"Wenn ich die Wahl habe, als Klischee oder gar nicht dargestellt zu werden, dann als Klischee"
Renate Rampf, Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, über die Vorbildfunktion schwuler Charaktere im Fernsehen, das Klischee als Chance und die versteckte Gier nach schwulem Content.

Pressesprecherin Renate Rampf
Unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in Serien gibt
Lies erstmal Teil 1.
Liebe Frau Rampf, Sendungen mit schwulen Inhalt im Fernsehen haben ein Quotenproblem und werden meist in der Nacht versendet. Glauben Sie, dass schwule Themen im Fernsehen ein Quotenkiller sind?
Es ist für Lesben und Schwulen unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in den Serien gibt. Die Charaktere in den Serien haben eine Vorbildfunktion. Wir haben jedoch das Problem der Minderheit. Solange sich die meisten Zuschauer damit nicht identifizieren können, weil sie ihr eigenes Leben nicht wiederfinden, kommt das nicht so gut an.
Sie sprechen von Vorbildcharakteren. Aber dennoch wird Homosexualität im Fernsehen schon sehr stark klischeeisiert.
Ja. Ich frage mich, wie ein Schwuler eigentlich aussieht. Was ist denn der normale Schwule?
Im Fernsehen wird das Attribut „schwul“ meist verwendet, wenn es um Prominente oder um Lifestyle geht.
Wir stellen in unseren Aufklärungsveranstaltungen immer die Frage, was ein typischer Beruf für einen Schwulen wäre.
Frisör?
Genau. Witzigerweise kommt als zweiter Beruf immer Bürgermeister. In dem Moment lachen alle, weil dann klar ist, dass es nur ein Klischee ist.

Schwule und Klischees
Was ist der normale Schwule?
Halten Sie die Klischeeisierung im Fernsehen für problematisch?
Viele Schwule und Lesben haben ein Problem mit dieser Darstellung. Aber was wäre die Alternative? Solange nicht hunderte von Schwulen im TV gezeigt werden, ist jede Darstellung ein Typ. Es ist daher besser, die Anzahl der Klischees zu erhöhen, also möglichst viele unterschiedliche Typen darzustellen. Wenn ich also die Wahl habe, als Klischee oder gar nicht dargestellt zu werden, dann lieber als Klischee.
Glauben Sie, dass ein Wort wie „schwul“ eine abschreckende Wirkung hat?
Es ist anziehend und abschreckend. Wenn solche Sendungen Freitags zur Prime Time laufen, dann schauen Familien zu. Das ist zwar gut, aber auch schlecht für die Quote. Denn so müsste innerhalb der Familie eine Person klar sagen, dass man die Sendung schauen möchte, weil da zwei nette Schwule vorkommen. Das geht nicht. Wenn man das aber später schaut, dann kann man das alleine gucken und muss sich nicht rechtfertigen. Und wenn doch jemand reinkommt, ist man eben zufällig hängengeblieben.
Was ist denn das Besondere an diesen Serien?
Ich stelle immer wieder in den Aufklärungsveranstaltungen fest, dass fast jeder einen Schwulen oder eine Lesbe in der Verwandtschaft hat, aber mit niemanden darüber redet. Diese Menschen brauchen diese Serien und auch die Artikel in den Zeitungen. Sie gieren teilweise richtig danach, weil sie wissen wollen, wie Homosexualität ist.

