Sonntag, 8. Juni 2008

BareRomeo - Get Friends, Have Sex

"Na, du machst es dir ja wieder sehr einfach" waren die Worte, die mir der gute Sascha (mein Co-Blogger) an den Kopf warf.
Dabei erzählte ich ihm bloß, dass ich das Thema Barebacking im Zusammenhang mit GayRomeo kritisch beleuchten wollte. Ob er damit Recht hat?

Der Begriff "bareback" ist aus der Reitersprache entlehnt. Er könnte mit "Reiten ohne Sattel" übersetzt werden und bezeichnet Sex ohne Kondom. Insbesondere meint man Analverkehr ohne ein vor Infektionen schützendes Kondom. Viele assoziieren damit auch andere "unsafe" Praktiken in diesem Zusammenhang.

Fangen wir vielleicht mit einem Experiment an. Dieses wurde durchgeführt vom Blog Eintagpositiv. Jener Blogger hat einfach zwei GayRomeo Profile erstellt und geschaut, wie schnell er jemanden für ein Sexdate findet - ungeschützt versteht sich. Sein Fazit:
"Beide Profile, der Negative, der sich unbedingt mal wieder richtig "abfüllen" lassen wollte, oder der ach so gut aussehende Positive, brauchten keine Angst haben, auch nur eine Nacht ohne Mann verbringen zu müssen. Keiner von beiden brauchte Angst haben, dass irgend ein Date zu viel Gummi dabei haben würde."
Die blauen Seiten werden häufig angegriffen wegen ihrer liberalen Haltung bezüglich Barebacking- Clubs und Profilen.
In Zeiten von Sex2.0 - ähm, meine Web2.0 kommt PlanetRomeo eine Sonderstellung zu.
Denn GR ist nicht nur die größte schwule Community, sondern hat darüber hinaus unter vielen Schwulen den Ruf ein Sexportal zu sein. (Davon distanziert sich der Betreiber und erklärt, dass "GayRomeo möglichst mehr als eine reine Sexplattform sein sollte".)
Aufgrund dieser ausgezeichneten Stellung und dem Einfluss auf das heutige Sexualleben der Schwulen hat die Kontaktbörse eine besondere Verantwortung in punkto "Safer Sex".

Wird GayRomeo dieser Verantwortung gerecht?
Vor grob einem Jahr riefen "die Blauen" das Kooperationsprojekt "Health-Support" ins Leben. Präventionsmitarbeiter verschiedener Hilfe-Organisationen sind nun über ein "Health-Support"-Profil ansprechbar und bieten Hilfestellungen zu allen möglichen Themen.
Diese Angebot wird von vielen begrüßt. Auf einer Anfrage hin, wie die deutsche AIDS Hilfe zu GR stehe, antwortete man mir:
"Hinsichtlich Gayromeo kann ich Ihnen mitteilen, dass das Portal ein wichtiger Kooperationspartner der DAH ist. Zusammen mit Gayromeo konnten wir auf deren Seiten ein schwules peer-Präventionsprojekt, den "health support" etablieren."

Ich schrieb mit einem Health-Supporter und fragte ihn nach den Vorteilen des neuen Präventionsprojektes."Mit dem Health-Support haben sich die Anfragen via Internet stark erhöht. [...] So haben wir, als AIDS-Hilfe Westmecklenburg, seitdem ca. 20 Internetanfragen pro Woche. Das war vorher nicht so."
"Ich finde dieses Projekt sehr gelungen, da dieses Angebot sehr niederschwellig ist und somit ein Klientel erreicht wird, welches ansonsten keine Beratungsstelle aufsuchen würde."

"Was das Barebacking betrifft, so ist dies eine Herausforderung für alle Präventionsmitarbeiter. Es ist unheimlich schwierig, in dieser Szene Fuß zu fassen. Bisherige Präventionsbotschaften sind bei dieser Zielgruppe leider nicht angekommen.
[...] Ich sehe auch das Problem, dass durch den Health-Support die Seiten von „Gayromeo“ aufgewertet und viele User in eine scheinbare Sicherheit versetzt werden."
Der elektronische Schriftverkehr reduziert also die Hemmschwelle eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Einige kritische Stimmen warnen, dass ein solches Präventionsprojekt klassische Beratungsgespräche nicht ersetzen darf. Der Großteil der Anfragen bei GayRomeo seien zum Beispiel reine Wissensfragen.
Auch hört man von Klagen, dass sich einige Beraterprofile nicht gerade durch Professionalität auszeichneten.
Creative Commons by flickr user bse303
Und was ist mit den Bareback-Clubs?
Darf GayRomeo Raum für Bareback-Partys bieten?
Eine häufige Antwort darauf lautet: "Was würde ein Verbot schon bringen?"
Oder wie es die AIDS-Hilfe Westmecklenburg fasst:
"Viele fordern ein Verbot der Barebacking-Clubs auf Gayromeo. Es ist aber auch so, dass Verbote das Problem nicht lösen. Die Anhänger dieser Szene werden sich dann einfach eine andere Plattform suchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das unbedingt gewollt ist.

