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Schwul

Montag, 3. August 2009

Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit

Man trifft sich, verbringt einen netten Abend. Aber irgendwie fehlte das gewisse Etwas. Oder bildet man sich das nur ein? Du zögerst. Lohnt es sich, ihn wieder zu sehen? Warten auf die große Liebe auf den ersten Blick oder gibt man dem Jungen noch eine Chance?

Als relativ junges Küken möchte ich keine Beziehung-Tipps geben. Darum fragte ich Eric Hegmann, Buchautor und Single-Coach, um Rat. Herr Hegmann (www.eric-hegmann.de) veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema Dating. Für seine Erzählung "Heldenfrühstück" wurde er 2004 für den Literaturpreis der Schwulen Buchläden nominiert.



Lieber Herr Hegmann, als Single-Coach werden Sie sicher auch mit Nachteilen des Online-Datings konfrontiert. Die neuen Medien stellen einen unter Zugzwang. Durch Kontaktbörsen trifft man sich nicht mehr unbefangen in der Realität, sondern dem ersten Treffen geht ein Chat oder ein Telefonat voraus. Wie sollte man mit der daraus entstehenden Erwartungshaltung umgehen?

Sehr häufig torpedieren tatsächlich die zu hohen Erwartungen an ein Date die Erfolgsaussichten. Nun wäre leicht zu sagen: Einfach niedrige Erwartungen ansetzen, aber das fällt manchen Menschen eben sehr schwer. Damit die Erwartungen nicht zu groß werden können, rate ich den virtuellen Kontakt zeitnah ins reale Leben zu transportieren, also rasch telefonieren und wenn sich der erste Eindruck bestätigt hat, auch rasch treffen. Je mehr E-Mails und Bilder getauscht werden, umso mehr Zeit hat unser Verstand, seine Hoffnungen und Wünsche in den neuen Kontakt zu projizieren und je nach Persönlichkeit des Singles kann das eine sehr euphorische Erwartungshaltung werden, die dann natürlich kein wahrer Mensch erfüllen kann.
Hilfreich ist vielleicht auch hierbei sich zu merken, dass das erste Date nur einen Zweck hat, nämlich herauszufinden ob es ein zweites geben wird.
Daher darf ein erstes Date durchaus ein kurzes Treffen, ein Spaziergang etc. sein. Wenn das gut lief, besteht kein Grund, das zweite Treffen nicht aufwändiger und persönlicher zu gestalten.

Was könnte man tun, wenn man sich nach dem zweiten oder dritten Treffen nicht sicher ist? Es einfach probieren, abwarten oder einen Korb geben?
Wer sich dauerhaft schwer tut, verbindlich zu werden, hat möglicherweise ein Traumprinz-Problem: Man erwartet einen perfekten Partner und bei der scheinbar riesigen Auswahl im Internet muss doch eigentlich immer noch jemand zu finden sein, der etwas besser passt. Probleme werden nicht angegangen sonder lieber die Kandidaten getauscht. Tatsächlich vergessen diese Menschen aber, dass sie nicht perfekt sind und es auch keine anderen perfekten Personen gibt. Die Gründe für diese Unverbindlichkeit sind vielfältig, häufig haben Sie aber mit dem eigenen Selbstbewusstsein zu tun.

Ein anderer Grund, sich mit einer Entscheidung schwer zu tun, kann sein, dass das Tempo der beiden Singles zu unterschiedlich ist. Es gibt Menschen, die auf die Liebe auf den ersten Blick hoffen und diesen Moment bei einem Date auch erwarten. Andere hingegen benötigen erst Nähe und Vertrauen, um Zuneigung entwickeln zu können. Treffen sich solch unterschiedliche Persönlichkeiten kann es leicht zu Kommunikationsschwierigkeiten kommen: Die SMS gleich nach dem ersten Date, wie toll es doch war, wird einen schicksalsorientierten Menschen freuen, einen wachstumsorientierten Menschen aber verschrecken. Wenn Sie also auf jemanden treffen, der sich auch nach dem dritten Date noch nicht entschieden hat, legt er vielleicht einfach nur ein ganz anderes Tempo als Sie vor und ist durchaus ein verbindlicher Mensch.

Prinzipiell ist es keine schlechte Idee, häufiger einen zweiten Blick zu wagen, um sich nicht die Chance auf einen spannenden Kontakt zu nehmen. Eine selbstsichere Persönlichkeit kann es sich leisten, abzuwarten und einen zweiten Blick zu riskieren, denn so jemand weiß, dass er auch andere passende Partner finden kann und muss sich nicht alle Hoffnung auf den neuen Kontakt lenken. Eine wenig selbstsichere Persönlichkeit hat wahrscheinlich einige schlechte Erfahrungen erlebt und erwartet auch nicht, dass sich jemand in ihn verlieben könnte, wie auch, er schätzt sich selbst ja nicht sonderlich und kann natürlich auch niemanden ernst nehmen, der ihm Zuneigung entgegenbringt.
Ansonsten gilt aber auch: Wenn Sie das Gefühl haben, mit dem neuen Kontakt stimmt etwas nicht, dann vertrauen Sie ruhig Ihrer Intuition, meist stimmt dann nämlich wirklich etwas nicht und Sie sollen sich keinesfalls selbst drängen, sich zu verlieben oder mit einem unpassenden Partner eine Beziehung zu führen versuchen, die Sie beide auf Dauer unglücklich macht.



Sollte man ehrlich sein und seinem Gegenüber offen sagen, dass man sich unsicher ist? Wäre dabei nicht auf der anderen Seite die Gefahr sehr hoch, dass diese Offenheit als direkte Ablehnung gewertet würde?
Weshalb sollte man nicht ehrlich sein? Welchen Grund könnte es dafür geben? Letztlich geht es um Ihre Erwartungen und Hoffnungen. Sie befürchten Ablehnung - aber muss dann die Frage, die Sie sich stellen müssen nicht sein, was das über Sie aussagt? Warum sollten Sie sich anders verhalten als Sie möchten? Wer sagt Ihnen, dass es gut wäre, etwas zu tun, dass Sie nicht tun wollen? Am Ende machen Sie mit sich selbst aus, was Ihnen kurz- und langfristig gut tut. Dem eigenen Selbstbewusstsein hilft auf Dauer nur, wenn es durch positive Erfahrung und Selbstwahrnehmung gestärkt wird - und dann treffen Sie auch die Entscheidungen, mit denen Sie sich selbst verwirklichen.


"Most gays don't wait for sex"

Spinnen wir den Gedanken weiter. Der Junge, um den es sich dreht, macht Andeutungen, dass man doch eine Nacht miteinander verbringen könnte.
In einer solchen Situation würden Freunde mir empfehlen diesen Schritt zu gehen. Es wäre zentraler Bestandteil einer Beziehung, sagen sie. Und wenn er sich als Flop im Bett herausstellte, wäre die Unsicherheit gegessen. Wie stehen Sie zu solch einem Rat?