Filmplakat für schwulen Content
Homosexualität darf angesprochen, aber nicht zu viel werden
Glauben Sie, dass Zeitschriften mit schwulen Themen mehr Chancen haben, weil das Fernsehen nur ein Begleitmedium ist, aber Print intensiver wahrgenommen wird?
Fernsehen ist das Leitmedium und es gibt einzelne Zeitungen, die Leitmedien sind. Journalismus lebt von einer bestimmten Abschreckung. Was da von Peinlichkeiten berichtet wird! Dagegen ist Schwulsein normal.
Der „stern“ zum Beispiel brachte Anfang des Jahres eine Titelgeschichte zum Thema „Mama, ich bin schwul“. Da kann man dann nicht mehr sagen, dass man ihn aus Versehen gekauft hat.
Dass „Queer as folk“ kein Einschaltquotenschlager wird, war klar. Und das „Six feet under“ kein großer Erfolg werden würde, war mir auch klar. Da werden zwei Tabus vermischt und gebrochen: der Umgang mit dem Tod und die Homosexualität. Das ist eher avantgardistisch und dafür bekommt man keine Mehrheiten. Es ist das Prinzip der Masse: Das Thema Homosexualität darf angesprochen werden, aber es darf nicht zu viel werden. Und so ist es auch beim stern. Er titelt nun eine Woche lang damit, hat aber in der nächsten Woche schon wieder ganz andere Themen.
Nun ist der CSD ja auch eine einmalige Veranstaltung, wurde aber in der Tagespresse nicht gewürdigt. Auch die Tagesschau hat es vorgezogen, über ein Schützenfest in Hannover zu berichten, als über den CSD in Köln.
Es gibt einen Abnutzungseffekt. Witzigerweise hat der CSD in Saarbrücken, der rein zahlenmäßig unbedeutender ist, ein größeres Medienecho bekommen. Auch die Online-Medien greifen das Thema auf Aber in Berlin hat man so viele verschiedene Ereignisse – solange da nicht Podolski ‚Das ist gut so!’ sagt, fehlt die Besonderheit des Ereignisses.
Liebe Frau Rampf, vielen Dank für das Gespräch!
Nächsten Montag: Der Chefredakteur von "Front", dem schwulen Männermagazin, Dirk Ludigs.
Er erzählt im großen Interview von seinen ambivalenten Verhältnis zum CSD, erklärt, warum es in Deutschland eine Serie wie "Queer as folk nicht geben kann und warum auch die "Bild"-Zeitung bei ihm mal anruft.
Nächste Woche auf Gay Dating Tricks!
Mehr zum Thema findest Du hier:
"Je größer der CSD wird, desto mehr ist der Träger ein ökonomischer und kein politischer Akteur"
Die Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, Renate Rampf, über die Kommerzialisierung des CSD, das Zusammenspiel von Politik und Ökonomie und Akzeptanz als Menschenrecht. Erster Teil des Interviews.
Was ist nur aus dem CSD geworden?
Der CSD hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom eigentlichen politischen Anspruch entfernt. Es ist höchste Zeit für eine Trendwende.

Pressesprecherin Renate Rampf
Unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in Serien gibt
Lies erstmal Teil 1.
Liebe Frau Rampf, Sendungen mit schwulen Inhalt im Fernsehen haben ein Quotenproblem und werden meist in der Nacht versendet. Glauben Sie, dass schwule Themen im Fernsehen ein Quotenkiller sind?
Es ist für Lesben und Schwulen unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in den Serien gibt. Die Charaktere in den Serien haben eine Vorbildfunktion. Wir haben jedoch das Problem der Minderheit. Solange sich die meisten Zuschauer damit nicht identifizieren können, weil sie ihr eigenes Leben nicht wiederfinden, kommt das nicht so gut an.
Sie sprechen von Vorbildcharakteren. Aber dennoch wird Homosexualität im Fernsehen schon sehr stark klischeeisiert.
Ja. Ich frage mich, wie ein Schwuler eigentlich aussieht. Was ist denn der normale Schwule?
Im Fernsehen wird das Attribut „schwul“ meist verwendet, wenn es um Prominente oder um Lifestyle geht.
Wir stellen in unseren Aufklärungsveranstaltungen immer die Frage, was ein typischer Beruf für einen Schwulen wäre.
Frisör?
Genau. Witzigerweise kommt als zweiter Beruf immer Bürgermeister. In dem Moment lachen alle, weil dann klar ist, dass es nur ein Klischee ist.

