Samstag, 26. Januar 2008

Ein offenes Geheimnis

Teil 1: Wurzeln von GR - Erados
Ich kenne kaum jemanden, der von dieser Webseite gehört hat.
Ein Link auf die Seite ist eigentlich sinnlos, denn diese Schwesterseite von GayRomeo existiert nicht mehr. Sollte besser sagen, dass alle Callboys dieser Escortenvermittlung zu GR geschaufelt wurden.

2005 "fusionierten" die beiden Seiten. Zumindest klang es in meinen Ohren zunächst so.
28. Mai 05 : Escorts direkt
[...] Escorts von Erados.com können sich jetzt auch auf GayRomeo einloggen. Wer also auf der Suche ist, kann sofort sehen, wer online ist, und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Damit es keine Verwechslung gibt, sind Escorts NUR unter "User suchen" > "Escorts" zu finden und haben anders aussehende Profile.

Ich fange besser von vorne an.
Wie gesagt, stöberte ich bei Google Earth nach dem Schlagwort "GayRomeo". Neben dem Sitz der Firma PlanetRomeo B.V. findet man weiter Informationen. Zunächst fällt die Webseite auf, die Google auswirft. In wieweit PlanetRomeo mit "allesinamsterdam.nl" zu tun hat, ist mir schleierhaft. Witzig ist, dass die Suche die Telefonnummer ausspuckt, die bei GR im Impressum nicht angegeben ist.

  Amsterdam

Das gute alte Google gibt aber noch mehr Preis. Ein Suchtreffer war der alte Sitz der Firma in Berlin. Ebenfalls mit einer Webseite, auf die Google verweist. Diesmal die Seite gay-web.de - welche nicht gerade unbekannt ist.
Jetzt beginnt es interessant zu werden. Denn gay-web.de hat offensichtlich noch einen alten Datensatz und verweist auf die Adresse in Berlin.
PlanetRomeo hält sich zurück was E-Mail, Telefon, Namen angeht. Hier hingegen ist die E-Mail Adresse angegeben. Jedoch nicht "office@planetromeo.com", sondern "team@erados.com".
Erados? Das hab ich doch schon mal gehört?!?
Ja, genau - die Escorten-Vermittlung. Also nochmal zum Mitschreiben.
PlanetRomeo, welche viele andere Domains registriert hat, gibt als E-Mail gerade diese an?

Das wollte ich nachprüfen. Es hätte auch ein Irrtum sein können.
Ein kurzer Blick in Alexa.com hat geholfen. Siehe da:
"Company Info for erados.com:
Abraham, Manuel
PlanetRomeo GmbH, Proskauer Str. 7
Berlin 10247,
GERMANY
[...]
erados [at] gmx.de"
Tatsächlich. Erados und GayRomeo scheinen aus der gleichen Hand zu stammen.
Aber richtig geil ist ja die angegebene E-Mail Adresse. Ich sag dazu mal nichts.

Nun hab ich soviel recherchiert, dabei hätte ein einfacher Blick in das "Über uns" von GayRomeo gereicht. Dort heißt es nämlich:
"Daher hatten sie sich im Frühjahr 2002 entschlossen, eine Seite für Escorts und deren Kunden zu gestalten. [...] Da aber die Zeitschriften immer voll mit Inseraten waren, schien klar, dass hier eine Marktlücke sein könnte. [...]

Für seine "Reformation", die den Namen GayRomeo tragen sollte, konnte Jens viele der bereits programmierten Scripte von Erados wieder verwenden. "
Für einige bestimmt ein alter Hut.
Für viele andere hingegen neu:
Ich ging dem Ganzen näher auf den Grund und schrieb ein paar Escorten an. (Das Wort "Escorten" ist sicherlich der falsche Plural - doch ich mag einfach diese eingedeutschte Version) Von den 20 mit denen ich schrieb, konnte mir keiner sagen, was das für eine Seite ist und wozu man diese überhaupt braucht.
Also, was bot Erados, was Escorten bei GayRomeo nicht möglich war?

Genau das ist das Merkwürdige. Ich fand keine schlüssige Antwort und keine Schwuppe konnte mir es sagen. Man findet auch nicht wirklich Infos darüber. Alles was meine Recherchen ergaben war:
"Of course you are also listed on the website www.erados.com where customers can contact you by email, even if they are not registrated on Gayromeo."
Also der Vorteil scheint darin zu bestehe, dass man nicht bei GR registriert zu sein brauch, um sich einen Callboy zu ordern.

Vielleicht ist diese Funktionalität übernommen worden? Auch das ist nicht der Fall.
Bei Erados kann man sich offensichtlich nicht mehr einloggen, dort wird auf GayRomeo verwiesen mit dem folgenden Link.
Und Außenstehende? Die können die Profile öffnen, bei dem Versuch eine eine Message zu senden erscheint jedoch die Fehlermeldung, dass man nicht angemeldet/registriert sei. Soviel dazu.
Erados existiert meines Erachtens nicht mehr. Dennoch wirbt GayRomeo damit (siehe oben).