Der Rat, früh in die Kiste zu steigen, um zu sehen, ob das harmoniert, kann für manche Menschen stimmen, andere sehen sich in der Lage, auch nach einem lauen sexuellen Start eine lustvolle sexuelle Beziehung aufzubauen. Das hängt von Einzelnen ab.
Am Ende bedeutet eine Partnerschaft vor allem, für sich und den Partner Verantwortung zu übernehmen. Die Furcht davor, die häufig zu Beziehungsangst und Beziehungsverweigerung in vielen Formen führt, lässt sich mit einer positiven Selbstwahrnehmung meiner Ansicht nach, in den meisten Fällen überwinden.
Das heißt eigentlich: für die perfekte Beziehung muss man vor allem an sich selbst arbeiten, denn wenn man seinem Partner ein guter Freund sein kann, werden sich die anderen darum reißen, mit Ihnen zusammen zu sein. Und Ablehnung weil Ihr Dating-Tempo langsamer oder schneller ist als das von anderen, wird Ihnen nichts ausmachen.

Vielen Dank für das Gespräch

Donnerstag, 11. Juni 2009

310 Leute haben wir gefragt, nennen Sie...

Auswertung der großen Oster-Umfrage
Am 12. April starteten Steffen030, GayInfoboard und GayDatingTricks eine Umfrage zum Online-Verhalten von Schwulen.
Wir (also Steffen, Tobi und meine Wenigkeit) haben dabei den Besucheransturm ausgenutzt, der aufgrund der Ostereiersuche von GayRomeo zu erwarten war. Jeder von uns hatte ein paar Fragen hinzugefügt. Hier nun die Ergebnisse.

Teilgenommen haben 310 Männer und eine Frau. So leid es mir tut, die Antworten der Teilnehmerin musste ich leider entfernen. Ein kurzes Wort zur Fehlerrechnung. Ganz ehrlich... Ich muss im Studium ziemlich oft Fehlerbetrachtungen durchführen. Darum verzeih mir, wenn dies hier nicht ausführlich geschieht.
Für eine repräsentative Umfrage benötigt man circa 1.000 Teilnehmer. Mit 310 Befragten liegen wir eigentlich ganz gut im Rennen. Und unter uns Pastorentöchtern: Manch ein Student, der an seiner Masterarbeit sitzt, ist mit einer Umfrage zufrieden, wenn er auch nur 150 Leute zusammen kriegt.
Nichtsdestotrotz sind nicht alle Ergebnisse unserer Umfrage signifikant - also nagel mich nicht auf 5% Prozent fest.
Du findest darüber hinaus nur gerundete Werte, denn 54,2343 % aller Statistiken gaukeln eine zu hohe Genauigkeit vor.


Woher kamen die Teilnehmer
 
Der Großteil der Befragten kam über GDT zur Umfrage. GayBC und MagicM waren so freundlich auf unsere Aktion hinzuweisen. Ich danke euch.

Orientierung
 
Mich überrascht ein wenig, dass Bisexuelle lediglich mit 10% vertreten waren.

Alter
 
Mittelwert : 30,4 Jahre
Das Ergebnis entspricht den Erwartungen und dieser Verlauf wurde bereits von anderen Statistiken bestätigt. Im Übrigen sind alle Angaben in den Diagrammen in Prozent angegeben.

Beziehungsstatus
 
54% gaben an Single zu sein, 34% vergeben und der Rest ist "irgendetwas dazwischen".

Alter der Singles
 
Wie wir sehen, findet man tendenziell mehr jüngere Singles . Es hat fast den Anschein, als ob die beiden Kurvenverläufe gegeneinander um 5 Jahre verschoben sind.

"Wie lernst Du Jungs kennen?"
 
Mehrfache Antworten waren hierbei möglich. Ein Teilnehmer wies mich darauf hin, dass "Jungs" ein schwammiger Begriff ist. "Dates" meinte ich damit - das haben die meisten zum Glück so verstanden.

Schwule, die "Internet" antworteten, wählten ebenfalls:
 
14% aller Teilnehmer nutzen dabei ausschließlich das Internet um Kontakte zu knüpfen. Zusätzlich gaben 5 Männer an, in Kneipen neue Leute kennenzulernen, 7 tun dies in einer Sauna und 2 gehen cruisen.


Dorf oder Großstadt?
 
Auch hier sind die Begriffe "Dorf" und "Kleinstadt" nicht klar definiert. Gewählt wurde wahrscheinlich die "gefühlte Stadtgröße".

Wie viele Zivis
 
Ich hatte die Theorie aufgestellt, dass besonders viele Schwule Zivildienst ableisten. Mich verblüffte, dass sich der Großteil (44%) vor dem Ersatzdienst drückt. 33% wählten den Zivildienst, 19% Wehrdienst, 3% entschieden sich für ein FSJ und 0,7% waren im Ausland (ADiA - Anderer Dienst im Ausland).

Altersstruktur Wehrdienst
 
Das finde ich interessant. Man erkennt deutlich, dass es kaum jüngere Bundis gibt. Früher war es offenbar nicht leicht sich dem Wehrdienst zu verweigern.

Welche Kontaktbörse nutzt Du?
 
Der rote Anteil repräsentiert mit 59 % die User, welche ausschließlich GayRomeo nutzen. Das Durchschnittsalter der Romeo-Nutzer beträgt
30 Jahre, das der GayRoyal-Nutzer 39 und dbna-User sind im
Schnitt 24 Jahre alt. Anzumerken ist, dass Funkyboys mehrfach zusätzlich mit angegeben wurde. Es stand nicht separat zur Auswahl. Da habe ich dieses Portal wohl unterschätzt.

Die Faker
 
35 % der Befragen gaben an, sie hätten bereit schon einmal gefaket. In der gleichen Größenordnung liegt der Anteil derer, welche mindestens(!) ein Zeitprofil besitzen (27%).
Es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen Singles und Pärchen gefunden. Beide scheinen ungefähr gleich oft zu faken. Für genaue Aussagen fehlt es an dieser Stelle jedoch an der nötigen Auflösung.

Wozu nutzt Du dein Zweitprofil?
 
Als Grund für ein Zweitprofil nannten 55% die Suche nach Sexdates. 30% nutzen dieses Profil für zwei verschiedene Freundeskreise oder zwei verschiedene Städte. Zum Ausspionieren anderer User gebrauchen 42% der Befragten ihr Zweitprofil.
Die Prozentangaben beziehen sich auf die Teilnehmer, die diese Frage beantworteten. Normalerweise wurden die meisten Fragen von durchschnittlich 97% aller Jungs ausgefüllt. Bei diesem Unterpunkt schrumpfte die Beteiligung auf 24%. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass nicht alle User ein Zweitprofil besitzen.
Zusätzlich gab ein Teilnehmer an, er nutze das zusätzliche Profil zum Ausleben eines Fetisch. Etwas verwirrt hat mich die Angabe "Als Eigenwerbung" und "beruflich".

Ich suche eine monogame Beziehung
 
Die Befragten wurden gebeten ihre Zustimmung zu dieser Aussage auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten mitzuteilen. 10 Punkte entspricht dabei voller Übereinstimmung.
Ich teil die Antworten mal in Kategorien ein:
(1-4): eher untreu, 24%
(5-8): eher treu, 23 %
(9-10): definitiv treu, 52%

Leider waren ein, zwei Fragen missverständlich gestellt. Diese Frage war ebenfalls anfangs nicht eindeutig formuliert, weshalb ich die ersten 100 Antworten an dieser Stelle nicht wertete.

 
Den Wert der "eher Untreuen" sehe ich durch die Frage "Suchst Du innerhalb einer Beziehung online nach Sex" bestätigt. 20% bejahten dies.


Was suchst Du online?
 