Es gibt bei Gayromeo einige Aspekte, die mir viel größere Bauchschmerzen bereiten als die Barebacking-Clubs. [...] Zum einen das Problem, das sich Jugendliche unter 18 Jahren leicht Zugang zu diesem Chatportal verschaffen können und zum anderen, dass es Jugendlichen unheimlich leicht gemacht wird, sich zu prostituieren."
Über die Escorts berichtete ich bereits.

Zurück zum eigentlichen Thema.
Unter dem Beitrag "Zahlen bitte" findest Du ein paar Statistiken zu dem Userverhalten in Punkto Safer Sex, aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Dating-Portalen.

Wie sieht PlanetRomeo die Problematik?
In einer Stellungnahme heißt es:
"Oft werden wir dafür kritisiert, dass wir Bareback-Profile und Clubs nicht verbieten. [...] Grundsätzlich stellen wir klar, dass wir ganz eindeutig für Safer Sex sind. [...]
Wir glauben, dass man ein Problem nicht löst, indem man sie aus der Öffentlichkeit verbannt und "unsichtbar" macht. [...]
Letztendlich sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir am meisten erreichen, wenn wir mit diesem Thema offen umgehen und auch nichts verbieten. Nur so haben wir die Möglichkeit, User zu erreichen und im Rahmen unserer Möglichkeiten Aufklärung zu betreiben"
Auch hier wieder die gleiche Argumentation. Barebacking werde man nicht aktiv verbieten, da das Problem dadurch auch nicht verschwände. Ein "was hilft es, wenn ich FairTrade-Produkte kaufe, andere beuten die dritte Welt ja dennoch aus" hat damit eine gewisse Ähnlichkeit.
Der Health Support ist in meinen Augen Ausdruck einer Doppelmoral, ganz ähnlich der "Rauchen kann tödlich sein"-Aufkleber auf Zigarettenpackungen.
Bei der Stellungnahme zum Thema liest man viel über das Verbot von Bareback-Profilen. Aber über die Clubs findet sich explizit nichts.
Ich bin der Meinung, dass die Abschaffung der Bareback Clubs einen Beitrag dazu leisten könnte, dass Schwule "safer" leben. Solche Gruppierungen suchen sich sicherlich andere Webseiten. Doch der allgemeine Zugang zu diesen Clubs würde erheblich erschwert. Ebenso kritisch betrachte ich die Möglichkeit, dass man nach Usern suchen kann, die die Einstellung "Safer Sex: Nie" auswählten.

Das Ganze erinnert mich ein wenig an die rechtsradikalen Clubs bei GR. Dort half erst starke Kritik in den Medien ehe Romeo die menschenverachtenden Clubs löschte.
Sicherlich kann man so ziemliche jedes Profil und jeden Club mit der persönlichen Freiheit und der Selbstverantwortlichkeit rechtfertigen. Das wäre dann der gleiche Grund, warum in Amerika jeder Einwohner Waffen besitzen darf. Und diesen Vergleich finde ich ziemlich gut, denn es ist kaum ein Unterschied zwischen dem Recht eine Waffe zu besitzen und dem "Recht" unsafen Sex zu praktizieren, wenn man andere damit in Gefahr bringt.


Ein letzten Gedanken gewähre mir noch.
Was wäre die Motivation für ein Unternehmen Barebacking zu dulden?
Ist es die Freiheit des Einzelnen, die man wahren möchte?
Wäre der technische Aufwand zu hoch?
Oder ist es einfach nur lukrativ?
Würde nicht auch jeder Barebacker mehr einen potentieller Kunde mehr bedeuten?