Teil 2: Die Escorts
Als ich mich mit den Escorten (ein Euphemismus) unterhielt, stieß ich auf noch was interessantes.
Normale User können sich einen PlusAccount zulegen. Escorten einen StarAccount. Es ist im Grunde dasselbe, nur dass StarAccounts zusätzlich in der Suche höher einsortiert werden.
Jetzt rate mal, wie viel GR den Escorten abknüpft? (Ein PlusAccount kostet 39,50 Euro im Jahr)
Mehr als 100?
Mehr als 200?
Es sind 240 Euro im Jahr.

Mein erster Gedanke war: Wow, dann müssen die super tolle Features haben.
Fehlanzeige. Im Gegenteil. Keine Besucherlisten (was gut gegen Belästigung ist), keine Bilder-Suche, kein User-helfen-User. Ergo: Im technischen Aufwand scheint die hohe Gebühr nicht begründet.
Sie verlangen es, weil es gezahlt wird und weil ein User, der solche Summen bezahlt garantiert echt sein muss.
Es kann einem eigentlich egal sein, welchen Preise GR an Escorten stellt.
Dennoch bedeutet es, dass Romeo einen nicht zu verachtenden Teil seines Einkommens durch die Vermittlung des schnellen Sex erhält.

Bei der Suche aller StarProfile fand ich 580 (das sind derzeit 8% aller Escorts). Das heißt, PlanetRomeo nimmt allein mit den Callboys zwischen 140.000 - 160.000 Euro jährlich ein. (Die Differenz ist auf die gestaffelten Preise zurückzuführen)
Die Escorten machen grob 1,4% aller User in Deutschland aus. (Ich nahm dabei an, eine Escorte besitze auch ein normales Profil)

Abschließend ein Vergleich, da 1,4% nicht viel zu sein scheint.
In Deutschland gab es 2006 laut dem statistischen Bundesamt rund 27.800.000 Frauen im Alter von 15-65 Jahren (wenn man mit einer Frauenquote von 51% rechnet).
Wiki beziffert die weiblichen Prostituierten in Deutschland mit 380.000.
Das ergibt ebenfalls eine Quote von ca. 1,4% - wenn ich meinem Taschenrechner Glauben schenke.
(Diese Rechnung ist nur über den Daumen gepeilt(!), denn der wahre Anteil von Escorts bei GayRomeo ist beispielsweise sicherlich höher, da ich keine Faker- oder Zweitprofile berücksichtigte.)

Machen wir das anschaulich:
Wenn neu.de unter Heten genauso beliebt wäre wie GayRomeo unter Schwuppen, dann müsste Neu.de (um mit GR mithalten zu können) eine Rubrik "CallGirls" einführen, unter welcher sämtliche(!) Prostituierten Deutschlands zu finden wären. Den Konkurs dieser "normalen" Partnerbörse kann sich jeder ausmalen.

Angesichts dieser Zahlen, fällt es da noch schwer zu fragen:
Ist GayRomeo nichts weiter als ein riesiges Bordell?

Teil 3: TripToSex
Schenkt man Alexa glauben, existiert eine weitere Schwesterseite (visit-x.net), welche laut Impressum in den Niederlanden ihren Sitz hat. TripToSex (jetzt unter dem Namen visit-x) ist schon seit längerem bei GR (bzw. von einigen scherzhaft XR genannt) verlinkt.

Im Dezember 2003 war es sogar offiziell.
GayRomeo veröffentlichte im Impressum:
"Abraham & Schmidt GbR mit Sitz in
[...]
Email: team@erados.com
http://www.Erados.com
http://www.GayRomeo.com
http://www.TripToSex.com

Gesellschafter sind:
Jens Schmidt
Manuel Abraham"

Zum Thema fand ich den Blog Hafennutte, der für die Problematik der Escorten sensibilisiert und eine andere Sichtweise darlegt.
Ich ende diesen Ausflug in die Welt der käuflichen Liebe mit einem Zitat aus Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame":
"Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell"

Trackback URL:
http://gdtricks.twoday.net/stories/4650251/modTrackback

Stefan (anonym) - 28. Jan, 21:17

Auch für mich neu

Ich kannte die Zusammenhänge auch nicht. Danke für's recherchieren.

Wo hat Wiki denn die Zahl 400000 her?

