"Meine Schätzung: Rund ein Fünftel bis ein Viertel unserer männlichen Leser sind schwul."
Der Chefredakteur des Männermagazins Men's Health, Wolfgang Melcher, stand uns bereits gestern Rede und Antwort. Heute spricht er über das Interesse heterosexueller Männer an schwulen Thematiken, den Anteil schwuler Leser seines Magazins und den Wandel des CSD.

Frauenträume: Mein Mann,...
Sex wann immer und so oft ihr wollt
Lies erstmal Teil 1
Lieber Herr Melcher, wie hoch schätzen Sie das Interesse an schwulen Thematiken bei heterosexuellen Männern ein?
Das Interesse ist nicht groß, aber es ist sicherlich vorhanden. Wohl eine Mischung aus Neugier und Sensationslust, vielleicht sogar mit einer Prise Neid ("Ihr Schwulen habt's gut, Sex wann immer und so oft ihr wollt - und das auch noch ohne stundenlanges Vorspiel!"). Allerdings gilt als Einschränkung das oben gesagte.
Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil an schwulen Lesern bei Ihrem Magazin ist?
Wie viele unserer Leser schwul sind, wissen wir nicht, wir haben es nie marktforscherisch erhoben und das Thema wird natürlich auch nicht in den großen Markt-Media-Studien abgefragt. Meine Schätzung: rund ein Fünftel bis ein Viertel unserer männlichen Leser sind schwul. Die einzige Zahl in dieser Richtung aus einer Studie, die mir bekannt ist, stammt aus dem Jahr 2004 ("Coming Out - Sind Schwule wirklich anders", Innofact AG). Demnach lesen immerhin 28,3 % der 449 befragten schwulen Männer zumindest gelegentlich Men's Health - Platz 4 hinter den großen Magazinen Spiegel, Stern und Focus.

...mein Pferd,...
Ein Fünftel bis ein Viertel der Leser schwul
Können Sie grundsätzlich sagen, welche Entwicklungen zu einem möglichen Wandel beigetragen haben? Glauben Sie, dass das Internet dazu beiträgt, dass Schwule offener leben können?
Für mich schwierig zu beurteilen ... Ich glaube aber eher nicht, dass das Internet eine große Rolle bei dieser Veränderung gespielt hat. Zum einen weil der Wandel sicherlich schon deutlich früher seine Wuzeln hat, zum anderen weil er doch eher ausgegangen ist von der Politik, von der Medienberichterstattung, vom (mehr oder weniger freiwilligen) Outing Prominenter, von der Wandlung des CSD von einer sehr politischen zu einer Massenveranstaltung...

...mein Persil!
Ob der CSD seinen Beitrag leisten kann?
Glauben Sie, dass unsere Gesellschaft weiterhin offensive Toleranzkampagnen wie den CSD nötig hat?
Grundsätzlich sind Toleranzkampagnen sicherlich weiter nötig. Ob der CSD da allerdings seinen Beitrag leisten kann? Was nicht heißt, dass er keine Berechtigung hat. Doch meiner Ansicht nach dient er inzwischen eher der Unterhaltung und dem Kommerz als der Durchsetzung von gesellschaftspolitischen Zielen.
Lieber Herr Melcher, vielen Dank für das Gespräch!
Nächste Woche: Die Pressesprecherin des LSVD, Renate Rampf
Sie erklärt, warum Sendungen mit schwulem Content nicht zur Prime Time gezeigt werden können, weshalb es gut ist, dass der CSD eine kommerzielle Veranstaltung geworden ist und warum das Klischee der Schwulen auch eine Chance ist.
Nächsten Montag auf Gay Dating Tricks!
Mehr zum Thema findest Du hier:
"Homosexualität scheint zu einem Trend-Thema hochgejazzt zu werden. Das kann nach hinten losgehen."
Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de, über das Aufkommen von Communitys, den Wandel in der Gesellschaft und den Niedergang des CSD
Wo ist der moderne Mann?
Früher war alles einfacher: Der Mann aus der Marlborowerbung war das geltende Männerideal - unrasiert, egoistisch und karrieregeil. Dann kam der metrosexuelle Mann, der sich pflegt und eincremt. Und nun gibt es gar kein Männerbild mehr. Oder doch?
Was ist nur aus dem CSD geworden?
Der CSD hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom eigentlichen politischen Anspruch entfernt. Es ist höchste Zeit für eine Trendwende.

