Anekdoten aus einem schwulen Leben IV
Christoph liegt im Krankenhaus. Seine Eltern haben mich angerufen, ich bin sofort hingefahren. Auf dem Flur haben sie mir erzählt, dass er im Bus zusammengeschlagen wurde und niemand geholfen hat, obwohl der Bus voll war. Sie sagten, dass es wohl türkische Jungs waren und dass sie ihn angegriffen haben, weil er schwul ist. Als Christoph am Boden röchelte, sind sie ausgestiegen und Christoph hat selbst noch die Polizei angerufen. Dann wurde er bewusstlos.
Ich bin in sein Zimmer gegangen, Christoph lag am Fenster und schlief. Ich habe seine Hand genommen, aber ich wollte ihn nicht wecken. Er war übersät mit rotgetränkten Verbänden und ein Arzt sagte, dass er ein paar Tage hier bleiben wird. Wir haben ihm seinen Lieblingsteddy auf den Bauch gelegt und ihn zugedeckt, seine Eltern haben geheult und schließlich ging die Mutter wütend aus dem Zimmer und verstand die Welt nicht mehr.
Sie wetterte gegen die Türken, denn es war nicht der erste Vorfall: Christoph wurde schon einmal von einer türkischen Jungenbande angegriffen, man hat ihm das Nasenbein gebrochen, als er gerade aus einer schwulen Bar herauskam und mit seinem Freund Händchen hielt. Sein Freund ist weggerannt und hat die Polizei gerufen. Die Beziehung zerbrach kurze Zeit später.
Ich habe der Mutter sanft widersprochen und gesagt, dass nicht nur türkische Jungs ihren Hass gegen Schwule ausleben würden und überhaupt habe das nichts mit der Herkunft zu tun, aber es hat nichts gebracht und ich wollte sie nicht provozieren. Ich bin ja auch wütend. Der Vater entgegnete, dass sie Christoph oft gesagt haben, dass er seine Homosexualität nicht so offen zeigen sollte. Er sagte, wenn man schon einen Makel hätte, dann müsse man nicht noch zusätzlichen Ärger provozieren. Die Mutter schaute ihn böse an und er war still.
Wir sind dann in die Cafeteria des Krankenhauses gegangen. Der Vater brauchte eine Zigarette und die Mutter musste ihren Lidschatten nachziehen. Er sagte mir, dass die Polizei ihnen nicht sehr viel Mut machen konnte. Es gibt keine Videoüberwachung im Bus und die befragten Fahrgäste konnten sich nicht erinnern, was genau passiert ist. Man ist jetzt auf die Aussage von Christoph angewiesen und wenn man einige Verdächtige fände, stünde es Aussage gegen Aussage. Der Vater sagte dann zum Polizisten, dass das Verfahren also wahrscheinlich eingestellt werde und dieser nickte mit dem Kopf.
Als die Mutter wieder aus den Toilettenräumen zurückkehrte und die Schminke in ihre Handtasche packte, sagte sie, dass sie jetzt gehen wolle. Sie ertrage das alles nicht mehr. Der Vater nickte, zog noch einmal an seiner Zigarette und nahm mich in den Arm. Er sagte, ich müsse jetzt stark sein. Ob sie mich nach Hause fahren sollten. Aber ich wollte noch bleiben. Ich habe noch einen Crepes gegessen.
Anekdoten aus einem schwulen Leben.
Jeden Samstag auf Gay Dating Tricks!
Ich bin in sein Zimmer gegangen, Christoph lag am Fenster und schlief. Ich habe seine Hand genommen, aber ich wollte ihn nicht wecken. Er war übersät mit rotgetränkten Verbänden und ein Arzt sagte, dass er ein paar Tage hier bleiben wird. Wir haben ihm seinen Lieblingsteddy auf den Bauch gelegt und ihn zugedeckt, seine Eltern haben geheult und schließlich ging die Mutter wütend aus dem Zimmer und verstand die Welt nicht mehr.
Sie wetterte gegen die Türken, denn es war nicht der erste Vorfall: Christoph wurde schon einmal von einer türkischen Jungenbande angegriffen, man hat ihm das Nasenbein gebrochen, als er gerade aus einer schwulen Bar herauskam und mit seinem Freund Händchen hielt. Sein Freund ist weggerannt und hat die Polizei gerufen. Die Beziehung zerbrach kurze Zeit später.