Ich schließe mit einer Bitte, die GayRomeo an seine Usern richtet - und das mit einer Formulierung, die man halt nur bei den blauen Seiten findet. Ja, PlanetRomeo kennt seine Zielgruppe genau.
"Setz dich bitte mit dem Thema Safer Sex wirklich ausführlich auseinander. Sicherlich ist es nicht die beste Idee, damit zu warten, bis man notgeil auf allen vieren kriecht und ein harter dicker Schwanz ohne Gummi am Arsch reibt."

Trackback URL:
http://gdtricks.twoday.net/stories/4977669/modTrackback

Haco (Gast) - 8. Jun, 11:26

Das Leben der anderen?

An der Forderung, Portale wie GayRomeo müssten sich mehr um das Bareback-Problem kümmern, stört mich der Hang, Probleme zu delegieren.

Es ist ja nicht so, dass ich mich ohne meines Zutuns infizieren kann. HIV überkommt mich nicht einfach so. HIV ist keine unberechenbar knüppelnde Gang, die einen überall und jederzeit auflauern kann, und die man mit einem Aufgebot von Ordnungshütern vertreiben kann.

Ich bezweifle, dass der Ruf nach Verboten in der Sorge um die Gesundheit unserer Mitmenschen begründet liegt. Es geht uns doch nur um unserer eigene Gesundheit. Und die liegt glücklicherweise in unseren Händen, in dem wir es safe machen. Ich versteh nicht, warum man andere so zum Thema machen muss, wenn das eigene Leben von ihnen gar nicht berührt wird.

Vielleicht geht es dabei um den Ruf der Schwulen innerhalb der Gesellschaft. Barebacker unterstreichen sämtliche Vorurteile einer lüsternen hemmungslosen Gruppierung. Aber mal ehrlich: auch wenn wir noch so vorbildlich sein werden: Wir werden immer die Schwulen bleiben.

Und wenn der Ruf nach Verboten in der Sorge eines durch HIV belastenden Gesundheitssystems begründet liegt: Dann sollten wir Armut auch verbieten. Und Fettleibigkeit. Und Ungeschicklichkeit. Und genetische Vorbelastung, und ...

Schwule sind Menschen, und menschlich ist ihr Verhalten: Als um uns herum die Freunde und Bekannten krepiert sind, wollten wir keinen Sex mehr, und wenn, dann nur noch mit Gummi. Jetzt krepieren nur noch wenige, beste Voraussetzung zum Verdrängen. Wenn um uns herum sich der Bekanntenkreis wieder ausdünnen wird, dann werden wir wieder Gummis nehmen. So ist der Lauf der Dinge
.
Ich kann Stellung beziehen, ja. Ich kann aufklären. Ich kann sagen, dass die Medikamente dich verändern, auch körperlich, dass sie die Krankheit in dein Gesicht schreiben können. Dass es einfach nicht stimmt, dass man mit HIV dank Therapie auf jeden Fall normal weiterleben kann.
Aber verbieten kann man nichts, schon gar nicht wenn es um Sex geht.

GDmaster - 8. Jun, 12:37

Mir ging es weniger um die Barebacker, von deren Praktiken mein eigenes "Leben [...] gar nicht berührt wird."
Denn GayRomeo hat sehr viele junge Nutzer und User, die sich nicht ausreichend informiert haben. Also im Grunde alle Schwule, die kurz davor stehen mit der Bareback-Szene in Berührung zu kommen, gilt es zu schützen.

Und das passiert halt nicht.
Es bringt sicher nichts Bareback Profile zu verbieten. Vor allem in diesem Punkt muss die Möglichkeit geboten werden ehrliche Angaben zu machen ("Safer Sex: Nie").
Doch die Zugänglichkeit (über die Suche und Clubs) zu dieser Szene kann man unterbinde.

Ich denke es wäre ein Fehler Barebacker als eine "lüsternen hemmungslosen Gruppierung" anzusehen.
Glaubt man den Psychologen, hat die Lust damit eher weniger zu tun. "Besonders prominent sind in diesem Bereich Theorien, die auf modernen tiefenpsychologischen Richtungen der Psychoanalyse basieren: Unbewusste und verdrängte Konflikte werden als tiefere Ursache für das Verhalten Barebacking angesehen, das "nur" als Symptom gedeutet wird."

