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Samstag, 28. März 2009

Warum es Faker gibt

"Bitte keine Faker" - Eine Phrase, die man oft im blauen Universum lesen kann. Faker können echt nervig und zeitraubend sein. Besonders bei GayRomeo ist dies durchaus ein Problem, denn die wenigen Gegenmaßnahmen sind relativ wirkungslos.
GR-User können andere als bekannt markieren, doch da machen es andere Portale viel besser (z.B. dbna oder gays.de).
Immerhin, nach eignen Angaben erhält Romeo täglich um die 100 Faker-Meldungen, von denen 2/3 gelöscht oder deaktiviert würden. Aus eigener Erfahrung, glaub ich nicht, dass das ausreicht. In meiner Stadt konnte ich schon einige Profile definitiv als Fakes ausmachen und darüber hinaus haben viele aus meinem Freundeskreis Zweit- oder sogar Drittprofile. Daher kann ich über 100 Meldungen pro Tag nur müde lächeln. Speziell bei GayRomeo sind solche Zweitprofile sogar teilweise erwünscht.

Was genau ist denn eigentlich ein "Fake"?
"Fake" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Fälschung". GayRomeo fasst es so: "Bei "Fakern" handelt es sich um Profile, die anderen etwas vormachen oder falsche Identitäten vortäuschen."
Ich würde weiterführend zwischen einer Inszenierung und einem Fake unterscheiden. Bei einer Inszenierung weist sich der Nutzer selbst Rollen zu, welche ihn unbewusst dirigieren. Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an das Cyber-Selbst, welchen durchaus dem realen Ich nicht entsprechen muss.

Beim Fakes hingegen nutzt der User mehrere Identitäten _bewusst_, um zu täuschen. GayRomeo zählt zusätzlich noch Jungs als Faker auf, die sich durch (sagen wir, falsche Körpermaße) interessanter machen möchten. Genauer betrachtet, glaube ich nicht, dass solche Profile als Fakes zu deklarieren sind, denn so gesehen müsste man ja jede Gewichtsveränderung umgehend melden. Diese Leute sind vielleicht nicht ganz ehrlich, aber sicherlich keine Faker. Jeder, der anhand der eigenen Vorstellungen über Wahrheitsliebe andere verurteilt, hat meiner Meinung nach einen gehörigen Sockenschuss.

Vor mehreren Jahren druckte eine große Tageszeitung in Amerika folgende Karikatur.

"Im Internet weiß niemand, dass du eigentlich ein Hund bist" - Die Anonymität des Internets lädt zum Spielen mit der eigenen Identität ein.

Was bewegt einen Menschen dazu Faker zu werden?
Um mit den Worten der Romeo-Betreiber zu sprechen: "Die Motive sind sehr unterschiedlich: Persönliche Langeweile, der Versuch, von anderen Bilder abzustauben, die Suche nach Cybersex, Betrug bis hin zu persönlichen Rachefeldzügen."
Die Gruppe der Pic-Sammler macht gefühlt den größten Anteil aus. Pic-Sammler sind User, die versuchen dich "aufzugeilen", um xxx-Pics von dir zu erhalten.

Betrug
"Klassische Fälle sind hierbei der versprochene Millionensegen aus Afrika oder Einladungswünsche mit Geld für die Fahrkarte aus Rumänien". Viel häufiger als diesen "klassischen Fälle" läuft man heutzutage Bots über den Weg, welche versuchen einen in teure SMS-Chats zu locken.

Es kommt sicherlich extrem selten vor, doch es gab schon Vorfälle bei denen GR-Nutzer Opfer von Gewalttaten wurden. Siehe auch GayBashing.


Frust
Der Blogger von Lattemio erstellte einst ein Fakerprofil, weil er einfach frustriert war:
"Aufgegeilte Typen haben etwas lächerliches"

Am Wochenende hatte ich echt ne miese Phase: Riesen-Enttäuschung im Gayromeo! [...] dann passierte etwas Grauenhaftes: Niemand wollte antworten. [...]
Mein gekränktes Ego schrie nach Rache. In weniger als zwei Minuten hatte ich ein Fake-Profil angelegt, einen sympatischen Profiltext geschrieben und ein chices realistisches Bild von meiner Festplatte hochgeladen. [...]

Die Resonanz war mörderisch! 600 Profilaufrufe in weniger als einer Stunde, 120 Messages während des Abends.
Jetzt konnte mein Rachefeldzug beginnen. Mit dem Fakeprofil besuchte ich die Profile von denen, die mein reales Profil vorher verschmäht hatten. Viele schrieben mich an und wurden furchtbar enttäuscht
[...] Ein herrlicher Abend! Selten hatte ich mich so köstlich amüsiert.

