oder doch?

Wir waren offline!

Leider waren wir gestern fast den ganzen Tag nicht mehr zu erreichen. Dies lag allerdings nicht an uns, denn der gesamte twoday.net-Server war offline. Es gibt ein Hardwareproblem mit dem Mainboards.

Wir bitten um Entschuldigung. Und machen ganz normal weiter, heute mit einem Interview mit dem Chefredakteur von "Men's Health", Wolfgang Melcher.

Viel Spaß weiterhin auf unserem Blog.

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