Ferner kommt hinzu, dass einige Schwule der irrigen Annahme unterliegen: "Bei Barebacking zwischen Personen, die nachweislich HIV-positiv sind, sei kein Safer Sex mehr nötig.
Bezüglich [dieser] Aussage sei hervorgehoben, dass auch der ungeschützte Sex zwischen zwei nachweislich HIV+ Partnern Risiken birgt. Die Partner können sich theoretisch gegenseitig mit einem jeweils anderen Virenstamm des HIV infizieren, was zu einer Resistenz gegen verfügbare HIV-Medikamente führen könnte." (Quelle Wikipedia)

Von den anderen STD ganz zu schweigen.
Petersen (Gast) - 8. Jun, 14:14

Sternstunden

Ich kann mich meinem Vorschreiber nur anschließen. Warum sich selber Gedanken machen, wenn man mit der Forderung eines Verbotes die bequeme weiße Weste nicht ausziehen muss?

Verbote haben auch immer Wahnsinnig viel geholfen. Hier sei auf die weltweit größte Online Befragung (oups auch durch GayRomeo) verwiesen. Gerade Jünge Schwule unterschätzen drastisch Ihr Risiko (sie kennen tendenziell keine HIV-Positiven und kommen kaum mit dem Thema in Kontakt). Ein ausbleben der Realität (es wird halt leider hinter verschlossenen Türen ohne Gummi rumgeferkelt) wäre hier sicherlich langfristig sehr produktiv!

Eine Glanzleistung ist übrigens, dass die Bemühungen von GayRomeo (zB eben die Kooperation von GayRomeo mit der DAH und die Schaffung des HealthSupports) retorisch ins negative verdreht wird.

Ja GayRomeo erlaubt Bareback-Clubs und Profile. Ist dies aber vielleicht nicht in aller Konsequenz auf lange Sicht das kleinere Übel? Wie schaut es denn auf anderen Portalen aus? GayRoyal hat jahrelang gegen Bareback gewettert. Mit dem Umzug nach Holland hieß es aber "Wir sind für Bareback offen". Werden dort irgendwelche Aktionen mit den Aidshilfen oder sonstige Aktionen gemacht?

In der Schweiz steht Bareback zB unter Strafe - und bringt es was? Dort müsste ja alles in Butter - ähm Gummi sein. Zu dumm nur das dem nicht so ist.


Mir ist klar das man als Blogger mal provozieren muss, aber dieses Thema erscheint mir doch zu wichtig, als das man sich auf ein BILD-Level begibt.

Schöne Grüße hoch in den Elfenbeinturm!

beobachter (Gast) - 28. Jul, 17:31

@ Petersen

In der Schweiz ist Barebacking nicht unter Strafe. Nur wenn man wissentlich der Infektion mit jemanden ungeschützt Sex macht und ihm nicht sagt das man positiv ist. Wird der bei diesem Sex angesteckt kann er dann den anderen verklagen. Ist jedoch auch in Fachkreisen höchst umstritten - denn das verhindert noch mehr, dass sich die Leute testen lassen
Haco (Gast) - 9. Jun, 10:39

einerseits - andererseits

Einerseits:
Ich glaube, dass durch Portale wie GayRomeo Jungschwule eher besser Bescheid wissen können. Stell dir mal - in Zeiten vor GR - einen 18jährigen vor, der sich dann doch mal traut, in einer Kneipe in den Darkroom, in ein Sexkino oder in den Park zu gehen: Glaubst du, dass sein vornehmlicher Gedanke dabei ist, sich dabei zu schützen? Er weiß ja vermutlich noch nicht einmal so recht was es ist, was ihn da hintreibt, was ihn erwartet. Er wird in einem Rausch aus Neugierde und Begehren sein, vermutlich betrunken, und erst im nachhinein wird er begreifen, was da mit ihm passiert ist. Zumindest bei mir war es so. Für viele Schwule gibt es eben nachwievor keinen liebevollen Weg in die Sexualität.

Bei GayRomeo kann jeder über die Gefahren von Bareback Bescheid wissen. Und wer es dennoch ohne Gummi macht, will über die Gefahren nichts wissen, oder macht es, weil er glaubt es machen zu müssen.

Und damit komm ich zum Andererseits:

Wir leben in einer hoch sexualisierten Welt, Portale wie GR (wie alle anderen vergleichbare Portale auch) verstärken vielleicht diese Entwicklung. Alles scheint machbar, vieles als Muss. Wer sich als Schwuler der heutigen Szene gegenübersieht wird glauben, dass all die Buchstabenkürzel zwingend dazugehören. Vielleicht ist Bareback nur eine Erweiterung eines Arsenals aus Ficken, FF, NS etc, das man glaubt bereithalten zu müssen. (Vor Jahren hab ich mal etwas über FF gehört, das war da noch etwas außergewöhnliches, und der Akt war eingebunden in eine mehrstündige Session und einer Atmosphäre aus Vertrauen und Nähe. Heutzutage scheint ja jeder zweite Schwule zu meinen, das in sein sexuelles Repertoire für einen ONS aufnehmen zu müssen... aber ich schweife ab)
Eigenartigerweise heißt es, dass diese Sexualisierung nicht zwingend zu besserer Aufklärung führt.