Langeweile
Wahrscheinlich das Motiv zum Faken schlechthin. Auch wenn sie offiziell nicht erlaubt sind, gibt es nicht wenige Frauen, die sich ein Profil in der blauen Laberwelt zulegten, um sich die Zeit zu vertreiben und mit schwulen Freunden Kontakt zu halten.

Richtig professionell nutzt der folgende Ciao-User sein Fakerprofil. Zusammen mit einem Freund verwendet er dieses Profil, um über alles zu lästern, was ihm über den Weg läuft:
"Hier geht es [...] um die positive und negative Schlagwörterauslassung über eben jene Menschen, die sich öffentlich im Internet präsentieren[...]

Am besten eignet sich hier gayromeo.com, [...]
Schnell mal ein falsches Bild hochgeladen und das Profil wird nur noch von notgeilen, ollen Kerlen aufgerufen.[...]

Ganz große Perlen der Männerwelt, werden per Nickname im Messenger eingetippt und an den Spielpartner übersendet. Dieser schaut sich die Person mittels Nicknamesuchfunktion an und schreibt ein Kommentar an den Absender wieder per Messenger, ein Dialog entsteht in dem auf oberflächlichste Weise gelästert oder bei gefallen auch geschwärmt wird."
An dieser Stelle noch einmal die Warnung: Pass auf was Du im Internet schreibst und tust - Du weißt nie, wer deinem Chatpartner über die Schulter guckt.



Matthias, 24, hat die Schnauze voll. Seit zwei Jahren war er Single. Da kam er auf die Idee einfach seinen Traummann zu erschaffen. Die ganze Geschichte erfährst Du im Studio3 Podcast.
>> Podcast anhören

Du hast einen Faker entdeckt? Bei den meisten Dating Portalen kann man dies melden. Bei GayRomeo findest Du die entsprechende Funktion unter:
"Hilfe & Service" -> "E-Mail Kontakt" -> "Faker oder User melden"
Das Romeo-Team ist in der Lage bei Mehrfachprofilen anhand der IP-Adresse Rückschlüsse auf den Nutzer zu ziehen.

Faker und Zweitprofile sind oft lästig, haben auf der anderen Seite manchmal auch Vorteile. Ein guter Freund von mir nutzt ein Zweitprofil, um andere Profile ungestört und heimlich zu durchstöbern. Ich selbst habe ein Zweitprofil, welches (immer deaktiviert) mir einen Nicknamen sichern soll, den ich eventuell später einmal annehmen möchte.
Und mit Sicherheit gibt es ein paar Spezis da draußen, die ein Fakerprofil nutzen, um den Charakter anderer User zu testen.

Von Fakern, so nervig sie auch sein mögen, kann man eine Lehre ziehen: Gehe lockerer und nicht verbissen mit der virtuellen Welt um. Sei verspielt! Wie man Faker enttarnen kann? Später dazu mehr...




Mehr zum Thema findest Du hier:
Wie man Faker erkennt

Vor drei Wochen schrieb ich über die Motive des Fakens. Wie entdeckt man Fakerprofile? Fangen wir mit den zwei klassischen Indizien an. ...

Trackback URL:
http://gdtricks.twoday.net/stories/warum-es-faker-gibt/modTrackback

Micha (Gast) - 28. Mrz, 17:17

Aussagekraft IP-Adresse?

"Das Romeo-Team ist in der Lage Mehrfachprofile anhand der IP-Adresse einem User zuzuordnen."

Das ist zwar richtig, aber nicht alle Profile, die unter der gleichen IP-Adresse aufgerufen werden, sind automatisch ein und der selben Person zuzuordnen: Eine Wohngemeinschaft, in der jeder Bewohner ein Profil bei GR unterhält UND die sich das Festnetztelefon (bei ISDN bekommt man ja schon als Standard drei verschiedene Telefonnummern) und den DSL-Anschluss teilt, ist jeder Bewohner unter der gleichen IP bei Romeo eingeloggt...
Und das ist nun wirklich kein seltenes Szenario.

Und jemand, der richtig faken will, wird schlau genug sein, verschiedene Browser zu benutzen UND seine Profile niemals gleichzeitig UND mit jeweils wechselnder IP-Adresse zu betreiben. (Mit Firefox, einer Fritz!Box und dem Fox!Box-Plugin nur ein Mausklick...)

Haco (Gast) - 28. Mrz, 17:21

"GayRomeo zählt zusätzlich noch Jungs als Faker auf, die sich durch (sagen wir, falsche Körpermaße) interessanter machen möchten."