Schwule und Klischees
Was ist der normale Schwule?
Halten Sie die Klischeeisierung im Fernsehen für problematisch?
Viele Schwule und Lesben haben ein Problem mit dieser Darstellung. Aber was wäre die Alternative? Solange nicht hunderte von Schwulen im TV gezeigt werden, ist jede Darstellung ein Typ. Es ist daher besser, die Anzahl der Klischees zu erhöhen, also möglichst viele unterschiedliche Typen darzustellen. Wenn ich also die Wahl habe, als Klischee oder gar nicht dargestellt zu werden, dann lieber als Klischee.
Glauben Sie, dass ein Wort wie „schwul“ eine abschreckende Wirkung hat?
Es ist anziehend und abschreckend. Wenn solche Sendungen Freitags zur Prime Time laufen, dann schauen Familien zu. Das ist zwar gut, aber auch schlecht für die Quote. Denn so müsste innerhalb der Familie eine Person klar sagen, dass man die Sendung schauen möchte, weil da zwei nette Schwule vorkommen. Das geht nicht. Wenn man das aber später schaut, dann kann man das alleine gucken und muss sich nicht rechtfertigen. Und wenn doch jemand reinkommt, ist man eben zufällig hängengeblieben.
Was ist denn das Besondere an diesen Serien?
Ich stelle immer wieder in den Aufklärungsveranstaltungen fest, dass fast jeder einen Schwulen oder eine Lesbe in der Verwandtschaft hat, aber mit niemanden darüber redet. Diese Menschen brauchen diese Serien und auch die Artikel in den Zeitungen. Sie gieren teilweise richtig danach, weil sie wissen wollen, wie Homosexualität ist.

Filmplakat für schwulen Content
Homosexualität darf angesprochen, aber nicht zu viel werden
Glauben Sie, dass Zeitschriften mit schwulen Themen mehr Chancen haben, weil das Fernsehen nur ein Begleitmedium ist, aber Print intensiver wahrgenommen wird?
Fernsehen ist das Leitmedium und es gibt einzelne Zeitungen, die Leitmedien sind. Journalismus lebt von einer bestimmten Abschreckung. Was da von Peinlichkeiten berichtet wird! Dagegen ist Schwulsein normal.
Der „stern“ zum Beispiel brachte Anfang des Jahres eine Titelgeschichte zum Thema „Mama, ich bin schwul“. Da kann man dann nicht mehr sagen, dass man ihn aus Versehen gekauft hat.
Dass „Queer as folk“ kein Einschaltquotenschlager wird, war klar. Und das „Six feet under“ kein großer Erfolg werden würde, war mir auch klar. Da werden zwei Tabus vermischt und gebrochen: der Umgang mit dem Tod und die Homosexualität. Das ist eher avantgardistisch und dafür bekommt man keine Mehrheiten. Es ist das Prinzip der Masse: Das Thema Homosexualität darf angesprochen werden, aber es darf nicht zu viel werden. Und so ist es auch beim stern. Er titelt nun eine Woche lang damit, hat aber in der nächsten Woche schon wieder ganz andere Themen.
Nun ist der CSD ja auch eine einmalige Veranstaltung, wurde aber in der Tagespresse nicht gewürdigt. Auch die Tagesschau hat es vorgezogen, über ein Schützenfest in Hannover zu berichten, als über den CSD in Köln.
Es gibt einen Abnutzungseffekt. Witzigerweise hat der CSD in Saarbrücken, der rein zahlenmäßig unbedeutender ist, ein größeres Medienecho bekommen. Auch die Online-Medien greifen das Thema auf Aber in Berlin hat man so viele verschiedene Ereignisse – solange da nicht Podolski ‚Das ist gut so!’ sagt, fehlt die Besonderheit des Ereignisses.
Liebe Frau Rampf, vielen Dank für das Gespräch!
Nächsten Montag: Der Chefredakteur von "Front", dem schwulen Männermagazin, Dirk Ludigs.
Er erzählt im großen Interview von seinen ambivalenten Verhältnis zum CSD, erklärt, warum es in Deutschland eine Serie wie "Queer as folk nicht geben kann und warum auch die "Bild"-Zeitung bei ihm mal anruft.
Nächste Woche auf Gay Dating Tricks!
Mehr zum Thema findest Du hier:
"Je größer der CSD wird, desto mehr ist der Träger ein ökonomischer und kein politischer Akteur"
Die Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, Renate Rampf, über die Kommerzialisierung des CSD, das Zusammenspiel von Politik und Ökonomie und Akzeptanz als Menschenrecht. Erster Teil des Interviews.
Was ist nur aus dem CSD geworden?
Der CSD hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom eigentlichen politischen Anspruch entfernt. Es ist höchste Zeit für eine Trendwende.
baumarktpflanze - 12. Aug, 00:01
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