Die meisten (70%) möchte lediglich Kontakt zu Freunden halten. Der rote Anteil kennzeichnet die User, die ausschließlich Sex suchen (5%).

Es bestand die Möglichkeit weitere Ziele schriftlich zu nennen.
Darunter waren: "Date für Kino, Kaffee trinken", "Wixen", "Informationen", "Eine nette Unterhaltung", "Nette Treffen".

Irgendwie mag ich das Wort "nett" nicht. Ich mein, "nett" ist auch ein Teppich...

Suchen Bundis etwas anderes?
 
Was "Freunde" und "Beziehung" angeht, sind die Unterschiede zwischen Bundis und Zivis nicht signifikant. Nur halten scheinbar die Soldaten eher Ausschau nach Sex als die Zivildienstleistenden.

Was bedeutet das Wort "Date" für dich?
 
Ich finde es ein wenig traurig, dass GayRomeo das Wort "Date" mit der Beschreibung "Mehr als Sex" charakterisiert. Viele in meinem Freundeskreis sind der Meinung, es habe etwas anzügliches an sich, wenn man mit dem Status "Date" online geht. Kein Wunder, wenn es als "Sex und mehr" deklariert wird. Ob die Macher von Romeo damit gezielt Hemmschwellen herabsetzen möchten, oder spielt Sex in ihrem Leben tatsächlich eine solch große Rolle? Ursprünglich bedeutet dieses Wort in der englischen Sprache nix weiter als eine Verabredung oder ein Rendezvous.
Schauen wir, ob die GR-Definition auf den Großteil der Internet-Nutzer abgefärbt hat:
50% verstehen unter einem "Date" ein zwangloses Treffen, 26% ein Rendezvous und 22% ein Sexdate.

Einige Teilnehmer spezifizierten: "Schauen was draus wird", "Irgendwas zwischen Sexdate und Kennenlernen", "Etwas zwischen Sexdate und Rendezvous", "Mal so, mal so :-)"





Bist Du Plus-User?
 
40% - So viele Plus-User hätte ich nicht erwartet. Nun könnte man überlegen, ob Leser meines Blogs oder User, die nach GayRomeo-Eiern gesucht haben, sich allgemein mehr für Kontaktbörsen interessieren und daher eher geneigt sind dafür Geld auszugeben. Aber selbst wenn wir zehn Prozent abschlagen, sind 30% immer noch beachtlich.
Denke daran, dass sich die 40% nur auf die "wahren Nutzer" beziehen. Das heißt, man kann dies nicht einfach auf die Account-Anzahl umrechnen.

Magst Du GayRomeo?
 
Hier wieder eine Bewertung auf der Skala von 1 bis 10. Zehn stellt dabei die größte Sympathie für den Marktführer dar.
Sei das geschlossene Intervall von 7 bis 10 der Bereich, den zufriedene User wählen, dann sind 75% der Befragten mit GR glücklich.

Zufriedenheit in Abhängigkeit anderer Portale
 
War zuerst das Ei oder das Huhn da?
Möchte sagen: Welche Kausalkette ist gültig?
Sind einige Internet-Nutzer mir Romeo weniger glücklich und wechseln darum zu anderen Portalen oder aber sind sie mir GR unzufrieden, weil sie andere Portale kennen und vielleicht deren Funktionen besser finden?

Wie oft hast Du dein Profil gelöscht?
 
Der Löwenanteil (66%) der User hat noch nie sein Profil gelöscht.


Werbung auf GayRomeo? Nervend?
Gegeben war erneut eine Skala von 1-10. Hier sehen wir, dass wir nichts sehen. Den meisten ist die Werbung egal (35%). Der Rest verteilte sich gleichmäßig auf alle anderen Antwortmöglichkeiten. Leider war auch diese Frage zunächst kontraintuitiv gestellt. Ich muss zu unserer Verteidigung sagen, dass wir den Fragebogen unter Zeitdruck zusammen stellten.


Was würdest Du bei GayRomeo verbessern?
Kommen wir zu einem der interessantesten Fragen, da bei diesem Unterpunkt die Antworten sehr unterschiedlich ausfielen. Wo liegen die Defizite des derzeitigen Marktführers? Ich finde, wir sollten Geld für solch eine Marktforschung verlangen. In den Klammern findest Du die Anzahl der Teilnehmer, die ähnliche Vorschläge machten, gefolgt von einer exemplarischen Antwort.

(18) "Was mir am meisten fehlt ist ein Gruppenchat"
(13) "NIX!!"
(10) "Alles ;o) naja, fast alles"
(11) "Design, Layout", "Die Übersichtlichkeit...
       viel zu kompliziert für Einsteiger"
( 9) "Fakerschutz", "PostIdent-Verfahren als Option"
( 6) "Teilweise weniger Fokus auf Sex, aber das ist auch Usersache."
( 6) "Mehr 'social networking'", "Mehr Web 2.0"
( 6) "Einbinden von Videos"
( 5) "Höhere Limits", "Verlauf sollte erhalten bleiben"
( 3) "Umkreissuche (wer an der Grenze zwischen mehreren Regionen
       wohnt, wird auf der anderen Seite nicht gefunden, sogar wenn es
       ganz nah ist)"
( 3) "User vollständig ausblenden lassen (Bestimmte Leute will ich
       nicht sehen, die mich gespeichert haben), das umfasst auch User die
       mich blocken"

Etwas lustigere Wünsche:
  • "Mehr junges Volk", "Die User? ;)", "... die Kerle!", "Die Idee von Gayromeo finde ich gut, das Problem sind eher die Menschen, die es nutzen :(", "Erwachsene Leute über 26 rauswerfen"
  • "Körpertyp 'Atlethisch' entfernen."
  • "Das es keine XXX-Bilder gibt", "Alle können xxx-Bilder gucken"
  • "Bild im Profil als Pflicht für jeden!"
Und noch ein paar Antworten, zu denen ich Anmerkungen habe.
"Die Messages per Entertaste abschicken können bzw. strg+enter"
Das ist jetzt schon möglich. Drücke die Tabulator-Taste gefolgt(!) von der Enter-Taste zum Versenden der Message. Das klappt nicht nur bei Romeo, sondern bei vielen anderen Kontaktbörsen ebenso (z.B. StudiVZ).

"Externe Anwendung für Trillian und iPhone"
So schnell wird PlanetRomeo keinen Fuß aufs iPhone kriegen. Appel ist nämlich recht pingelig, was anzügliche Anwendung angeht. Beispielsweise wurde eine Application für das Gutenberg-Projekt abgelehnt, weil es den Zugang zum Kamasutra gewährleistet.

"Das man Bilder auch raus ziehen kann und speichern"
Hier erfährst Du wie das ginge.


Die Anzahl der Partner
 
Von den Teilnehmern hatten ganze 21% noch nie einen Partner (online gefunden). Einige nannten eine ungewöhnlich hohe Partneranzahl (Werte wie "100" oder "250").

Das Antwort-Verhalten
 
Nur 28% der User antwortet in jedem Fall.

Ich warte lieber darauf, dass ich angeschrieben werde.
Die Teilnehmer gewichteten diese Aussage erneut mit 1 bis 10 Punkten. Leider gab es hier nicht viel zu erkennen. Im Grunde wurde alles gleichmäßig gewählt.





Ungeschützten Verkehr habe ich...
 
