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"Ich möchte mich als schwuler Mann nicht auf meine Sexualität beschränken lassen."

Der Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de, Patrick Kremers, über das Bild der Schwulen in den Medien, warum homosexuelle Themen keine Auflagenkiller sind und das besondere Interesse heterosexueller Männer an schwulen Themen.

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  Redaktionsleiter Patrick Kremers
  Wir sollten unsere Sexualität nicht zu wichtig nehmen

Lieber Patrick, heute folgt also der zweite Teil unseres großen Interviews. Würdest Du der These zustimmen, dass Schwule und Lesben in den Medien vor allem klischeeisiert dargestellt werden?


Was sind „die Medien“? Das muss man differenziert betrachten. Natürlich gibt es Zeitungen und TV-Formate, die Schwule entweder als Fummeltriene oder als Lederkerl darstellen und Lesben als Übermänner. Aber es gibt genug andere Zeitungen und TV-Formate, die sich der Thematik ernsthaft annehmen. Die ZEIT hatte im vergangenen Jahr ein sehr informatives Dossier über schwules Leben in Deutschland, das völlig ohne Klischee auskam. Es gibt also auch qualitativ anspruchsvolle Medien, die sich mit Homosexualität auseinander setzen.

Werden schwule und lesbische Thematiken Deiner Ansicht nach in den Medien genug gewürdigt? Bekommen sie den Stellenwert, der ihnen zusteht?

Ich möchte mit einer Gegenfrage antworten: Welcher Stellenwert sollte schwul-lesbischen Themen denn zustehen? Wir sollten unsere Sexualität nicht zu wichtig nehmen, denn sie ist nur ein Bruchteil unseres Lebens und nichts, auf das wir uns reduzieren lassen sollten. Homosexualität scheint mir momentan zu einem Trend-Thema hochgejazzt zu werden. Das kann auch nach hinten losgehen.

Inzwischen gibt es in vielen Serien auch schwule und lesbische Charaktere, nur leider haben sie wenig Erfolg. Liegt es vielleicht am Anspruch?

Wieso sollten diese Serien zu anspruchsvoll sein? Nur, weil sie schwul-lesbische Themen ansprechen? Das glaube ich kaum. Dass diese Serien in Deutschland wenig Erfolg haben, hat andere Gründe. Es gibt genug andere TV-Serien, die im Ausland sehr erfolgreich laufen und auf dem deutschen Markt versagen. Außerdem: Nur, weil eine TV-Serie auf die vermeintlichen Bedürfnisse von Schwulen und Lesben zugeschnitten ist, muss sie ja nicht direkt gut sein.

Glaubst Du, dass diese Charaktere Quotenschwule oder -lesben sind?

Ich habe da andere Kriterien. Von daher ist es mir egal, ob es in einer Serie einen Quotenschwulen oder eine Quotenlesbe gibt.

Schwule Themen sind bei Zeitungen und Zeitschriften immer noch selten. Sind sie ein Auflagenkiller?


Nein, das glaube ich nicht. Wenn groß das Wort „schwul“ auf dem Titel geschrieben steht, wird das vielleicht den einen oder anderen Leser erschrecken - vielleicht wird er das Magazin dann nicht kaufen. Aber ich glaube nicht, dass das ein Massenphänomen ist. So tolerant sind die meisten Menschen dann schon, dass sie mit so etwas leben können. Das Magazin besteht in einem solchen Fall ja nicht ausschließlich aus Geschichten über Homosexualität. Im Zweifelsfall kann man die einfach überblättern, ohne dass es schmerzt.



Wie hoch schätzt Du das Interesse an schwulen Thematiken bei heterosexuellen Männern ein?

Ich schätze es eher gering ein und finde das auch gar nicht tragisch. Ich möchte mich als schwuler Mann nicht auf meine Sexualität beschränken lassen. Vor diesem Hintergrund kann es für mich so etwas wie „schwule Themen“ gar nicht geben, schließlich sind wir nicht anders. Wir haben nur eine andere Sexualität.

Wird Deine Redaktion eigentlich auch von Heterosexuellen als Anlaufstelle für Fragen zu schwulen Thematiken konfrontiert?


Solche Anfragen kommen vor, aber selten. Unser Magazin ist thematisch sehr speziell ausgerichtet und wird deshalb in der Regel nur von schwulen Jugendlichen gelesen. Hin und wieder wenden sich Eltern an uns, die Fragen haben. Wie soll ich mich jetzt meinem Kind gegenüber verhalten? Haben wir etwas falsch gemacht? Ist Schwulsein nicht gefährlich? Diese Eltern verweisen wir dann an Projekte weiter, die sich speziell an Eltern schwuler und lesbischer Kinder wenden. Dort kann ihnen besser geholfen werden.

Lieber Patrick, vielen Dank für das Gespräch!
Nächsten Montag: Der Chefredakteur von "Men's Health", Wolfgang Melcher, steht uns exklusiv Rede und Antwort.

Im großen Interview erklärt er, warum es in seinem Magazin kaum schwule Themen gibt und redet über die Angst heterosexueller Männer, für schwul gehalten zu werden.

Nächsten Montag auf Gay Dating Tricks!

Mehr zum Thema findest Du hier:
"Homosexualität scheint zu einem Trend-Thema hochgejazzt zu werden. Das kann nach hinten losgehen."
Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de, über das Aufkommen von Communitys, den Wandel in der Gesellschaft und den Niedergang des CSD. Erster Teil des großen Interviews.


Du bist nicht allein
Das schwule Jugendmagazin dbna wurde in diesem Jahr zehn Jahre alt. Dennoch kennt es kaum einer. Es ist an der Zeit, das zu ändern

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