Alle anderen Gründe, warum ohne Gummi gevögelt wird, sind denk ich nicht schwulenspezifisch. Das machen Heten auch. Nur darüber redet kaum einer.

GDmaster - 9. Jun, 11:18

Da hast Du sicherlich recht!
Gr und das Internet allgemein bieten eine Informationsquelle, die man früher nicht kannte.
Der Health Support als solcher ist eine gute Sache.

Die Frage wäre, ob man sich auf diesen Lorbeeren ausruhen darf...
ondamaris (Gast) - 9. Jun, 21:18

ein interessanter bericht, ermutigende diskussionen.
einige gedanken fehlen mir ein wenig, auch wenn sie für euch provokant klingen mögen:
- zu unsafem sex gehören immer (mindestens) zwei - da ist nicht nur der unsafe vögelnde positive der einzig verantwortlich beteiligte
- auch ein kondom macht sex (in sachen hiv) zwar safer, aber nicht safe (das "r" ist wichtig).
- was in der 'bareback'-debatte gerne vergessen wird: ein erfolgreich behandelter positiver ist auf jeden fall sehr sehr viel niedriger infektiös als ein nicht behandelter. wenn in schwulen szenen mit positiven offener, ehrlicher umgegangen würde - und schwule sich testen lassen, von ihrem hiv wissen und es behandeln lassen, würde die infektiosität drastisch sinken ...
die unehrlichkeit bis ablehnung, die in teilen schwuler szenen immer noch positiven entgegen kommt, schafft (mit) ein klima, das indirekt auch die infektiosität negativ beeinflusst
- ein letzter gedanke: mehrere untersuchungen zeigen, dass an neu-infektionen zu hohem anteiöl menschen beteiligt sind, die bisher nicht von ihrer hiv-infektion wissen. wüssten sie es (durch einen hiv-test) - würden sie sich (hoffentlich) anders verhalten ...

insofern wäre evtl zu überlegen, ob der (im übrigen gute) gayromeo-rat nicht auch zu ergänzen wäre um die frage 'überlege einmal, ob du nicht einen hiv-test machen möchtest"

Thommen (Gast) - 9. Jun, 21:23

Auferstanden im HIV-Land

.. so der Titel meiner Auseinandersetzung mit barebacking auf meinem Blog.

Diese Form der sexuellen Handlungen mit anderen Menschen lässt sehr oft auf mangelnde Persönlichkeit, Minderwertigkeitskomplexe, Opposition gegen bürgerliche Normen und fehlendes coming out schliessen. Barebacking ist nur eine extreme Form des Aufbegehrens gegen Verantwortung. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für Andere.
Im weiteren Rahmen bildet der "Spermakult" unter Männern ähnlich unterbewusst motiviert, aber mit anderen Wünschen und Bildern besetzt als bei den Heteros, eine Quelle der Sehnsucht nach Einverleibung und Selbstaufgabe - ähnlich dem Blutkult mit dem Abendmahl.

Mit AIDS ist es wie mit Radioaktivität. Sie ist nicht zu sehen, nicht zu hören und nicht zu schmecken. Allein der Verstand hilft, sich zu schützen. Dass sich viele Männer nicht verstandesmässig mit ihrer Sexualität auseinandersetzen können, ist die Ursache weiter steigender HIV-Zahlen! Zu argumentieren, AIDS sei eine Krankheit für "Dumme" würde übers Ziel hinausschiessen, es aber vorher treffen.

Angesichts der tiefen und unvernünftigen Beweggründe fürs barebacking, wäre die Aidsprävention von der Moral zu lösen und auf klare Handlungsanweisungen zurückzuführen. Stattdessen wird weiterhin moralisiert und falsche Sicherheit durch wiederholte Testdurchführungen, oder treue monogame Beziehungen, in Aussicht gestellt.