Gayromeo schreibt aber auch (unter "Faker melden"):
"Kleine Lügen beim Alter oder Größe sind immer ärgerlich, dennoch fallen diese bei uns aber nicht unter Faker! Denn sonst müssten wir nur noch Schwanzgrößen korrigieren ;-)"

GDmaster - 28. Mrz, 18:10

Stimmt - das ist mir entgangen. Ich bezog mich auf den Absatz
Wir denken, dass man Faker in verschiedene Gruppen einteilen kann - wobei die Grenzen sicherlich oft verschwimmen.
1. Sich interessanter machen

Das Alter wird nach unten korrigiert, die Bilder sind auch nicht mehr die aktuellsten, die Hose ist nicht so gut gefüllt wie angekündigt und mit dem aktiv sein ist es auch nicht so weit her ;o) Unserer Ansicht nach, steckt hier in der Regel aber meist keine wirkliche böse Absicht dahinter. So ärgerlich es manchmal sein mag, aber man wird wohl in der Praxis mit dieser menschlichen Schwäche leben müssen.
Haco (Gast) - 28. Mrz, 17:57

noch was: ich versteh die Aufregung um Faker eh nicht so ganz. Bislang fand ich das auf GayRomeo nie ein Problem. Ich mein, wenn ich nur auf xxl-Schwänze an blutjungen athletischen Typen stehe, dann brauch ich micht nicht wundern wenn daraus nix wird, Faker hin, Faker her. Und ob jemand als reale Person nur aus Langeweile virtuell cruised, oder als Fake, ist mir das auch wurscht, denn ob ich ihn als echte Person nicht kennenlernen werde oder als Fake, spielt dann auch keine Rolle mehr.


und so nebenbei: jeder hat Faker-Anteile an sich, und ich meine nicht das besondere Augenmerk bei der Fotoauswahl und die geschönten körperlichen Merkmale: mal ist man aus Langeweile online, mal in frustiger Verfassung, mal antwort man, mal ignoriert man eine Message, mal will man sich nur aufgeilen, chattet ohne Absicht auf ein reales Date, mal will man nur Fotos angucken, mal das Gefühl haben, begehrt zu werden. Nicht immer will man eine Person im realen Leben kennenlernen. ist man dann schon Faker?

Micha (Gast) - 29. Mrz, 12:57

Haco hat schon recht. Wenn ich meine Ansprüche zu eng schraube, laufe ich unter Umständen eher Gefahr, Opfer von Fakern zu werden. Andererseits, chatte ich über längere Zeit mit einem interessanten Profil und muss dann feststellen, dass es sich tatsächlich nur um einen Fake gehandelt hat, ist das auch irgendwie deprimierend...

Was das Ignorieren von Messages angeht: Dadurch wird ein User noch lange nicht zum Faker. Ich antworte auch nicht auf jede private E-Mail oder SMS, rufe nicht jeden Anrufer, der meinen Anrufbeantworter vollgesprochen hat, zurück und ab und zu muss ich auch in meinem Bekanntenkreis spontan Verabredungen absagen. Warum sollte das bei Gayromeo anders sein? Jeder hat immer noch sein Privatleben.

Im Übrigen wundere ich mich gelegentlich, dass es offenbar Personen gibt, die auf Gayromeo alle Hemmungen fallen lassen, mich anchatten und dabei eine Litanei an sexuellen Präferenzen herunterbeten. Trifft man sie dann zufällig im realen Leben - in einer Bar oder auf einer Party (oder auf einer Party in einer Bar?) - hat man auf einmal ein verschüchtertes Häufchen Elend vor sich, das sich kaum traut, einen anzusprechen... Faker sind das dann aber trotzdem noch lange nicht. Die Anonymität des Internets lässt sich eben auch durch noch so realistisch formulierte Profiltexte und normale Fotos nicht aushebeln und bei manchem die Sicherungen durchbrennen.
Steffen030 (Gast) - 2. Apr, 06:08

IP-Adresse nicht immer Indiz

[...] Das Romeo-Team ist in der Lage Mehrfachprofile anhand der IP-Adresse einem User zuzuordnen. [...]

Koennen sie nicht wirklich machen, denn aus meiner Sicht geht das nicht so ganz einfach, denn es koennen mit einer IP auch noch andere online sein,man denke an WG`s oder wenn Partner in einer Wohnung zusammen sind.
Waere es dann nicht doof fuer die, die da vor dem PC sitzen? Sind ja dann gleich zwei Faker ^^

GDmaster - 2. Apr, 14:20

Das stimmt. Auf der anderen seite gab schon Fälle, in denen das Romeo-Team es sich halt "so ganz einfach" machte.

Ich habe den Text nun leicht abgeändert.

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