Zur Auswahl standen die Aussagen:
"wenn der andere zustimmt/ es möchte" - (11%)
"wenn ich ihm vertraue" - (19%)
"wenn wir zusammen sind" - (18%)
"nur nach einer längeren Partnerschaft" - (42%)
"nachdem wir einen HIV-Test gemacht haben" - (36%)
"Immer geschützten Verkehr" - (37%)
"Nie geschützten Verkehr" - (4%)

Sexuell übertragbare Krankheiten
 
Um ehrlich zu sein, musste ich bei der ein oder anderen Erkrankung erstmal nachschlagen, was das eigentlich genau ist. 18% der Beteiligten sagten, sie waren oder seien erkrankt. Na, ob da alle ehrlich antworteten?

 
Ein User merke an, dass Tripper auch ohne Geschlechtsverkehr übertragbar sei. Auf die genauen Prozentangaben ist hier kein Verlass, da die Signifikanz in den Boden geht.

Wo hast Du dich ansteckt?
29 Teilnehmer gaben an, sich bei einem Sexdate infiziert zu haben.
5 durch den eigenen Partner.
Hinweis: Dies sind Absolutwerte, keine Prozente.

Vier weitere Männer gaben die folgenden Übertragungswege an: "Gemeinschaftsdusche", "Sauna", "Kneipenklo", "Drogenkonsum".

Ist dein Sexmodul deaktiviert?
 
Im Rahmen der Genauigkeit der "Messwerte" fand ich keine Auffälligkeiten bei den sexuellen Präferenzen oder der Größe des Gemächts in Bezug auf diese Frage. Die Fragestellung war für die ersten 100 Teilnehmer noch etwas schwer verständlich formuliert, weshalb die ersten 100 Stimmen bei diesem Unterpunkt nicht berücksichtigt werden konnten.

Kleine Schönheitskorrekturen
 
Diesmal ging die Skala nicht von 1-10, sondern von 1-5. Ein wenig kontraintuivit: 1 steht hierbei für absolute Ehrlichkeit.
Ein Ergebnis, das nicht besonders überrascht. Wer würde schon abstreiten wollen, dass das wirklich ein Waschbrettbauch ist?

Unter der Gürtellinie
 

Schwanzlänge
 
Für viele Schwule eine interessante wichtige Frage. Doch wir wollen mal den Anspruch heben. Ich hatte gehofft Unterschiede zu sehen in Bezug auf die Profilangaben. Doch was die Penisgröße angeht, sehen wir keine Abweichungen. Im Gegenteil. Der Kurvenverlauf stimmt erstaunlich gut mit bereits bekannten Statistiken überein.

Präferenz beim Analverkehr
"Ich mag Analverkehr" - 10% aller Befragten lehnten diese Aussage ab. In diesem Zusammenhang hier ein guter Beitrag von GayWest:
Why are our opponents so obsessed with "butt sex"?
[...] It occurred to me a few weeks ago when a poster on a conservative blog complained that gays "expect us to approve of butt sex and call it marriage."

"Our opponents contemplate our lives, our love, our longing, and what do they see? Butt sex. Such obtuseness is depressing."
Eine beliebte Frage, die immer und immer wieder in schwulen Foren diskutiert wird. Wer hat mehr Auswahl?
Betrachten wir die Problematik differenzierter, indem wir ein Auge auf die "Topologie" der Vorzüge im Bett werfen.
 
Wir baten die Teilnehmer ihre Zustimmung zu den Aussagen "Ich bin gerne aktiv/passiv" mit 1 bis 5 Punkten zu gewichten. Fünf steht wie gehabt für maximale Zustimmt. Befragt wurden nur Jungs, die zuvor Analverkehr bejahten.
Es fällt auf, dass Kombinationen aus niedrigen Wertungen (z.B. aktiv 3, passiv 1) nicht gewählt wurden. Durch die drei Nullen werden 1% der Teilnehmer vernachlässigt.
Aktive und Passive existieren scheinbar gleich häufig. Die leichte Überzahl der Passiven ist statistisch nicht aussagekräftig- kann man also knicken. Im Mittel ist es so gut wie ausgewogen.

Pornographie & Gruppensex
Zum Abschluss noch zwei Diagramme, die der Tobi irgendwie verwursten wollte...
 

 
Jungs, die die Idee einer Orgie ablehnten, wurde übrigens nicht gefragt, ob sie jemals an einer teilgenommen haben.

Uff.. endlich geschafft. Jetzt weißt Du auch, warum es ein wenig gedauert hat mit der Auswertung.

Sonntag, 12. April 2009

Die große Oster-Umfrage

Steffen030, Gayinfoboard, GayBC und GayDatingTricks haben sich zusammengetan, um eine große Oster-Umfrage zu starten.
Wir möchten der schwulen Community auf den Zahn fühlen und stellten dafür ein paar Fragen zusammen. Die Umfrage gliedert sich in drei Bereiche. Einen allgemeinen Teil mit Angaben zur Person, danach Fragen zu GayRomeo (sowie anderen Kontaktbörsen) und abschließend gehen die Fragen ein wenig unter die Gürtellinie.

Mach mit! Es dauert weniger als 5 Minuten!
Je mehr teilnehmen, desto besser. Darum würde ich mich freuen, wenn Du anderen von der Umfrage erzählst.

>> Zur Umfrage
  Lime Oster-Umfrage
  Für die Umfrage greifen wir auf LimeSurvey zurück

Mittwoch, 19. November 2008

"Oftmals steckt hinter ablehnenden Reaktionen einfach Unsicherheit und Unwissenheit"

Marthe Kniep, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der BRAVO, über den Umgang von Jugendlichen mit Homosexualität und die Behandlung schwuler Thematiken im Jugendmagazin BRAVO.


Lieber Frau Marthe Kniep, Sie sind Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der BRAVO. Wie hoch schätzen Sie das Interesse an schwulen Thematiken bei Jugendlichen ein?
Marthe Kniep: Aus unserer Erfahrung im täglichen Kontakt mit Jugendlichen können wir eigentlich keine allgemein gültige Interessenslage ableiten. Wir erhalten regelmäßig Anfragen
sowohl von Mädchen und Jungen, die Fragen zur eigenen sexuellen Orientierung haben, aber auch von Jugendlichen, in deren sozialem Umfeld sich beispielsweise Geschwister oder Freunde geoutet haben.

Wird das Dr. Sommer-Team durch den zunehmend offenen Umgang mit dem Thema vermehrt mit Fragen zu der Thematik konfrontiert?
Eine solche Entwicklung spüren wir nicht, wobei wir über die Anfragen auch keine Statistik führen. Im Themenspektrum der vielen hundert Anfragen, die uns wöchentlich erreichen, machen Anfragen zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität aber einen eher kleinen Teil aus. Die wichtigsten Themen bei Dr. Sommer sind Fragen rund um alle „ersten Male“ – Küssen, Verliebt sein, Liebeskummer, Petting und natürlich DAS erste Mal.