Wenn Niederwieser in einem Interview bekennt, dass er "den schönsten Sex seines Lebens" mit seinem Partner nach zwei negativen Testresultaten ungeschützt erlebt, dann erachte ich dieses veröffentlichte "coming out" als höchst fahrlässig!
Auch wenn sich Homosexuelle von der "Community" in die Zweierkiste verabschieden, so ist das nicht für die Ewigkeit. Irgendwann kommen sie zurück und müssen wieder mühsam den Safersex erlernen...

Für die Diskussionen um gayroyal oder gayromeo ist es längst zu spät. Dieser Zug ist abgefahren.

Wenn sich ein Elitebwusstsein um den Test und die Privilegierung ungeschützten Sexes bildet, so kann sich auch ein "Elitebewusstsein" um diejenigen herum bilden, die sich dem Zufall in die Arme werfen!Ihre Identität baut dann nicht auf kreativem, gemeinschaftlichem Leben, sondern auf destruktiven Sexualhandlungen auf, für die Clubs, Waldlichtungen oder subkulturelle Räume aufgesucht werden - real und virtual.

Es fällt auch auf, dass nie ernsthaft gemeinschaftlich oder öffentlich über barebacking diskutiert werden wollte. Die bekannten Argumente gegen das Verbot waren von Anfang an "wirksam".

Völlig verschwiegen wird dabei, was uns die HIV-Infizierten ihr Leben lang kosten werden (wie bei Rauchern und Alkoholikern). Wer sagt, dass die Kassen ewig bezahlen werden können!?

ondamaris (Gast) - 10. Jun, 09:48

lieber thommen,
ich schätze dein blog ja sehr ... aber diesmal ist dein senf etwas scharf, mit "AIDS sei eine Krankheit für "Dumme"" schisst du tatsächlich arg weit über das ziel hinaus ... ich hoffe irgendein positiver in deine rgegend zeigt dir gelegentluch, dass er nicht 'dumm' ist ;-)

"Für die Diskussionen um gayroyal oder gayromeo ist es längst zu spät. Dieser Zug ist abgefahren. " - da stimme ich dir zu ...

was die diskussionen über barebacking angeht ... also in berlin gab es da einiges an großen und gut besuchten öffentlichen diskussionen drüber. ob sich dadurch im verhalten etwas geändert hat, ist eine andere frage ...
GDmaster - 10. Jun, 12:50

Was die "Krankheit für Dumme" angeht...
Ich sage mal: In der Übertreibung liegt die Anschaulichkeit

"Für die Diskussionen um gayroyal oder gayromeo ist es längst zu spät. Dieser Zug ist abgefahren."
Es handelt sich wirklich um eine alte Problematik.
Doch kein Unternehmen darf eine Art Gewohnheitsrecht bei kritischen und gefährlichen Handlungsweisen erringen. Wenn gleich die Kraft des Faktischen verführerisch ist.
swal (Gast) - 11. Jun, 19:38

Wer sich in einem aufgeklärten Industrieland heute noch HIV holt, ist abgesehen von Vergewaltigungen oder Unfällen selbst schuld. Wie schon gesagt gehören zum Barebacking immer (mindestens) 2. Vielleicht eine harte Aussage, aber wohl wahr.

Der Argumentation von Gayromoe kann ich schon etwas abgewinnen - wenn Bareback ausdrücklich verboten ist, dann wird halt wie in Spam-Mails auf Umschreibungen ausgewichen - und es können ja alle "Safer Sex immer" angeben.

Trotzdem fände ich es sehr überlegenswert, sowohl Bareback-Clubs zu verbieten als auch die Suchmöglichkeit nach "Nie" zu entfernen. Wenn es um sehr heikle Themen geht, sind eingeschränkte Verbote vielleicht immer noch der beste Mittelweg, um insgesamt am meisten zu erreichen. Oder wie wäre es mit einem eingeblendeten Hinweis, wenn jemand eine andere Angabe als "Immer" macht?

Außerdem, zumindest in Österreich ist es meines Wissens strafbar, wenn bekanntermaßen mit STDs belastete Personen ungeschützten Sex haben.

Aber auch an der allgemeinen Aufklärung könnte noch gearbeitet werden, immerhin wird schon öfters erwähnt, dass es heute keine Rolle mehr spielt, ob hetero- oder homosexueller Verkehr. Viele denken aber wohl "passiert mir doch nicht, und wenn ist es sowieso behandelbar". Außerdem müsste verstärkt auf Syphilis usw. eingegangen werden, die man sich zum Teil viel leichter holen kann.

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