GayRomeo-User auf der Couch
Immer wieder hörte ich Gerüchte von GayRomeo-Selbsthilfegruppen.
Im Magazin G-Mag tauchten diese auf und auch in einem Polylux Beitrag.
Gibt es wirklich etwas wie die GayRomeo-Sucht?
Sind wir schon so weit, dass Therapie-Gruppen angeboten werden?
Dem wollte ich näher auf den Grund gehen und rief daraufhin Diplom Psychologe Arnd Bächler (siehe Polylux Video) an. Herr Bächler arbeitet für die Schwulenberatung Berlin. Diese Beratungsstelle bietet kostenlos und anonym ihre Dienste an. Weitere Informationen sind zu finden unter SchwulenBeratungBerlin.de.
GDmaster:
Lieber Arnd, es gab einmal einen Beitrag bei Polylux, wo der Anschein erweckt wird, dass Selbsthilfegruppen für GayRomeo bzw. GayRomeo-Süchtige existieren. Stimmt das? Bietet ihr solche Gruppen an?
Arnd:
Ich habe noch nichts von GayRomeo-Selbsthilfegruppen gehört. Im Polylux Beitrag sollte rüberkommen, dass dieses Thema in unseren Gruppen regelmäßig besprochen wird und dass man mit uns darüber reden kann. Aber es gibt keine spezielle GayRomeo-Suchtgruppe bei uns. Wir hatten zum Beispiel einmal einen Gruppenabend zum Thema GayRomeo, der gut besucht war. Das war jedoch eine einmalige Veranstaltung. Ich denke, GayRomeo ist ein Querschnittsthema, das in allen Gruppen vorkommt. Denn in allen diesen Gruppen geht es ja auch um Kontakt und Leute kennen lernen.
Im DeutschlandRadio wurde berichtet, dass ein Klient zu dir kam weil er sich im Chat in einen anderen Mann verliebt hat. Mit welchen Problemen kommen denn Klienten generell zu dir?
Sie erzählen mir einfach, was sie so erleben: Klagen, dass im virtuellen Leben viel gelogen, betrogen und verletzt wird. Da erfährt man eben Enttäuschungen, wie auch im richtigen Leben.
Eine Flucht vor seinem Leben
Manchmal hört man Schlagworte wie RomeoSucht. Kann man schon von GayRomeo-Sucht sprechen?
Auf jeden Fall. Es gibt Leute, die dort jeden Tag viele Stunden verbringen. Bezeichnend bei einer Sucht ist, wenn man sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommt, weil man nicht mehr schlafen, an nichts anderes mehr denken kann, nicht mehr in Ruhe arbeiten kann und vereinsamt.
Ist GayRomeo wirklich so tiefgreifend? Wenn man nun von GayRomeo-Sucht sprechen kann, was ist das dann genau? Ist es mehr Sexsucht, Internetsucht oder etwas völlig neues?
Ich würde es Internetsucht nennen. Sexsucht gibt es aber auch. Das ist, wenn man jeden Tag Sex braucht, nie genug hat und nie befriedigt ist. Es ist eine Flucht vor seinem Leben - die Betroffenen schaden sich dadurch gesundheitlich, materiell und psychisch.
GayRomeo ist nun mal sehr verlockend, fast wie ein Versandhauskatalog. Du kannst da Wünsche aussprechen und dir Leute suchen, die dazu passen. Du erfährst viel - das Ganze ist halt spannend und vielversprechend. Manche können davon nicht genug kriegen bzw. das richtige Maß finden. Es ist allerdings dann ein großes Problem , wenn die Kontakte nur virtuell bleiben, man nicht den Weg ins wirkliche Leben schafft.
Ist dies auch das größte Problem, dass dir im Umgang mit deinen Klienten begegnet?
Nein, das sind mehrere Probleme: Zum einen wie gesagt der fehlende Schritt in die Wirklichkeit, dann aber auch, dass es zu einer Beliebigkeit führt. Man kann jeden Tag neue Leute treffen.
Und dass einige gar keinen Wert mehr auf die Vertiefung der Kontakte legen, weil sie denken: „Ach, es gibt sicherlich noch etwas besseres, was noch schöner ist oder noch interessanter“.
Glaubst Du, GayRomeo könnte etwas besser machen, damit die GayRomeo-Sucht abgebaut würde?