Welche Fragen werden dabei gestellt? Welche Themen sind besonders häufig vertreten? In welche Richtungen tendieren die Fragen?
Die meisten Jugendlichen, die sich an uns wenden, sind in der Phase der Orientierung während der Pubertät. Das betrifft natürlich auch die sexuelle Orientierung.
Wenn ein Mädchen sich in seine beste Freundin verliebt, oder ein Junge beim Gedanken an einen anderen Jungen unerwartet eine Erektion bekommt, dann sind die Jugendlichen erstmal irritiert. Sie fragen sich, ob das normal ist und wie sie sich jetzt verhalten sollen. Einige haben mit gleichgeschlechtlichen Jugendlichen etwa Küssen oder Petting ausprobiert und möchten wissen, ob das okay ist und ob sie jetzt schwul oder lesbisch sind.
Es gibt aber auch Jugendliche, meist ältere, die schon wissen, dass sie homosexuell oder lesbisch sind. Dann fragen sie nach allem, was mit dem Coming-Out zu tun hat. Die Sorge darüber, wie die Umwelt – die Eltern, Freunde, Mitschüler – reagieren wird oder reagiert hat, ist oft groß.

  Creative Commons by flickr user colourcrazy
   Liebt er mich? Liebt er mich nicht? Das Dr. Sommer Team hat zu
   jeder Frage einen guten Rat.


Warum sind eigentlich die Informationen für Schwule und Lesben auf der Homepage des Dr. Sommer-Teams nur sehr knapp gehalten?
BRAVO.de bietet sehr umfangreiche Informationen und Tipps für Fragen rund um die Themen sexuelle Orientierung, Coming-Out, zur schwulen Szene allgemein oder zu schwulen Communitys im Internet. Das Thema gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität ist ein fester Bestandteil von Dr. Sommer bei BRAVO.de, aber eben ein Teil von vielen.
Der redaktionelle Inhalt auf BRAVO.de richtet sich prinzipiell an alle Mädchen und Jungen – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Denn letztlich sind die Themen Liebe und Freundschaft, Seele und Gefühle, Familie und Schule, Körper und Gesundheit für alle User gleichermaßen von Interesse.

Warum bringt das Bravo Magazin eigentlich nicht vermehrt schwule Thematiken auch aufs Cover?
BRAVO ist ein Musik- und Star-Magazin, deshalb bestimmen Stars und deren Storys das BRAVO-Cover. Wenn es ein Star- Thema gibt, dass ebenso gut aus der Lebenswelt der Jugendlichen kommen könnte, dann gehen wir dabei auf den Dr.-Sommer-Seiten ein.
Hat zum Beispiel ein Star Liebeskummer, wird das Thema Liebeskummer auch vom Dr. -Sommer-Team aufgegriffen. Wir geben dann zum Beispiel Tipps, wie ein Junge oder Mädchen gut über diesen Schmerz hinweg kommt. Auf diese „Special–Seiten“ wird dann oftmals auch auf dem Cover hingewiesen.

  Creative Commons by flickr user autisticpsycho
   Das Dr. Sommer Team klärt auf

Und spezieller auf die Lage der Schwulen und Lesben:
Stellen Sie einen Wandel der Gesellschaft in der Meinung bei schwulen Thematiken fest? Haben sich im Laufe der Jahre die Anfragen an das Team verändert?

Was die Anfragen der Jugendlichen zu dem Thema anbelangt – eigentlich nein, hier spüren wir keine Veränderung. Und auch die Haltung des Dr.-Sommer-Teams in der Beratung der Jugendlichen nicht. Für uns ist homosexuelle Liebe genauso akzeptiert, wie heterosexuelle Liebe. Das vermitteln wir den Jugendlichen auf unseren Beratungsseiten im Heft und auch auf BRAVO.de.
Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, einen Weg zu finden, mit ihrer jeweiligen Orientierung gut umgehen zu können. Wir raten ihnen, ihre Bedürfnisse nicht zu ignorieren. Wir verstehen es als unsere Aufgabe den Jugendlichen zu sagen, dass Homosexualität etwas Normales ist und dass sie mit ihren Gefühlen nicht die Einzigen auf der Welt sind. Wir versuchen ihnen den Druck zu nehmen, sich sofort als homosexuell outen zu müssen. Wenn wir heraushören, dass jemand noch mehr Hilfe zu dem Thema braucht, dann verweisen wir auf Einrichtungen oder Gruppen, die das Thema als Schwerpunkt und professionell aufgreifen.

Jugendliche wissen generell Bescheid über homosexuelle Liebe. In Kontakt mit den Jugendlichen spüren wir aber, dass sie oft nicht gleichwertig behandelt wird. Die Toleranz oder die Reaktionen auf Homosexuelle sind sehr unterschiedlich. Vorurteile und homophobes Verhalten, vor allem unter Jungen und Männern, machen es den Jugendlichen manchmal schwer, offen mit dem Thema umzugehen. Oftmals steckt hinter den ablehnenden Reaktionen aus ihrer Umwelt allerdings einfach Unsicherheit und Unwissenheit.

Sehen Sie die Entwicklung, dass sich Jugendliche vermehrt in Communitys präsentieren, positiv? Warum oder warum nicht?
Das Internet bietet unzählige Vorteile, aber auch Risiken. Angefangen bei der Kommunikation über Stadt- und Ländergrenzen hinweg bis hin zu Schnelligkeit der Informationsbeschaffung. Aber auch in der virtuellen Welt müssen Kinder und Jugendliche von Erwachsenen über Risiken informiert und aufgeklärt werden, um ein entsprechendes Verhalten für maximale Sicherheit im Internet zu erlernen.

Werden Sie auch mit Fragen in dieser Hinsicht konfrontiert?
Konkrete Fragen zum Verhalten im Internet bekommen wir selten. Aber Fragen wie „Verliebt in meinen Chat-Partner“ bekommen wir natürlich auch.

Liebe Frau Marthe Kniep, vielen Dank für das Gespräch!

Dienstag, 18. November 2008

Morgen: Interview mit dem Dr Sommer Team

Es wird gruselig. Die Toten werden lebendig.
Aus dem Blogger-Grab greift Sascha, mein Ex-Co-Blogger, nach dem Wort.

Ähm... nicht direkt.
Sascha hatte "damals" mehrere Interviews für Gay Dating Tricks an Land gezogen. Ein letztes Interview von ihm liegt hier noch auf meinem Schreibtisch. Es hatte ein wenig länger gedauert bis alles in Tüten war und so fiel dieser Beitrag nicht mehr in seine "Amtszeit".

Die BRAVO
Jeder kennt dieses Jugend Magazin - kaum ein Jugendlicher, der sie nie in den Händen hielt.
Gay Dating Tricks sprach für dich mit Frau Marthe Kniep, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams bei BRAVO. Wie werden schwule Inhalte in der Zeitschrift behandelt und wie gehen Kinder mit der Thematik um?
Morgen auf Gay Dating Tricks!

Montag, 1. September 2008

"GayRomeo ist ein reiner Fleischmarkt. Wer gefragt ist, wird Sex finden, mehr nicht."

Alt und auch noch schwul? Das geht nicht. Sagen die jungen User. Geht doch, sagt Jürgen Droste, 64. Er ist Mitglied im Berliner Verein 40plus, eine Gemeinschaft von älteren Schwulen, die dafür kämpft, dass alte Schwule nicht abseits stehen. Wir haben mit ihm gesprochen!

  Creative Commons by flickr user nndosi
  Portrait eines älteren Schwulen
  "Wenn Ältere Jüngere suchen, zählt nur Geld"

Lieber Herr Droste, stellen Sie sich bitte einmal vor.

Mein Name ist Jürgen Droste, ich bin Rentner, 64 Jahre alt und lebe allein.

40plus ist eine Gruppe für Schwule, die älter als 40 sind, in Berlin. Warum braucht es diese Gruppe?

