"Oftmals steckt hinter ablehnenden Reaktionen einfach Unsicherheit und Unwissenheit"
Marthe Kniep, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der BRAVO, über den Umgang von Jugendlichen mit Homosexualität und die Behandlung schwuler Thematiken im Jugendmagazin BRAVO.
Lieber Frau Marthe Kniep, Sie sind Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der BRAVO. Wie hoch schätzen Sie das Interesse an schwulen Thematiken bei Jugendlichen ein?
Marthe Kniep: Aus unserer Erfahrung im täglichen Kontakt mit Jugendlichen können wir eigentlich keine allgemein gültige Interessenslage ableiten. Wir erhalten regelmäßig Anfragen
sowohl von Mädchen und Jungen, die Fragen zur eigenen sexuellen Orientierung haben, aber auch von Jugendlichen, in deren sozialem Umfeld sich beispielsweise Geschwister oder Freunde geoutet haben.
Wird das Dr. Sommer-Team durch den zunehmend offenen Umgang mit dem Thema vermehrt mit Fragen zu der Thematik konfrontiert?
Eine solche Entwicklung spüren wir nicht, wobei wir über die Anfragen auch keine Statistik führen. Im Themenspektrum der vielen hundert Anfragen, die uns wöchentlich erreichen, machen Anfragen zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität aber einen eher kleinen Teil aus. Die wichtigsten Themen bei Dr. Sommer sind Fragen rund um alle „ersten Male“ – Küssen, Verliebt sein, Liebeskummer, Petting und natürlich DAS erste Mal.
Welche Fragen werden dabei gestellt? Welche Themen sind besonders häufig vertreten? In welche Richtungen tendieren die Fragen?
Die meisten Jugendlichen, die sich an uns wenden, sind in der Phase der Orientierung während der Pubertät. Das betrifft natürlich auch die sexuelle Orientierung.
Wenn ein Mädchen sich in seine beste Freundin verliebt, oder ein Junge beim Gedanken an einen anderen Jungen unerwartet eine Erektion bekommt, dann sind die Jugendlichen erstmal irritiert. Sie fragen sich, ob das normal ist und wie sie sich jetzt verhalten sollen. Einige haben mit gleichgeschlechtlichen Jugendlichen etwa Küssen oder Petting ausprobiert und möchten wissen, ob das okay ist und ob sie jetzt schwul oder lesbisch sind.
Es gibt aber auch Jugendliche, meist ältere, die schon wissen, dass sie homosexuell oder lesbisch sind. Dann fragen sie nach allem, was mit dem Coming-Out zu tun hat. Die Sorge darüber, wie die Umwelt – die Eltern, Freunde, Mitschüler – reagieren wird oder reagiert hat, ist oft groß.

Liebt er mich? Liebt er mich nicht? Das Dr. Sommer Team hat zu
jeder Frage einen guten Rat.
Warum sind eigentlich die Informationen für Schwule und Lesben auf der Homepage des Dr. Sommer-Teams nur sehr knapp gehalten?
BRAVO.de bietet sehr umfangreiche Informationen und Tipps für Fragen rund um die Themen sexuelle Orientierung, Coming-Out, zur schwulen Szene allgemein oder zu schwulen Communitys im Internet. Das Thema gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität ist ein fester Bestandteil von Dr. Sommer bei BRAVO.de, aber eben ein Teil von vielen.
Der redaktionelle Inhalt auf BRAVO.de richtet sich prinzipiell an alle Mädchen und Jungen – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Denn letztlich sind die Themen Liebe und Freundschaft, Seele und Gefühle, Familie und Schule, Körper und Gesundheit für alle User gleichermaßen von Interesse.
Warum bringt das Bravo Magazin eigentlich nicht vermehrt schwule Thematiken auch aufs Cover?
BRAVO ist ein Musik- und Star-Magazin, deshalb bestimmen Stars und deren Storys das BRAVO-Cover. Wenn es ein Star- Thema gibt, dass ebenso gut aus der Lebenswelt der Jugendlichen kommen könnte, dann gehen wir dabei auf den Dr.-Sommer-Seiten ein.
Hat zum Beispiel ein Star Liebeskummer, wird das Thema Liebeskummer auch vom Dr. -Sommer-Team aufgegriffen. Wir geben dann zum Beispiel Tipps, wie ein Junge oder Mädchen gut über diesen Schmerz hinweg kommt. Auf diese „Special–Seiten“ wird dann oftmals auch auf dem Cover hingewiesen.

Das Dr. Sommer Team klärt auf
Und spezieller auf die Lage der Schwulen und Lesben:
Stellen Sie einen Wandel der Gesellschaft in der Meinung bei schwulen Thematiken fest? Haben sich im Laufe der Jahre die Anfragen an das Team verändert?