Ich finde, dass GayRomeo ganz viel Positives leistet. Denn es bieten auch Hilfen an, wie zum Beispiel Beratung zu Safer-Sex. Andererseits gibt es aber auch ein paar Funktionen, die Suchtpotential haben: Zum Beispiel die Besucherliste, die nur eine kurze Zeit gilt. Es macht abhängig, jeden Tag da reinzugucken.
Eine abschließende Frage: Deine persönliche Meinung zu GayRomeo?
Ich finde, GayRomeo hat Chancen und Risiken. Man sollte das Beste daraus machen. Ich verteufele GayRomeo nicht. Das will ich deutlich sagen. Denn das Internet hat für mache Leute auch richtige Vorteile, zum Beispiel für Leute, die sehr schüchtern sind oder hart arbeiten müssen. Für sie ist es praktisch, daheim am PC Kontakte knüpfen zu können. Im Endeffekt sind virtuell die gleichen Leute unterwegs, wie auch im wirklichen Leben. Es gibt nette und doofe Leute. Ich denke, es kommt auf einen Selbst an, was man daraus macht.
Ich danke dir vielmals für das Gespräch.
Im Magazin G-Mag tauchten diese auf und auch in einem Polylux Beitrag.
Gibt es wirklich etwas wie die GayRomeo-Sucht?
Sind wir schon so weit, dass Therapie-Gruppen angeboten werden?
Dem wollte ich näher auf den Grund gehen und rief daraufhin Diplom Psychologe Arnd Bächler (siehe Polylux Video) an. Herr Bächler arbeitet für die Schwulenberatung Berlin. Diese Beratungsstelle bietet kostenlos und anonym ihre Dienste an. Weitere Informationen sind zu finden unter SchwulenBeratungBerlin.de.
GDmaster:
Lieber Arnd, es gab einmal einen Beitrag bei Polylux, wo der Anschein erweckt wird, dass Selbsthilfegruppen für GayRomeo bzw. GayRomeo-Süchtige existieren. Stimmt das? Bietet ihr solche Gruppen an?
Arnd:
Ich habe noch nichts von GayRomeo-Selbsthilfegruppen gehört. Im Polylux Beitrag sollte rüberkommen, dass dieses Thema in unseren Gruppen regelmäßig besprochen wird und dass man mit uns darüber reden kann. Aber es gibt keine spezielle GayRomeo-Suchtgruppe bei uns. Wir hatten zum Beispiel einmal einen Gruppenabend zum Thema GayRomeo, der gut besucht war. Das war jedoch eine einmalige Veranstaltung. Ich denke, GayRomeo ist ein Querschnittsthema, das in allen Gruppen vorkommt. Denn in allen diesen Gruppen geht es ja auch um Kontakt und Leute kennen lernen.
Im DeutschlandRadio wurde berichtet, dass ein Klient zu dir kam weil er sich im Chat in einen anderen Mann verliebt hat. Mit welchen Problemen kommen denn Klienten generell zu dir?
Sie erzählen mir einfach, was sie so erleben: Klagen, dass im virtuellen Leben viel gelogen, betrogen und verletzt wird. Da erfährt man eben Enttäuschungen, wie auch im richtigen Leben.
Eine Flucht vor seinem Leben
Manchmal hört man Schlagworte wie RomeoSucht. Kann man schon von GayRomeo-Sucht sprechen?
Auf jeden Fall. Es gibt Leute, die dort jeden Tag viele Stunden verbringen. Bezeichnend bei einer Sucht ist, wenn man sein Leben nicht mehr auf die Reihe bekommt, weil man nicht mehr schlafen, an nichts anderes mehr denken kann, nicht mehr in Ruhe arbeiten kann und vereinsamt.
Ist GayRomeo wirklich so tiefgreifend? Wenn man nun von GayRomeo-Sucht sprechen kann, was ist das dann genau? Ist es mehr Sexsucht, Internetsucht oder etwas völlig neues?
Ich würde es Internetsucht nennen. Sexsucht gibt es aber auch. Das ist, wenn man jeden Tag Sex braucht, nie genug hat und nie befriedigt ist. Es ist eine Flucht vor seinem Leben - die Betroffenen schaden sich dadurch gesundheitlich, materiell und psychisch.
GayRomeo ist nun mal sehr verlockend, fast wie ein Versandhauskatalog. Du kannst da Wünsche aussprechen und dir Leute suchen, die dazu passen. Du erfährst viel - das Ganze ist halt spannend und vielversprechend. Manche können davon nicht genug kriegen bzw. das richtige Maß finden. Es ist allerdings dann ein großes Problem , wenn die Kontakte nur virtuell bleiben, man nicht den Weg ins wirkliche Leben schafft.