Das Motto der Gruppe ist: Wir wollen, daß Schwule im Alter nicht abseits stehen. Wir bieten Geselligkeit und gemeinsame Unternehmungen.

Was machen Sie innerhalb dieser Gruppe?

Die Gruppe wird von einem Zentralen Arbeitskreis geleitet (ZAK), der alle Aktivitäten plant und durchführt. Ich bin für die Erstellung unseres Infobriefs zuständig, eine Gruppenzeitung, die alle 2 Monate erscheint und an über 30 Stellen in Berlin ausgelegt wird. Außerdem führe ich die Kasse der Gruppe.

  Creative Commons by flickr user philippe leroyer
  Küssende Schwule in Paris
  "Plattformen und Communitys machen das Leben nicht einfacher"

Heute kann man sich das Kennenlernen von anderen Schwulen außerhalb des Internets kaum noch vorstellen. Wie haben Sie früher schwule Kontakte geknüpft?

Ich habe Kontakte in schwulen Bars und Saunen geknüpft, vor langer Zeit auch einmal durch Zeitungsannoncen.

Inwieweit hat das Internet das Date zwischen zwei Schwulen verändert?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich hatte einmal ein Profil bei GayRomeo, aber es ist kein Kontakt zustande gekommen. Und Plattformen und Communitys machen das Leben nicht einfacher. Denn dort wird genauso viel gelogen wie in Annoncen.

Sie halten nicht viel von GayRomeo und Co.?

Nein, GayRomeo ist ein reiner Fleischmarkt. Wer auf diesem Markt gefragt ist, wird Sex finden, mehr nicht. Ich finde dort nicht das, was ich will.

Was suchen Sie denn?

Ich suche einen Freund, mit dem ich z.B. gemeinsam reisen kann. Auf Sex kann ich verzichten. Und auf solchen Plattformen fühle ich mich einfach nicht wohl!

  Copyrights by gaypaintings.com
  Ein schwules Seniorenpärchen
  Mit freundlicher Genehmigung von gaypaintings.com


Liegt es vielleicht am Alter?

Alter spielt immer eine Rolle. Am einfachsten hat es der, der immer etwa gleichaltrige Partner sucht.

Was denken Sie, wenn junge User schon im Profiltext ausschließen, dass sie älteren Schwulen überhaupt antworten?

Das ist für mich akzeptabel. Ich habe ja auch meine Vorstellung vom Alter eines Sexpartners. Und wenn ein Älterer einen jüngeren Partner sucht, zählt nur eins: Geld.

Lieber Herr Droste, vielen Dank für das Gespräch.
Nächsten Montag:

Der Berliner Rechtsanwalt Jan Cesar Woicke erklärt Möglichkeiten, gegen Stalking vorzugehen, zeigt typische Fälle auf und gibt Tipps, wie sich Betroffene verhalten sollen.

Bisher sind in dieser Reihe folgende Interviews erschienen:
Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de
Wolfgang Melcher, Chefredakteur des Männermagazins Men's Health
Renate Rampf, Pressesprecherin des LSVD
Dirk Ludigs, Chefredakteur des schwulen Männermagazins "Front"

Sonntag, 31. August 2008

Morgen: Wie es sich anfühlt, alt und schwul zu sein

Alt und auch noch schwul? Das geht nicht. Sagen die jungen User. Geht doch, sagt Jürgen Droste, 64. Er ist Mitglied im Berliner Verein 40plus, eine Gemeinschaft von älteren Schwulen, die dafür kämpft, dass alte Schwule nicht abseits stehen.

Er erzählt im großen Interview von seiner Arbeit im Verein, sagt, wie er sich fühlt, wenn er als Opa abgestempelt wird und berichtet, wie man sich vor Entstehen von GayRomeo zum Date verabredet hat.

Morgen auf Gay Dating Tricks!

Bisher sind in dieser Reihe folgende Interviews erschienen:

Patrick Kremers, Redaktionsleiter des schwulen Jugendmagazins dbna.de
Wolfgang Melcher, Chefredakteur des Männermagazins Men's Health
Renate Rampf, Pressesprecherin des LSVD
Dirk Ludigs, Chefredakteur des schwulen Männermagazins "Front"

Dienstag, 19. August 2008

"Deutschland ist zu klein und die Verantwortlichen oftmals zu provinziell in ihrer Denke"

DIrk Ludigs, Chefredakteur des schwulen Männermagazins "Front" über die Frage, warum in Deutschland keine Serien mit schwulen Inhalt produziert werden und warum Mädchen dazu beitragen, dass es überhaupt schwule Charaktere in deutschen Serien gibt

Lies erstmal Teil 1!

  Creative Commons by flickr user gd.master
  Front-Magazin
  Massenmedien haben die Tendenz, die Welt als Klischee abzubilden

Würden Sie der These zustimmen, dass Schwule und Lesben in den Medien vor allem klischeeisiert dargestellt werden?

Massenmedien haben grundsätzlich die Tendenz, die Welt als Klischee abzubilden. Da machen sie bei Homosexuaiität keine Ausnahme, sie arbeiten aber auch meines Erachtens nicht extra klischeebeladen. Es kommt am Ende doch sehr darauf an, um welche Medien es sich handelt. So macht die konservative FAZ zum Beispiel eine in der Regel sehr kluge und kenntnisreiche Berichterstattung zu Themen wie Homosexualität und Aids, die ich mir in manchen schwulen Blättern so wünschen würde, während der Spiegel sich bis heute gegenüber Frauen und Schwulen eher machohaft und herablassend gebärdet. Natürlich kann man sich immer mehr Berichterstattung wünschen, man darf sich aber auch mal selbstkritisch eingestehen, dass vieles in der schwulen Welt außerhalb davon nur mäßigen Nachrichtenwert hat. Darum ist es gut, dass es spezielle Medien wie "Front" gibt, die dem Thema mehr Raum geben können.

Glauben Sie, dass diese schwule Charaktere vor allem Quotenschwule/-lesben sind?

Eine Schwulenquote bei deutschen Fernsehsendern wäre vielleicht ein gute Idee, es gibt sie aber nicht. Schwule und Lesben kommen in Soaps vor, weil sie als Charaktere exotisch sind, weil sie Konfliktpotenzial in sich tragen, weil z.B. Mädchen schwule Jungs oft "süß" finden und deswegen die Serie anschauen. Insofern sind sie natürlich doch Quotenschwule, denn sie dienen der Quote, und wenn sie keine Quote bringen, werden sie aus der Serie rausgeschrieben.

  Creative Commons by flickr user Spin Cycle NYC
  Signierte Queer as Folk Tassen
  Auf dem falschen Sendeplatz und zu amerikanisch

Warum haben Ihrer Meinung nach Serien, die vermehrt auf schwule und lesbische Thematiken setzen, wie beispielsweise Six feet under oder Queer as folk, in Deutschland nur sehr wenig Erfolg? Sind die Serien für das Publikum zu anspruchsvoll?

Queer as Folk war nicht zu anspruchsvoll, sondern auf dem falschen Sendeplatz und meines Erachtents zu amerikanisch, als dass sich das deutsche Publikum darin hätte wiederfinden können. Warum Deutschland solche Serien nicht produziert – das ist die eigentliche Frage ... eine Antwort: Deutschland ist zu klein und die Verantwortlichen oftmals zu provinziell in ihrer Denke.

Glauben Sie, dass offensiv schwule Themen auf Zeitschriftencovern Auflagenkiller sind?