Frauenträume: Mein Mann,...
Sex wann immer und so oft ihr wollt
Lies erstmal Teil 1
Lieber Herr Melcher, wie hoch schätzen Sie das Interesse an schwulen Thematiken bei heterosexuellen Männern ein?
Das Interesse ist nicht groß, aber es ist sicherlich vorhanden. Wohl eine Mischung aus Neugier und Sensationslust, vielleicht sogar mit einer Prise Neid ("Ihr Schwulen habt's gut, Sex wann immer und so oft ihr wollt - und das auch noch ohne stundenlanges Vorspiel!"). Allerdings gilt als Einschränkung das oben gesagte.
Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil an schwulen Lesern bei Ihrem Magazin ist?
Wie viele unserer Leser schwul sind, wissen wir nicht, wir haben es nie marktforscherisch erhoben und das Thema wird natürlich auch nicht in den großen Markt-Media-Studien abgefragt. Meine Schätzung: rund ein Fünftel bis ein Viertel unserer männlichen Leser sind schwul. Die einzige Zahl in dieser Richtung aus einer Studie, die mir bekannt ist, stammt aus dem Jahr 2004 ("Coming Out - Sind Schwule wirklich anders", Innofact AG). Demnach lesen immerhin 28,3 % der 449 befragten schwulen Männer zumindest gelegentlich Men's Health - Platz 4 hinter den großen Magazinen Spiegel, Stern und Focus.

...mein Pferd,...
Ein Fünftel bis ein Viertel der Leser schwul
Können Sie grundsätzlich sagen, welche Entwicklungen zu einem möglichen Wandel beigetragen haben? Glauben Sie, dass das Internet dazu beiträgt, dass Schwule offener leben können?
Für mich schwierig zu beurteilen ... Ich glaube aber eher nicht, dass das Internet eine große Rolle bei dieser Veränderung gespielt hat. Zum einen weil der Wandel sicherlich schon deutlich früher seine Wuzeln hat, zum anderen weil er doch eher ausgegangen ist von der Politik, von der Medienberichterstattung, vom (mehr oder weniger freiwilligen) Outing Prominenter, von der Wandlung des CSD von einer sehr politischen zu einer Massenveranstaltung...

...mein Persil!
Ob der CSD seinen Beitrag leisten kann?
Glauben Sie, dass unsere Gesellschaft weiterhin offensive Toleranzkampagnen wie den CSD nötig hat?
Grundsätzlich sind Toleranzkampagnen sicherlich weiter nötig. Ob der CSD da allerdings seinen Beitrag leisten kann? Was nicht heißt, dass er keine Berechtigung hat. Doch meiner Ansicht nach dient er inzwischen eher der Unterhaltung und dem Kommerz als der Durchsetzung von gesellschaftspolitischen Zielen.
Lieber Herr Melcher, vielen Dank für das Gespräch!
Nächste Woche: Die Pressesprecherin des LSVD, Renate Rampf
Sie erklärt, warum Sendungen mit schwulem Content nicht zur Prime Time gezeigt werden können, weshalb es gut ist, dass der CSD eine kommerzielle Veranstaltung geworden ist und warum das Klischee der Schwulen auch eine Chance ist.
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"Homosexualität scheint zu einem Trend-Thema hochgejazzt zu werden. Das kann nach hinten losgehen."
Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de, über das Aufkommen von Communitys, den Wandel in der Gesellschaft und den Niedergang des CSD
Wo ist der moderne Mann?
Früher war alles einfacher: Der Mann aus der Marlborowerbung war das geltende Männerideal - unrasiert, egoistisch und karrieregeil. Dann kam der metrosexuelle Mann, der sich pflegt und eincremt. Und nun gibt es gar kein Männerbild mehr. Oder doch?
Was ist nur aus dem CSD geworden?
Der CSD hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom eigentlichen politischen Anspruch entfernt. Es ist höchste Zeit für eine Trendwende.
baumarktpflanze - 5. Aug, 00:01
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