Ist dies auch das größte Problem, dass dir im Umgang mit deinen Klienten begegnet?
Nein, das sind mehrere Probleme: Zum einen wie gesagt der fehlende Schritt in die Wirklichkeit, dann aber auch, dass es zu einer Beliebigkeit führt. Man kann jeden Tag neue Leute treffen.
Und dass einige gar keinen Wert mehr auf die Vertiefung der Kontakte legen, weil sie denken: „Ach, es gibt sicherlich noch etwas besseres, was noch schöner ist oder noch interessanter“.
Glaubst Du, GayRomeo könnte etwas besser machen, damit die GayRomeo-Sucht abgebaut würde?
Ich finde, dass GayRomeo ganz viel Positives leistet. Denn es bieten auch Hilfen an, wie zum Beispiel Beratung zu Safer-Sex. Andererseits gibt es aber auch ein paar Funktionen, die Suchtpotential haben: Zum Beispiel die Besucherliste, die nur eine kurze Zeit gilt. Es macht abhängig, jeden Tag da reinzugucken.
Eine abschließende Frage: Deine persönliche Meinung zu GayRomeo?
Ich finde, GayRomeo hat Chancen und Risiken. Man sollte das Beste daraus machen. Ich verteufele GayRomeo nicht. Das will ich deutlich sagen. Denn das Internet hat für mache Leute auch richtige Vorteile, zum Beispiel für Leute, die sehr schüchtern sind oder hart arbeiten müssen. Für sie ist es praktisch, daheim am PC Kontakte knüpfen zu können. Im Endeffekt sind virtuell die gleichen Leute unterwegs, wie auch im wirklichen Leben. Es gibt nette und doofe Leute. Ich denke, es kommt auf einen Selbst an, was man daraus macht.
Ich danke dir vielmals für das Gespräch.
GDmaster - 30. Mrz, 00:58
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Thommen (anonym) - 30. Mrz, 23:56
Illusionen und Feigheit
Bei GR und anderen Plattformen im Internet kommen hauptsächlich zwei wichtige Komponenten homosexueller Verklemmtheit und Minderwertigkeitskomplexe zum tragen:
1. Ich muss es Mama und allen anderen ja nicht sagen, weil ich die geilen Männer ja hintenherum übers Internet finden und treffen kann...
2. Ähnlich wie bei den "Klappensüchtigen" von frührer verbringen viele jetzt viel Zeit vor dem Bildschirm, statt vor den Türen der Toiletten...
Ich denke, wir sollten uns der Zusammenhänge klar werden, bevor wieder neue Süchte und Krankheiten kre-iert werden!
1. Ich muss es Mama und allen anderen ja nicht sagen, weil ich die geilen Männer ja hintenherum übers Internet finden und treffen kann...
2. Ähnlich wie bei den "Klappensüchtigen" von frührer verbringen viele jetzt viel Zeit vor dem Bildschirm, statt vor den Türen der Toiletten...
Ich denke, wir sollten uns der Zusammenhänge klar werden, bevor wieder neue Süchte und Krankheiten kre-iert werden!
GDmaster - 31. Mrz, 01:23
Die Problematik ist sehr vielschichtig. Da gebe ich dir Recht.
Ohne eine Krankheit kreieren zu wollen schrieb ich, dass Herr Bächler mir von seiner Arbeit berichtete und davon, dass einige Schwule aufgrund dieser speziellen Onlinesucht ihr Leben nicht mehr geregelt kriegen. Zum Beispiel nicht wirklich schlafen können.
Andere Psychologen haben feste Maßstäbe dafür wann eine Sucht anfängt.
Aus meiner Sicht wird da nichts Neues konstruiert sonder lediglich eine bestehende Problematik festgestellt. Wann es eine Krankheit ist überlasse ich den qualifizierten Medizinern/Psychologen.
Ohne eine Krankheit kreieren zu wollen schrieb ich, dass Herr Bächler mir von seiner Arbeit berichtete und davon, dass einige Schwule aufgrund dieser speziellen Onlinesucht ihr Leben nicht mehr geregelt kriegen. Zum Beispiel nicht wirklich schlafen können.
Andere Psychologen haben feste Maßstäbe dafür wann eine Sucht anfängt.
Aus meiner Sicht wird da nichts Neues konstruiert sonder lediglich eine bestehende Problematik festgestellt. Wann es eine Krankheit ist überlasse ich den qualifizierten Medizinern/Psychologen.







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