Grundsätzlich? Nein. Darum gibt es ja gelegentlich auch solche Cover bei Mainstream-Medien. Bei schwulen Magazinen sind sie natürlich Pflicht.

Sie sind ja ein schwules Medium. Wie würden Sie die Zielgruppe Ihres Magazins beschreiben? Umwerben Sie wirklich nur schwule Männer?

Wir wollten ein Magazin machen, dass schwule Männer anspricht, auf die zum Teil etwas altbackene "Regenbogenfolklore" aber verzichten. Intern nennen wir das spaßeshalber schwul2.0, Es ist ein journalistischer Ansatz, der versucht das alte Lagerdenken zu überwinden. Schließlich empfinden sich viele schwule Männer heute nicht mehr als marginalisiert oder Teil einer Randgruppe sondern als ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Sie sehen sich nicht im Abseits sondern vielmehr weit vorne --- an der gesellschaftlichen Front eben. So ist auch nicht Homosexualiität per se das Thema von Front, sondern Thema in Front wird, was schwule Männer interessiert. Und damit sind wir eben immer auch offen für andere Leser.

  Creative Commons by flickr user jemsweb
  Regenbogenfahnen
  Journalistischer Ansatz, altes Lagerdenken zu überwinden

Wird Ihr Magazin gleichwertig auch von heterosexuellen Männern gekauft? Ist andererseits Ihr Magazin vielleicht auch bei Frauen besonders beliebt?

Ca. 71 Prozent der Front-Leser definieren sich als schwul, ca. 12 Prozent als hetero, der Rest sieht sich dazwischen. Und jeder zehnte Leser ist eine Frau.

Bei unserem Blog haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir immer wieder Fragen gestellt bekommen, die in die Richtung tendieren, wie Schwule eigentlich sind und wie man sie erkennt. Wird Ihre Redaktion eigentlich auch als Anlaufstelle mit solchen Fragen zu homosexuellen Thematiken konfrontiert?

Weniger von unseren Lesern, sehr stark aber von anderen Medien. Bild, RTL und SAT1 klingeln gerne in unsere Redaktion an, wenn es mal wieder ums Schwulsein geht. Und das ist auch gut so!

Lieber Herr Ludigs, vielen Dank für das Gespräch!
Nächsten Montag:

Karin Kontny
über ihre Recherchen zur christlichen Organisation Wüstenstrom, die sie für die Zeit gemacht hat und nun mit Drohanrufen und gehässigen Mails aus dem Spektrum christlich-konservativer Sekten verfolgt wird. Und über den Traum, Journalistin zu werden.

Montag, 18. August 2008

"Wenn unsere heutige rechtliche Situation ein Grund sein soll, um zu demonstrieren, dann müssten unsere Straßen verstopft sein"

Dirk Ludigs, Chefredakteur des schwulen Männermagazins "Front", über sein ambivalentes Verhältnis zum CSD und seinem Eindruck, dass in den Medien schwules Leben ein reiner Rosenmontag sei.

  Creative Commons by flickr user gd.master
  Front-Magazin
  In einer offenen Gesellschaft leben, heißt auch mit Intoleranz leben

Lieber Herr Ludigs, Sie sind Chefredakteur des schwulen Männermagazins „Front“. Stellen Sie einen Wandel der Gesellschaft in der Meinung bei schwulen Thematiken fest?

Natürlich hat in den letzten Jahrzehnten, besonders seit den Neunzigerjahren, ein ganz grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel im Umgang mit Homosexualität stattgefunden. Viele vergessen, dass die letzten Reste des Paragrafen 175, der einst Sex unter Männern verbot, erst 1994 abgeschafft wurden. Schon 2001 kam dann die Lebenspartnerschaft. Entsprechend offener ist auch der Umgang geworden. Die Geschichte der homosexuellen Emanzipation ist erst einmal eine ganz große Erfolgsgeschichte. Das wird gerne vergessen oder nicht ausreichend gewürdigt. Problemlos ist der Umgang mit dem Thema deshalb natürlich noch lange nicht.

Wo sehen Sie Problemfelder bei der Thematik?

Es gibt einfach einen intoleranten Teil in unserer Gesellschaft, zwischen 10 und 20 Prozent laut Studien. Homophobie muss man dabei in einem größeren Zusammenhang betrachten: Sexismus, Rassismus, Antisemitismus. Toleranz lässt sich nicht verordnen, auch nicht einfach anerziehen. In einer offenen Gesellschaft zu leben, heißt meines Erachtens auch mit Intoleranz leben lernen zu müssen. Diese Erfahrung machen andere Minderheiten, zum Beispiel Juden seit Jahrhunderten. Wichtiger als den letzten überzeugen zu wollen, ist es meiner Meinung nach immer wieder für ein gesellschaftliches Klima einzutreten, in dem Intoleranz geächtet, Gewalt gegen Minderheiten geahndet und für ein friedliches Miteinander geworben wird. Das gilt heute besonders im Verhältnis von Schwulen mit Menschen mit dem berühmten "Migrationshintergrund", insbesondere mit Muslimen – und männlichen Jugendlichen, aus den so genannten bildungsfernen Schichten und/oder mit rechtsrsadikalen Überzeugungen.

  Creative Commons by flickr user bryan88
  Aids-Präventionskampagne
  Vor allem die Aids-Debatte hat viel zur Entwicklung beigetragen

Können Sie grundsätzlich sagen, welche Entwicklungen zu einem möglichen Wandel beigetragen haben?

Überraschenderweise war es vor allem die Aids-Debatte der späten Achtziger und frühen Neunzigerjahre, die Homosexualität auf die Tagesordnung gesetzt und damit viel zur Beschleunigung der Entwicklung beigetragen hat. Das Netz kam für diese Entwicklung fast schon zu spät, sie hatte da längst eingesetzt.

Glauben Sie, dass auch Plattformen wie GayRomeo oder dbna dazu beigetragen haben, dass Schwule offener mit Ihrer Sexualität umgehen können?

Portale wie Gayromeo und dbna haben sicherlich viel dazu beigetragen, die Entwicklung in die Tiefe des ländlichen Raums zu tragen. Es war auf einmal nicht mehr notwendig, in einer Großstadt zu leben, um am schwulen Leben teilzunehmen. Insofern sind sie sicherlich Teil des emanzipatorischen Prozesses.

  Creative Commons by flickr user Markus Merz
  Szene auf dem Hamburger CSD
  Schwules Leben ein einziger Rosenmontag?

Glauben Sie, dass unsere Gesellschaft weiterhin offensive Toleranzkampagnen wie den CSD nötig hat?

Mein persönliches Verhältnis zum CSD ist sehr ambivalent. Wenn unsere heutige rechtliche Situation tatsächlich ein Grund sein soll, um auf der Straße für unsere Rechte zu demonstrieren, dann müssten unsere Straßen täglich von Polit-Demos verstopft sein: von Rentnern, Behinderten, Arbeitslosen, alleinerziehenden Eltern, Ausländern... Außerdem erwecken die medialen Bilder von den CSDs den Eindruck, schwules Leben sei ein einziger Rosenmontag – ein Zerrbild, dass es Jugendlichen im Alltag nicht unbedingt leichter macht, das eigene Schwulsein zu akzeptieren. Also abschaffen? Vielleicht geben die amerikanischen Paraden einen Wink für die Zukunft: Statt Polit-Demo (die die CSDs in Wahrheit ja längst schon nicht mehr sind) einfach eine selbstverständliche und selbstbewusste Feier der eigenen Identität unter Verzicht auf Parolen und langweiliger Politikerreden. Wichtiger aber als an einem einzelnen Tag demonstrativ Selbstbewusstsein zur Schau zu stellen, ist das selbstverständliche Leben der eigenen Identität im Alltag: in der Familie, im Job und bei Freunden. Das trägt mehr zur Toleranz bei als alle CSDs dieser Welt.