Was die Anfragen der Jugendlichen zu dem Thema anbelangt – eigentlich nein, hier spüren wir keine Veränderung. Und auch die Haltung des Dr.-Sommer-Teams in der Beratung der Jugendlichen nicht. Für uns ist homosexuelle Liebe genauso akzeptiert, wie heterosexuelle Liebe. Das vermitteln wir den Jugendlichen auf unseren Beratungsseiten im Heft und auch auf BRAVO.de.
Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, einen Weg zu finden, mit ihrer jeweiligen Orientierung gut umgehen zu können. Wir raten ihnen, ihre Bedürfnisse nicht zu ignorieren. Wir verstehen es als unsere Aufgabe den Jugendlichen zu sagen, dass Homosexualität etwas Normales ist und dass sie mit ihren Gefühlen nicht die Einzigen auf der Welt sind. Wir versuchen ihnen den Druck zu nehmen, sich sofort als homosexuell outen zu müssen. Wenn wir heraushören, dass jemand noch mehr Hilfe zu dem Thema braucht, dann verweisen wir auf Einrichtungen oder Gruppen, die das Thema als Schwerpunkt und professionell aufgreifen.
Jugendliche wissen generell Bescheid über homosexuelle Liebe. In Kontakt mit den Jugendlichen spüren wir aber, dass sie oft nicht gleichwertig behandelt wird. Die Toleranz oder die Reaktionen auf Homosexuelle sind sehr unterschiedlich. Vorurteile und homophobes Verhalten, vor allem unter Jungen und Männern, machen es den Jugendlichen manchmal schwer, offen mit dem Thema umzugehen. Oftmals steckt hinter den ablehnenden Reaktionen aus ihrer Umwelt allerdings einfach Unsicherheit und Unwissenheit.
Sehen Sie die Entwicklung, dass sich Jugendliche vermehrt in Communitys präsentieren, positiv? Warum oder warum nicht?
Das Internet bietet unzählige Vorteile, aber auch Risiken. Angefangen bei der Kommunikation über Stadt- und Ländergrenzen hinweg bis hin zu Schnelligkeit der Informationsbeschaffung. Aber auch in der virtuellen Welt müssen Kinder und Jugendliche von Erwachsenen über Risiken informiert und aufgeklärt werden, um ein entsprechendes Verhalten für maximale Sicherheit im Internet zu erlernen.
Werden Sie auch mit Fragen in dieser Hinsicht konfrontiert?
Konkrete Fragen zum Verhalten im Internet bekommen wir selten. Aber Fragen wie „Verliebt in meinen Chat-Partner“ bekommen wir natürlich auch.
Liebe Frau Marthe Kniep, vielen Dank für das Gespräch!
Lieber Frau Marthe Kniep, Sie sind Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der BRAVO. Wie hoch schätzen Sie das Interesse an schwulen Thematiken bei Jugendlichen ein?
Marthe Kniep: Aus unserer Erfahrung im täglichen Kontakt mit Jugendlichen können wir eigentlich keine allgemein gültige Interessenslage ableiten. Wir erhalten regelmäßig Anfragen
sowohl von Mädchen und Jungen, die Fragen zur eigenen sexuellen Orientierung haben, aber auch von Jugendlichen, in deren sozialem Umfeld sich beispielsweise Geschwister oder Freunde geoutet haben.
Wird das Dr. Sommer-Team durch den zunehmend offenen Umgang mit dem Thema vermehrt mit Fragen zu der Thematik konfrontiert?
Eine solche Entwicklung spüren wir nicht, wobei wir über die Anfragen auch keine Statistik führen. Im Themenspektrum der vielen hundert Anfragen, die uns wöchentlich erreichen, machen Anfragen zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität aber einen eher kleinen Teil aus. Die wichtigsten Themen bei Dr. Sommer sind Fragen rund um alle „ersten Male“ – Küssen, Verliebt sein, Liebeskummer, Petting und natürlich DAS erste Mal.
Welche Fragen werden dabei gestellt? Welche Themen sind besonders häufig vertreten? In welche Richtungen tendieren die Fragen?
Die meisten Jugendlichen, die sich an uns wenden, sind in der Phase der Orientierung während der Pubertät. Das betrifft natürlich auch die sexuelle Orientierung.
Wenn ein Mädchen sich in seine beste Freundin verliebt, oder ein Junge beim Gedanken an einen anderen Jungen unerwartet eine Erektion bekommt, dann sind die Jugendlichen erstmal irritiert. Sie fragen sich, ob das normal ist und wie sie sich jetzt verhalten sollen. Einige haben mit gleichgeschlechtlichen Jugendlichen etwa Küssen oder Petting ausprobiert und möchten wissen, ob das okay ist und ob sie jetzt schwul oder lesbisch sind.
Es gibt aber auch Jugendliche, meist ältere, die schon wissen, dass sie homosexuell oder lesbisch sind. Dann fragen sie nach allem, was mit dem Coming-Out zu tun hat. Die Sorge darüber, wie die Umwelt – die Eltern, Freunde, Mitschüler – reagieren wird oder reagiert hat, ist oft groß.