Deine Frage beantworte ich übrigens mit 'nein'. 1,4 % sind doch ein bisserl weg, um gr al Bordell zu bezeichnen. Selbst wenn es die zehnfache Anzahl wäre, würde ich nicht zu dieser Bezeichnung kommen. Und selbst wenn doch: Was solls? Niemand muss hingehen, sprich: sich einloggen.

asaaki (anonym) - 31. Jan, 01:53

erados und GR

früher waren die escorts wirklich mehr von GR getrennt als es heute ist, da eben der erados-kram komplett in gr integiert ist. die maschinerie dahinter war eh die gleiche, ich wette, dass auch schon damals die datenbank zusammen alles enthielt, was die profile betrifft.

warum die preise für escorts so hoch ist? klar, die echtheit ist damit wirklich erwiesen, wer so viel kohle blättert. und machen wir uns doch nix vor. die summe für einen jahresaccount hat n callboy locker an einem tag verdient, wenn er sich mühe gibt. zumindest die jungs auf der straße schaffen das schon irgendwie (wobei die sicherlich nicht unbedingt auf GR/erados angewiesen sind/wären).

und GR kann es sich auch leisten, diesen hohen preis zu verlangen. immerhin wirst du als escort von mehr gefunden als wenn du auf der straße stehst, oder? immerhin ist die GR-gemeinde groß genug.

dankbar sollten wir den escorts (und auch den plus-usern) sowieso sein, da sie uns die gesamte plattform finanzieren - wir müssen halt nicht einmal werbung sehen. ist doch toll, oder?

und ist uns doch egal, ob das werbefreie und kostenlose eben auf dem rücken der prostitution getragen wird. kümmern wir uns wirklich drum? GR wie erados waren schon immer auf sex aufgebaut, da hilft das moralapostel-syndrom sehr wenig. wer sich damit nicht anfreunden kann, möge sich doch bei den blauen seiten wieder abmelden... so einfach ist das doch.

ich glaube einfach mal, dass sowohl GR als auch erados nie mit schlechten und finsteren gedanken gemacht worden war. was es jetzt ist, ist doch letztendlich auch ein resultat der gesellschaft, die diese seite formt.
die macher sind doch bestimmt eh nur noch dazu verdammt, die technik am laufen zu halten. ob sie wirklich spaß dabei haben...? wer will's, wer kann's wissen...?

GDmaster - 31. Jan, 12:49

Danke für deine ausführliche Response. :)
Sicherlich, ich wollte den Beitrag etwas reißerisch gestallten. Möchte GR keinen Vorwurf machen - sondern fand es einfach nur interessant.

"die summe für einen jahresaccount hat n callboy locker an einem tag verdient, wenn er sich mühe gibt."
eben - das ist ja das Gruselige. Da schoss mir das Wort "Zuhälterpreise" durch den Kopf.

"und ist uns doch egal, ob das werbefreie und kostenlose eben auf dem rücken der prostitution getragen wird."
Das stimmt. Das Ziel heiligt so manches mal die Mittel.
Man kann jedoch nicht unter den Teppich kehren, dass Romeo so ziemlich die einzige Kontaktbörse ist, die mit Prostituierten wirbt (Behaupte ich mal). Jede "Hetro"-Singlebörse ginge daran zugrund.
Das "Stricherproblem" wird selbst bei Wikipedia besprochen, auf der Diskussionsseite zum Thema "GayRomeo".
GR ist somit nicht hilfreich der Szene das Image der Promiskuität zu entreißen, sondern fördert dieses noch.

Zum Teil ist GR Resultat der "Gesellschaft" - doch das sind die meisten Kriege auch.

Ich denke, die Frage nach der Moral sollten wir besser nicht stellen - sonst kommen wir noch zur Gretchenfrage ;)
Wie gesagt, Beschuldigungen lagen mir fern - mehr vielleicht ein Anstoß zur Gesellschaftskritik :)
John (anonym) - 10. Jul, 21:35

Die ursprüngliche Frage

Die ursprüngliche Frage war ja, was hat erados mit den Ursprüngen von gr zu tun. Die Antwort ist einfach. Am Anfang haben die guten alle Callboy-Verzeichnisse gespammt ... wie http://www.esCupido.com und damals noch gayboyZ.de und was es da sonst noch so gab um zahlungskräftige User anzusammeln. Nachdem diese Seite nun Ihren Sinn erfüllt hat, wurde sie eingstampt. Klar dass das Geld von den Escorts noch gerne mitgenommen wird.

Interessant wäre auch mal zu wissen, was denn nun wirklich in Amsterdam ist ... wo GR doch noch immer in Berlin gemacht wird.

Alexander (anonym) - 13. Jul, 13:36

Amsterdam oder Berlin

Die Frage, wer denn nun wirklich in Amsterdam ist, sollte besser nicht vertieft werden. Grund für den Wegzug waren die deutschen Jugendschutzgesetze. Um die einzuhalten, müsste sichergestellt werden, dass der Zugang nur Volljährigen möglich ist. So ehrenwert diese gesetzliche Notwendigkeit - es wäre teuer und würde dazu führen, dass sich jeder User gegenüber GR ausweisen muss.

Da ist der Betrieb der Seite durch eine Niederländische Gesellschaft eine gute Wahl. Allerdings muss die Seite auch aus dem Ausland betrieben werden, um den deutschen Jugendschutz zu umgehen. Sollte sich herausstellen, dass ein Großteil des Unternehmens weiterhin aus Deutschland operiert, könnte auch deutsches Recht wieder anwendbar sein.

Manchmal ist es besser, nicht zu viele Fragen zu stellen ...

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