Ich habe der Mutter sanft widersprochen und gesagt, dass nicht nur türkische Jungs ihren Hass gegen Schwule ausleben würden und überhaupt habe das nichts mit der Herkunft zu tun, aber es hat nichts gebracht und ich wollte sie nicht provozieren. Ich bin ja auch wütend. Der Vater entgegnete, dass sie Christoph oft gesagt haben, dass er seine Homosexualität nicht so offen zeigen sollte. Er sagte, wenn man schon einen Makel hätte, dann müsse man nicht noch zusätzlichen Ärger provozieren. Die Mutter schaute ihn böse an und er war still.
Wir sind dann in die Cafeteria des Krankenhauses gegangen. Der Vater brauchte eine Zigarette und die Mutter musste ihren Lidschatten nachziehen. Er sagte mir, dass die Polizei ihnen nicht sehr viel Mut machen konnte. Es gibt keine Videoüberwachung im Bus und die befragten Fahrgäste konnten sich nicht erinnern, was genau passiert ist. Man ist jetzt auf die Aussage von Christoph angewiesen und wenn man einige Verdächtige fände, stünde es Aussage gegen Aussage. Der Vater sagte dann zum Polizisten, dass das Verfahren also wahrscheinlich eingestellt werde und dieser nickte mit dem Kopf.
Als die Mutter wieder aus den Toilettenräumen zurückkehrte und die Schminke in ihre Handtasche packte, sagte sie, dass sie jetzt gehen wolle. Sie ertrage das alles nicht mehr. Der Vater nickte, zog noch einmal an seiner Zigarette und nahm mich in den Arm. Er sagte, ich müsse jetzt stark sein. Ob sie mich nach Hause fahren sollten. Aber ich wollte noch bleiben. Ich habe noch einen Crepes gegessen.
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baumarktpflanze - 3. Mai, 00:01
Trackbacks zu diesem Beitrag
MithrasX' Blog - 3. Mai, 10:45
Ihr habt doch schon alles erreicht
Das Argument vieler Gesprächspartner... [weiter]
ondamaris (Gast) - 3. Mai, 15:09
schockierend. und immer noch traurige realität ...
habt ihr ein anti-gewalt-telefon o.ä. informiert?
alles gute!
habt ihr ein anti-gewalt-telefon o.ä. informiert?
alles gute!
Bangbrother-Te - 7. Mai, 11:41
Das ist wirklich unglaublich traurig!
Wobei ich denke, dass es schon nicht ganz von der Herkunft abzukoppeln ist, wie sich Leute, vor allem Männer, gegenüber Schwulen verhalten. In erster Linie sind natürlich sozial Schwache eher für solche Gewaltausbrüche anfällig, Migranten sind noch einmal zusätzlich mit sozialen Nachteilen belastet. Hinzu kommt allerdings auch, dass diese oft aus Heimatländern stammen, in denen die öffentliche Meinung ganz klar mit Homosexualität bzw. generell mit gesellschaftlichen Abweichlern hart ins Gericht geht. Wenn einem sonst wenig Sicherheiten im Leben bleiben, dann zieht man sich auf die Sicherheit einer solchen Grundhaltung zurück, von der man weiß, dass sie in der ursprünglichen Heimat Akzeptanz fände.
Wobei ich denke, dass es schon nicht ganz von der Herkunft abzukoppeln ist, wie sich Leute, vor allem Männer, gegenüber Schwulen verhalten. In erster Linie sind natürlich sozial Schwache eher für solche Gewaltausbrüche anfällig, Migranten sind noch einmal zusätzlich mit sozialen Nachteilen belastet. Hinzu kommt allerdings auch, dass diese oft aus Heimatländern stammen, in denen die öffentliche Meinung ganz klar mit Homosexualität bzw. generell mit gesellschaftlichen Abweichlern hart ins Gericht geht. Wenn einem sonst wenig Sicherheiten im Leben bleiben, dann zieht man sich auf die Sicherheit einer solchen Grundhaltung zurück, von der man weiß, dass sie in der ursprünglichen Heimat Akzeptanz fände.

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