Liebt er mich? Liebt er mich nicht? Das Dr. Sommer Team hat zu
jeder Frage einen guten Rat.
Warum sind eigentlich die Informationen für Schwule und Lesben auf der Homepage des Dr. Sommer-Teams nur sehr knapp gehalten?
BRAVO.de bietet sehr umfangreiche Informationen und Tipps für Fragen rund um die Themen sexuelle Orientierung, Coming-Out, zur schwulen Szene allgemein oder zu schwulen Communitys im Internet. Das Thema gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität ist ein fester Bestandteil von Dr. Sommer bei BRAVO.de, aber eben ein Teil von vielen.
Der redaktionelle Inhalt auf BRAVO.de richtet sich prinzipiell an alle Mädchen und Jungen – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Denn letztlich sind die Themen Liebe und Freundschaft, Seele und Gefühle, Familie und Schule, Körper und Gesundheit für alle User gleichermaßen von Interesse.
Warum bringt das Bravo Magazin eigentlich nicht vermehrt schwule Thematiken auch aufs Cover?
BRAVO ist ein Musik- und Star-Magazin, deshalb bestimmen Stars und deren Storys das BRAVO-Cover. Wenn es ein Star- Thema gibt, dass ebenso gut aus der Lebenswelt der Jugendlichen kommen könnte, dann gehen wir dabei auf den Dr.-Sommer-Seiten ein.
Hat zum Beispiel ein Star Liebeskummer, wird das Thema Liebeskummer auch vom Dr. -Sommer-Team aufgegriffen. Wir geben dann zum Beispiel Tipps, wie ein Junge oder Mädchen gut über diesen Schmerz hinweg kommt. Auf diese „Special–Seiten“ wird dann oftmals auch auf dem Cover hingewiesen.

Das Dr. Sommer Team klärt auf
Und spezieller auf die Lage der Schwulen und Lesben:
Stellen Sie einen Wandel der Gesellschaft in der Meinung bei schwulen Thematiken fest? Haben sich im Laufe der Jahre die Anfragen an das Team verändert?
Was die Anfragen der Jugendlichen zu dem Thema anbelangt – eigentlich nein, hier spüren wir keine Veränderung. Und auch die Haltung des Dr.-Sommer-Teams in der Beratung der Jugendlichen nicht. Für uns ist homosexuelle Liebe genauso akzeptiert, wie heterosexuelle Liebe. Das vermitteln wir den Jugendlichen auf unseren Beratungsseiten im Heft und auch auf BRAVO.de.
Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, einen Weg zu finden, mit ihrer jeweiligen Orientierung gut umgehen zu können. Wir raten ihnen, ihre Bedürfnisse nicht zu ignorieren. Wir verstehen es als unsere Aufgabe den Jugendlichen zu sagen, dass Homosexualität etwas Normales ist und dass sie mit ihren Gefühlen nicht die Einzigen auf der Welt sind. Wir versuchen ihnen den Druck zu nehmen, sich sofort als homosexuell outen zu müssen. Wenn wir heraushören, dass jemand noch mehr Hilfe zu dem Thema braucht, dann verweisen wir auf Einrichtungen oder Gruppen, die das Thema als Schwerpunkt und professionell aufgreifen.
Jugendliche wissen generell Bescheid über homosexuelle Liebe. In Kontakt mit den Jugendlichen spüren wir aber, dass sie oft nicht gleichwertig behandelt wird. Die Toleranz oder die Reaktionen auf Homosexuelle sind sehr unterschiedlich. Vorurteile und homophobes Verhalten, vor allem unter Jungen und Männern, machen es den Jugendlichen manchmal schwer, offen mit dem Thema umzugehen. Oftmals steckt hinter den ablehnenden Reaktionen aus ihrer Umwelt allerdings einfach Unsicherheit und Unwissenheit.
Sehen Sie die Entwicklung, dass sich Jugendliche vermehrt in Communitys präsentieren, positiv? Warum oder warum nicht?
Das Internet bietet unzählige Vorteile, aber auch Risiken. Angefangen bei der Kommunikation über Stadt- und Ländergrenzen hinweg bis hin zu Schnelligkeit der Informationsbeschaffung. Aber auch in der virtuellen Welt müssen Kinder und Jugendliche von Erwachsenen über Risiken informiert und aufgeklärt werden, um ein entsprechendes Verhalten für maximale Sicherheit im Internet zu erlernen.
Werden Sie auch mit Fragen in dieser Hinsicht konfrontiert?
Konkrete Fragen zum Verhalten im Internet bekommen wir selten. Aber Fragen wie „Verliebt in meinen Chat-Partner“ bekommen wir natürlich auch.
Liebe Frau Marthe Kniep, vielen Dank für das Gespräch!
GDmaster - 19. Nov, 17:44
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