LIes weiter: Dirk Ludigs über die Frage, warum in Deutschland keine Serien mit schwulen Inhalt produziert werden und warum Mädchen dazu beitragen, dass es überhaupt schwule Charaktere in deutschen Serien gibt

Dienstag, 12. August 2008

"Wenn ich die Wahl habe, als Klischee oder gar nicht dargestellt zu werden, dann als Klischee"

Renate Rampf, Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, über die Vorbildfunktion schwuler Charaktere im Fernsehen, das Klischee als Chance und die versteckte Gier nach schwulem Content.

  Renate Rampf
  Pressesprecherin Renate Rampf
  Unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in Serien gibt

Lies erstmal Teil 1.

Liebe Frau Rampf, Sendungen mit schwulen Inhalt im Fernsehen haben ein Quotenproblem und werden meist in der Nacht versendet. Glauben Sie, dass schwule Themen im Fernsehen ein Quotenkiller sind?

Es ist für Lesben und Schwulen unheimlich wichtig, dass es homosexuelle Inhalte in den Serien gibt. Die Charaktere in den Serien haben eine Vorbildfunktion. Wir haben jedoch das Problem der Minderheit. Solange sich die meisten Zuschauer damit nicht identifizieren können, weil sie ihr eigenes Leben nicht wiederfinden, kommt das nicht so gut an.

Sie sprechen von Vorbildcharakteren. Aber dennoch wird Homosexualität im Fernsehen schon sehr stark klischeeisiert.

Ja. Ich frage mich, wie ein Schwuler eigentlich aussieht. Was ist denn der normale Schwule?

Im Fernsehen wird das Attribut „schwul“ meist verwendet, wenn es um Prominente oder um Lifestyle geht.

Wir stellen in unseren Aufklärungsveranstaltungen immer die Frage, was ein typischer Beruf für einen Schwulen wäre.

Frisör?

Genau. Witzigerweise kommt als zweiter Beruf immer Bürgermeister. In dem Moment lachen alle, weil dann klar ist, dass es nur ein Klischee ist.

  Creative Commons by flickr user Videoplacebo
  Schwule und Klischees
  Was ist der normale Schwule?

Halten Sie die Klischeeisierung im Fernsehen für problematisch?

Viele Schwule und Lesben haben ein Problem mit dieser Darstellung. Aber was wäre die Alternative? Solange nicht hunderte von Schwulen im TV gezeigt werden, ist jede Darstellung ein Typ. Es ist daher besser, die Anzahl der Klischees zu erhöhen, also möglichst viele unterschiedliche Typen darzustellen. Wenn ich also die Wahl habe, als Klischee oder gar nicht dargestellt zu werden, dann lieber als Klischee.

Glauben Sie, dass ein Wort wie „schwul“ eine abschreckende Wirkung hat?

Es ist anziehend und abschreckend. Wenn solche Sendungen Freitags zur Prime Time laufen, dann schauen Familien zu. Das ist zwar gut, aber auch schlecht für die Quote. Denn so müsste innerhalb der Familie eine Person klar sagen, dass man die Sendung schauen möchte, weil da zwei nette Schwule vorkommen. Das geht nicht. Wenn man das aber später schaut, dann kann man das alleine gucken und muss sich nicht rechtfertigen. Und wenn doch jemand reinkommt, ist man eben zufällig hängengeblieben.

Was ist denn das Besondere an diesen Serien?

Ich stelle immer wieder in den Aufklärungsveranstaltungen fest, dass fast jeder einen Schwulen oder eine Lesbe in der Verwandtschaft hat, aber mit niemanden darüber redet. Diese Menschen brauchen diese Serien und auch die Artikel in den Zeitungen. Sie gieren teilweise richtig danach, weil sie wissen wollen, wie Homosexualität ist.

  Creative Commons by flickr user Steve Rhodes
  Filmplakat für schwulen Content
  Homosexualität darf angesprochen, aber nicht zu viel werden

Glauben Sie, dass Zeitschriften mit schwulen Themen mehr Chancen haben, weil das Fernsehen nur ein Begleitmedium ist, aber Print intensiver wahrgenommen wird?

Fernsehen ist das Leitmedium und es gibt einzelne Zeitungen, die Leitmedien sind. Journalismus lebt von einer bestimmten Abschreckung. Was da von Peinlichkeiten berichtet wird! Dagegen ist Schwulsein normal.

Der „stern“ zum Beispiel brachte Anfang des Jahres eine Titelgeschichte zum Thema „Mama, ich bin schwul“. Da kann man dann nicht mehr sagen, dass man ihn aus Versehen gekauft hat.

Dass „Queer as folk“ kein Einschaltquotenschlager wird, war klar. Und das „Six feet under“ kein großer Erfolg werden würde, war mir auch klar. Da werden zwei Tabus vermischt und gebrochen: der Umgang mit dem Tod und die Homosexualität. Das ist eher avantgardistisch und dafür bekommt man keine Mehrheiten. Es ist das Prinzip der Masse: Das Thema Homosexualität darf angesprochen werden, aber es darf nicht zu viel werden. Und so ist es auch beim stern. Er titelt nun eine Woche lang damit, hat aber in der nächsten Woche schon wieder ganz andere Themen.

Nun ist der CSD ja auch eine einmalige Veranstaltung, wurde aber in der Tagespresse nicht gewürdigt. Auch die Tagesschau hat es vorgezogen, über ein Schützenfest in Hannover zu berichten, als über den CSD in Köln.

Es gibt einen Abnutzungseffekt. Witzigerweise hat der CSD in Saarbrücken, der rein zahlenmäßig unbedeutender ist, ein größeres Medienecho bekommen. Auch die Online-Medien greifen das Thema auf Aber in Berlin hat man so viele verschiedene Ereignisse – solange da nicht Podolski ‚Das ist gut so!’ sagt, fehlt die Besonderheit des Ereignisses.

Liebe Frau Rampf, vielen Dank für das Gespräch!
Nächsten Montag: Der Chefredakteur von "Front", dem schwulen Männermagazin, Dirk Ludigs.

Er erzählt im großen Interview von seinen ambivalenten Verhältnis zum CSD, erklärt, warum es in Deutschland eine Serie wie "Queer as folk nicht geben kann und warum auch die "Bild"-Zeitung bei ihm mal anruft.

Nächste Woche auf Gay Dating Tricks!

Mehr zum Thema findest Du hier:
"Je größer der CSD wird, desto mehr ist der Träger ein ökonomischer und kein politischer Akteur"
Die Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, Renate Rampf, über die Kommerzialisierung des CSD, das Zusammenspiel von Politik und Ökonomie und Akzeptanz als Menschenrecht. Erster Teil des Interviews.


Was ist nur aus dem CSD geworden?
Der CSD hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom eigentlichen politischen Anspruch entfernt. Es ist höchste Zeit für eine Trendwende.

Gay Dating Tricks

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